Wirtschaft

Angestellte sollen auf Suizid verzichten Foxconn ergreift Maßnahmen

Zehn Mitarbeiter des weltgrößten Elektronikherstellers haben sich seit Beginn des Jahres bereits das Leben genommen. Das Unternehmen reagiert mit teils ungewöhlichen Maßnahmen darauf. Unter anderem sollen die Beschäftigten eine "Unterlassungserklärung" unterzeichnen.

Foxconn_2.jpg

Apple will die weiteren Schritte des Managements prüfen.

(Foto: REUTERS)

Nach einer Serie von Selbstmorden von Beschäftigten in China greift der weltweit größte Elektronikhersteller Foxconn zu einer Reihe von ungewöhnlichen Maßnahmen: Statt die Arbeitsbedingungen zu verbessern, schickte die Geschäftsleitung den Beschäftigten einem Pressebericht zufolge einen Brief, in dem die Mitarbeiter sich schriftlich verpflichten müssen, sich nicht selbst zu töten. Gebäude des Unternehmens wurden mit Netzen verhängt, um Todesstürze zu verhindern.

Seit Beginn des Jahres haben sich bei dem Hersteller des iPhone bereits zehn Arbeiter das Leben genommen. Arbeitsrechtsorganisationen machen den hohen Druck bei gleichzeitig schlechter Bezahlung verantwortlich. Foxconn produziert unter anderem für Apple, Hewlett Packard oder Dell. Die Selbstmorde haben eine heftige Diskussion über die Arbeitsbedingungen und den als "militärisch" beschriebenen Management-Stil bei Foxconn ausgelöst.

Unterlassungserklärung

Foxconn_1.jpg

Ein Vater weint um seinen toten Sohn Ma Xiangqian.

(Foto: REUTERS)

Die "Southern Metropolis Daily" druckte ein Foto des Briefes an die Angestellten. "Ich verspreche, mich oder andere niemals in einer extremen Form zu verletzen", heißt es darin. Die Beschäftigten erlauben mit ihrer Unterschrift dem Unternehmen, sie "zum eigenen Schutz und dem anderer" in eine psychiatrische Klinik zu schicken, sollten sie in einer "anormalen geistigen oder körperlichen Verfassung sein".

Foxconn-Gründer Terry Gou flog in seinem Privatjet und begleitet von Journalisten in die Sonderwirtschaftszone Shenzhen, wo das Unternehmen allein 300.000 Menschen beschäftigt. Vom dortigen Werk hatten sich neun Arbeiter in den Tod gestürzt.

Apple prüft Schritte, Peking hofft

Die "South China Morning Post" zitierte eine 21-jährige Foxconn-Arbeiterin, sie müsse an sechs Tagen pro Woche täglich zwölf Stunden arbeiten. Die Stimmung im Werk sei "eng und erdrückend", die Angestellten dürften nicht miteinander sprechen. Eine andere Arbeiterin berichtete vom hohen Tempo: Sie müsse täglich tausende von Computerplatinen für elektronische Geräte prüfen. Ihr monatlicher Lohn betrage 2000 Yuan (238 Euro).

Apple erklärte, es verfolge die Schritte von Foxconn, weitere Selbstmorde zu verhindern. Das Unternehmen fühle sich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Bedingungen für die Arbeiter in der Produktion "sicher" seien und dass die Beschäftigten mit Respekt behandelt würden, erklärte eine Sprecherin. Eine Arbeitsrechtsorganisation hatte am Dienstag angekündigt, sie wolle zum Boykott des iPhone aufrufen.

Die chinesische Regierung hob die Fürsorgepflicht der Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter hervor und unterstrich die Bedeutung der Ermittlungen. Firmen aus Taiwan seien in China willkommen, sagte Yang Yi, Sprecher des Taiwanbüros des Staatsrates in Peking, fügte aber hinzu: "Wir hoffen auch, dass die Arbeitgeber sich um ihre Beschäftigten kümmern."

Quelle: n-tv.de, ddi/dpa

Mehr zum Thema
23.04.09