Wirtschaft

Riskante Streikaktion am Flughafen GdF fürchtet um ihre Existenz

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Zu hoch gepokert?

(Foto: dapd)

Im Tarifstreit am Frankfurter Flughafen droht den Vorfeld-Mitarbeitern in böses Erwachen: Nach dem Erfolg vor dem Arbeitsgericht fordern Airlines und Arbeitgeber Schadenersatz. Es geht um große Summen: Eine Verurteilung dürfte der Gewerkschaft das Genick brechen.

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Selbstüberschätzung oder strategische Fehlentscheidung? Die GdF muss auf Beistand hoffen.

(Foto: dpa)

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) fürchtet nach dem gerichtlich für unrechtmäßig erklärten Streik der Vorfeldarbeiter auf dem hohe Schadenersatzforderungen. "Es geht um unsere Existenz", sagte der GdF-Vorsitzende Michael Schäfer dem "Focus". "Schon 20 bis 30 Mio. Euro könnten wir unmöglich stemmen." Er zähle auf den GdF droht mit Ausweitung , sagte Schäfer weiter.

Die Fluggesellschaft Lufthansa bezifferte den Umsatzausfall wegen des tagelangen Streiks auf einen zweistelligen Millionenbetrag "im oberen Bereich". Der Flughafenbetreiber Fraport rechnet der Zeitschrift zufolge mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag.

Das Fluglotsenstreik findet nicht statt hatte auf Antrag von Fraport und Lufthansa Mitte vergangener Woche tagelange Streiks der Vorfeldmitarbeiter vorerst gestoppt. In einem bereits laufenden Verfahren verlangen die Fluggesellschaften Lufthansa, Air Berlin und Ryanair vor dem Frankfurter Arbeitsgericht Schadenersatz wegen Streikankündigungen der GdF aus dem vergangenen August - insgesamt handelt es sich um rund 3,2 Mio. Euro.

In der Tarifauseinandersetzung mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) hatte die Gewerkschaft im August die DFS-Mitarbeiter zwei Mal zum Arbeitskampf aufgerufen. In beiden Fällen war es jedoch nicht zu Arbeitsniederlegungen gekommen.

Bilanz des Berlin-Streiks

Bei den aktuellen Warnstreiks an den Berliner Flughäfen Tegel und sind kurz vor dem Wochenende insgesamt 44 Flüge ausgefallen sowie zahlreiche weitere Verbindungen nur mit Verspätungen zustanden gekommen. Für je dreieinhalb Stunden legten Beschäftigte des Abfertigungs-Dienstleisters Globeground die Arbeit nieder - zunächst am Vormittag in Tegel und am Abend dann auch in Schönefeld. Dort, wo im Sommer der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International BBI eröffnet werden soll, traf der Streik ausschließlich Fluggäste der Airline Easyjet von je sieben ausgefallenen Starts und Landungen.

Die Gewerkschaft Verdi hatte zu den Warnstreiks aufgerufen, um in den laufenden Tarifverhandlungen den Druck auf den Arbeitgeber zu erhöhen. Verdi fordert 4 Prozent mehr Geld für zwölf Monate. Globeground möchte stattdessen das gesamte Tarifsystem neu strukturieren. Die Gewerkschaft sprach am Abend von einem Erfolg der Aktion - Ziel sei es gewesen, ein Signal zu setzen und nicht, möglichst vielen Passagieren zu schaden.

Auf dem Rücken der Passagiere

"Streik ist hier nicht die richtige Lösung für einen festgefahrenen Tarifkonflikt", kommentierte dagegen eine Sprecherin von Globeground die Lage. Der spontane Warnstreik erhöhe eher das Unverständnis bei den Gästen als den Druck auf die Verhandlungen zu steigern. Viele Fluggäste hätten am Freitag in Hotels übernachten und umbuchen müssen.

Flughafen-Sprecher Leif Erichsen bezeichnete den überraschenden zweiten Warnstreik am Flughafen Schönefeld als unverhältnismäßig. "Gerade der Warnstreik am gestrigen Abend hat unser völliges Unverständnis, da er in erster Linie Berlin-Touristen getroffen hat, die an oder abreisen wollten", sagte Erichsen. Er rief die Tarifparteien dazu auf, sich möglichst schnell zu einigen.

Für das Wochenende waren keine Arbeitsniederlegungen angekündigt. Zu Beginn der kommenden Woche wollen Globeground und Verdi weiter verhandeln. Sollte erneut gestreikt werden, könnte dies auch die Besucher der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) treffen. Zur Reisemesse vom 7. bis zum 11. März werden rund 170.000 Besucher aus aller Welt in Berlin erwartet.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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23.04.09