Wirtschaft

Lufthansa in der Kritik Flugausfälle sollen Konsequenzen haben

Angesichts der vielen Verspätungen und Flugausfälle bei Lufthansa sieht der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands ein "Déjà-vu" für ehemalige Air-Berlin-Kunden. Er fordert die Fluglinien auf, kunden- und serviceorientierter zu arbeiten.

Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller hat angesichts von Verspätungen und Flugausfällen bei der Lufthansa und der Billigflugtochter Eurowings Konsequenzen gefordert. Lufthansa habe sich zwar entschuldigt, sehe jedoch im gleichen Atemzug die Gründe in Fluglotsenstreiks, Engpässen bei Flugsicherung und Flughäfen sowie im unberechenbaren Wetter. "Hier drängt sich die Frage auf, ob sich Lufthansa mit der Air-Berlin-Übernahme nicht doch verhoben hat", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) dem "Handelsblatt".

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Lufthansa sei auch mit dem Ziel zur Air-Berlin-Übernahme angetreten, es besser zu machen, sagte Müller weiter. Nun aber erlebten Verbraucher ein "Déjà-vu": Flugplanänderungen, Verspätungen und Flugausfälle führten nicht nur zu langen Wartezeiten und "erheblichen Unsicherheiten" bei Flugreisenden. Tausende Lufthansa- und Eurowings-Kunden seien entweder gar nicht erst an ihr Urlaubsziel gelangt, in der Ferne gestrandet oder ohne Gepäck angekommen.

Lufthansa müsse nun "schnellstens seiner Entzauberung entgegenwirken", forderte Müller. Dazu gehörten ein stabiler Flugplan, aber auch genügend flugbereite Maschinen und Mitarbeiter. "Die Schwierigkeiten bei der Lufthansa und ihrer Tochter Eurowings dürfen sich nicht auch in diesem Jahr wieder zu einem Drama für Verbraucher ausweiten." Schon der Sommer im vergangenen Jahr sei für Urlauber wegen der Air-Berlin-Pleite eine "Katastrophe" gewesen.

Verbraucher sollen Ansprüche einfordern

Das Verbraucherschutzministerium forderte Lufthansa und Eurowings auf, an einem "kundenorientierten Beschwerdemanagement" zu arbeiten. Staatssekretär Gerd Billen sagte dem "Handelsblatt", Airlines seien heute noch viel zu selten service- und kundenorientiert. Außergewöhnliche Umstände dürften nicht zur Pauschalbegründung bei Nicht-Zahlung werden.

Billen riet Verbrauchern, ihre Ansprüche einzufordern: "Ich kann nur raten, sich in solchen Fällen nach erfolgloser Eingabe bei der Airline an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr oder an die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz zu wenden", sagte er dem "Handelsblatt". Das sei unkompliziert und kostenlos.

Laut dem Fluggastrechteportal EUclaim fielen von Januar bis zum 20. Juni deutschlandweit fast 15.600 Flüge aus, wie das "Handelsblatt" weiter berichtete. Knapp 3800 seien mindestens drei Stunden verspätet gewesen. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum habe es rund 8800 Ausfälle und knapp 2300 Verspätungen gegeben. Für die Airlines bedeute dies Entschädigungsansprüche von Kunden von fast 480 Millionen Euro.

Quelle: n-tv.de, lri/AFP