Wirtschaft

Zukunft von Solarword offen Für den "Sonnenkönig" wird es eng

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Frank Asbeck kämpft seit Jahren mit dem dramatischen Preisverfall für Solarmodule.

(Foto: picture alliance / dpa)

In der Blütezeit von Solarworld galt Konzernchef Frank Asbeck als der "Sonnenkönig" - doch schon vor Jahren wurde sein Imperium kräftig erschüttert. Nun steckt die Firma erneut in der Krise - und ein Rechtsstreit in den USA droht Investoren abzuschrecken.

Frank Asbeck ist einer der wenigen deutschen Energiemanager, für den sich auch Society-Reporter interessieren. Der Gründer des Solarkonzerns "Solarworld" ist passionierter Jäger mit eigenem Schloss am Rhein - und hat gerne einen flotten Spruch auf den Lippen. In den goldenen Zeiten des Solarbooms zu Anfang der Energiewende hieß er nur der "Sonnenkönig". Doch mit der zunehmenden Konkurrenz bei Sonnenmodulen aus Asien zu Tiefstpreisen kam Asbecks Geschäftsmodell massiv ins Rutschen. Vor vier Jahren rettete den Konzern nur ein Aktien- und Schuldenschnitt, bei dem Anleger Millionen verloren.

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Jetzt steckt Solarworld wieder in der Krise. Nach einem abrupten Preisrückgang für Solarmodule auf dem Weltmarkt im vergangenen Jahr um 20 bis 30 Prozent stehen in der Jahresbilanz tiefrote Zahlen und fast 100 Millionen Euro Verlust. "2016 war ein heftiges Jahr für die gesamte Solarbranche, geprägt von chinesischen Überkapazitäten und einem massiven Preisverfall", sagte Asbeck im Vorfeld der Bilanzvorlage. "Wir haben mit Maßnahmen darauf reagiert, die unsere Kosten senken und es gleichzeitig ermöglichen, uns mit Qualität und Technologie weiter vom asiatischen Wettbewerb abzusetzen." Asbeck kämpft um die Wende im Unternehmen.

2017 will er die Verluste eindämmen und die Sanierung des Konzerns vorantreiben. Gegen die Billigkonkurrenz aus Asien setzt er verstärkt auf hochwertige monokristalline Solarmodule. Für den Umbau und den Abbau von 400 von derzeit 3300 Stellen braucht er aber erst mal Geld. Die nötigen Rückstellungen und Abschreibungen in der Bilanz ließen das Eigenkapital in der Solarworld-Muttergesellschaft stark auf nur noch 2,6 Millionen Euro schrumpfen. Asbeck daher jüngst eine außerordentliche Hauptversammlung ankündigen - äußerst schlecht fürs Image. Der Börsenkurs stürzte nach der Mitteilung kurzzeitig ab.

Ruhe bewahren und Kurs halten

Solarworld betont indes, dass im Unternehmen noch rund 120 Millionen Euro Eigenkapital stecken. An liquiden Mitteln verfügte das Unternehmen Ende 2016 über 84 Millionen Euro. Das Geld liege nur in den Produktionsgesellschaften, nicht bei der Mutter. Kapitalmaßnahmen für frisches Geld seien nicht geplant, erklärt das Management. Das Geld reiche auch für die geplanten künftigen Investitionen eines "mittleren zweistelligen Millionenbetrages im Jahr". Ruhe bewahren und Kurs halten ist die Devise des Managements - auch für die anstehende Hauptversammlung Anfang Juli.

Spätestens dann dürfte aber das Thema hochkochen, das Anleger derzeit mit am meisten beschäftigt: Müssen die Bonner Rückstellungen bilden für das gewaltige Prozessrisiko, das ihnen in den USA droht? Der Siliziumlieferant Hemlock hatte Solarworld dort 2013 wegen nicht erfüllter Abnahmezusagen auf umgerechnet rund 720 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Ein US-Gericht hat diesen Anspruch im Sommer 2016 bejaht, Solarworld ging in Berufung. Gewinnt Hemlock und kann seine Ansprüche auch in Deutschland geltend machen, wird es eng: Rücklagen für die Forderung hat Solarworld bisher nicht. Der Vorstand hält die Forderung aber hierzulande für nicht durchsetzbar.

Die Frage ist, ob die Aktionäre Solarworld die Treue halten und ob das Umsteuern Asbecks nicht zu spät kommt. Fachleute wie der Aktionärsschützer Roland Klose vom Anlegerschutzverein DSW glauben an die Beharrlichkeit der Aktionäre: "Die sind dem Unternehmen und der Energiewende sehr verbunden: Die, die jetzt noch dabei sind, sind hart gesottene Überzeugungstäter." Allerdings müsse Solarworld das Thema Hemlock unbedingt bereinigen, sagt Klose. Sonst stecke so schnell niemand neues Geld ins Unternehmen.

Quelle: n-tv.de, Rolf Schraa, dpa

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