Wirtschaft

Nationalstolz im Finanzdesaster Griechen wollen keine Hilfe

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Griechenlands Staatshaushalt bröckelt.

(Foto: Reuters)

Das hoch verschuldete Griechenland hat derzeit nach eigenen Angaben keinen unmittelbaren Finanzbedarf und will die Krise aus eigener Kraft meistern. Griechenland warte nicht auf einen Retter, kündigte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou an. Das Land vertraue auf seine eigenen Kräfte und stehe zudem unter dem europäischen Schutzschirm.

Der Risikoaufschlag für griechische 10-jährige Staatsanleihen gegenüber den deutschen Titeln erhöhte sich unterdessen auf 255 Basispunkte, dem höchsten Stand seit Anfang April. Papakonstantinou sagte, das Euro-Land müsse sich in den kommenden Monaten auf Turbulenzen an den Finanzmärkten einstellen.

Griechenland bedarf nach Einschätzung des schwedischen Finanzministers Anders Borg noch keiner Hilfen des Internationalen Währungsfonds. IWF-Programme seien erst dann erforderlich, wenn das betroffene Land seine Staatsanleihen nicht mehr an den Märkten platzieren könne, sagte Borg, der auch Vorsitzender des EU-Finanzministerrats ist, dem "Handelsblatt". "Dieser Fall ist in Griechenland nicht eingetreten." Europa solle und könne seine Probleme erst einmal selber lösen, sagte er.

Rufe nach Sanierungsplan

An der Athener Börsen setzte sich jedoch die Beunruhigung fort: Der Banken-Branchenindex rutschte in den Keller. Das Mittelmeerland hatte am Dienstag wegen seines hohen Defizits sowie immenser Verschuldung sein Rating von Fitch aus der obersten Klasse der sicheren Schuldner verloren. Die EU ist höchst beunruhigt und forderte umgehende Maßnahmen von der Regierung in Athen, um die Finanzen in den Griff zu bekommen.

Auch Borg appellierte an die Griechen, einen mehrjährigen Sanierungsplan vorzulegen und kurzfristig zu sparen. "Wir können wirklich keine neuen bösen Überraschungen aus Athen gebrauchen."

Die neue Regierung hatte unlängst überraschend mitgeteilt, dass das Defizit deutlich höher ist als angenommen. Griechenland hatte indes bereits vor Ausbruch der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise ein Schuldenproblem. Borgs französische Kollegin, Ministerin Christine Lagarde, sagte dem Radiosender RMC, sie gehe nicht davon aus, dass Griechenland pleitegehen werde. Die Situation müsse sich aber verbessern. Auch Borg zufolge ist  eine Pleite Griechenlands nicht in Sicht. "An diesem Punkt sind wir noch gar nicht", sagte er dem "Handelsblatt". Griechenland habe weiterhin Zugang zu den Kapitalmärkten.

"Man muss hart bleiben"

Der deutsche Regierungsberater Clemens Fuest warnt vor Finanzstützen für Griechenland. Finanzielle Hilfen etwa in Form einer gemeinsamen Euro-Staatsanleihe dürfe es nicht geben, sagte Fuest, der den wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums leitet. "Denn die Folgen wären katastrophal: Die deutschen Steuerzahler würden haftbar gemacht für Haushalte, auf die sie keinerlei Einfluss haben."

Das käme einer Einladung an andere Länder gleich, sich ebenfalls auf Kosten der solider wirtschaftenden Euro-Staaten zu entlasten. "Das geht nicht. Das wäre eine fatale Entwicklung", sagte der in Oxford lehrende Wirtschaftsprofessor. "Man muss hart bleiben, sonst kommt man aus der Solidarhaftung nie wieder heraus."

Griechenland müsse stattdessen drastische Maßnahmen ergreifen, um seine Finanzen wieder in den Griff zu bekommen - etwa Ausgaben streichen. "Griechenland muss selbst Verantwortung übernehmen", sagte Fuest. Die Europäer könnten helfen, indem sie die Regierung in Athen mit den Instrumenten des Stabilitätspaktes zu einer harten Sanierungspolitik drängen. "Das würde der Sanierung von außen Legitimität verschaffen", sagte Fuest. "Griechenland kann harte Maßnahmen leichter durchsetzen, wenn sie von der Euro-Zone erzwungen werden."

Quelle: ntv.de, wne/rts