Wirtschaft

Streit um höhere Abfindung HRE-Altaktionäre kämpferisch

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Drei Jahre und noch kein Ende in Sicht

(Foto: picture alliance / dpa)

Die früheren Aktionäre der Hypo Real Estate geben nicht auf. Vor Gericht lassen mehr als 200 Anleger prüfen, ob der Bund ihnen nach der Verstaatlichung der Bank eine zu geringe Abfindung gezahlt hat. Prominentester Kläger ist ein milliardenschwerer US-Investor.

Drei Jahre nach der Verstaatlichung der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) kämpfen mehr als 200 ehemalige Aktionäre weiter um eine höhere Abfindung für ihre Aktien. Das Landgericht München beschäftigte sich erneut mit der Frage, ob die Abfindung, die der Bund ihnen pro Aktie gezahlt hatte, zu niedrig angesetzt war. Ein Gutachter ging unter anderem auf die Frage ein, wie das wirtschaftliche Umfeld für gewerbliche Immobilien in den Jahren 2009 und 2010 zu bewerten war.

Die HRE war nach Milliardenhilfen in der Finanzkrise gegen den Widerstand vieler Aktionäre verstaatlicht worden. Als der Bund über den Bankenrettungsfonds Soffin mehr als 90 Prozent an der HRE hielt, brachte er auf einer turbulenten Hauptversammlung im Oktober 2009 den Zwangsausschluss der letzten Anleger mit seiner Stimmenmehrheit durch. Seitdem ist die HRE im Staatsbesitz. Die Aktionäre hatten vom Bund für ihre Aktien eine Abfindung von 1,30 Euro je Anteil erhalten und dadurch zum Teil zigtausend Euro gegenüber dem Kaufpreis der Papiere verloren, die früher im Dax gelistet waren.

Komplexe Fragen

Die ehemaligen Aktionäre werfen dem Soffin vor, bei der Bewertung der HRE falsche Maßstäbe angelegt zu haben. Unter anderem seien die Geschäftsaussichten zu negativ bewertet und die Höhe der Abfindung deshalb zu niedrig angesetzt worden. Der Gutachter Martin Jonas widersprach dieser Einschätzung. Aus damaliger Sicht sei der Markt für Gewerbeimmobilien im Jahr 2009 in einer Abwärtsbewegung gewesen. Der Professor verwies auf einen Marktbericht, der für die Jahre 2009 und 2010 durchschnittliche Mietrückgänge für Büros von insgesamt 16 Prozent prognostiziert hatte. Auch die Vorsorge für den Ausfall von Krediten hat der Bund aus Sicht von Jonas nicht zu hoch angesetzt.

Der Gutachter war bereits an den ersten drei Prozesstagen befragt worden und ging nun auf die letzten Fragen ein. Auch diese waren zum Teil aber komplex: Allein mit der ersten der 47 Fragen beschäftigte sich das Gericht eineinhalb Stunden. Eine Entscheidung in dem Verfahren wird erst im kommenden Jahr erwartet.

Prominentester Kläger ist der US-Investor Christopher Flowers, der als einstiger Großaktionär der HRE mehr als eine Milliarde Euro verlor. Er war erst kurz vor der Krise der HRE im Jahr 2008 als Großaktionär eingestiegen. Monatelang wehrte er sich gegen die Übernahme seiner Aktien durch den Bund, musste sie schließlich aber auch abgeben.

Quelle: ntv.de, dpa