Wirtschaft

Geklaute Steuerdaten in Frankreich HSBC sagt Entschuldigung

Die französische Steuersünder-CD vom vergangenen Dezember enthält die Daten von insgesamt 24.000 Kunden einer Schweizer Tochter der britischen Großbank HSBC. Bankchef Alexandre Zeller bemüht sich, die Wogen zu glätten und den Schaden in Grenzen zu halten.

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Filiale der HSBC Private Bank in Zürich: Niemand weiß, was der Angestellte in seiner Tasche verbirgt.

(Foto: REUTERS)

Der im Dezember in Frankreich aufgetauchte Datenträger mit vertraulichen Bankdaten kommen von der Genfer Tochter der britischen Großbank HSBC. Bei den von einem ehemaligen IT-Mitarbeiter vor rund drei Jahren entwendeten Daten handle es sich um Informationen über rund 15.000 bestehende Kunden, teilte HSBC Private Bank (Suisse) mit. Andere als Schweizer Konten seien nicht betroffen.

Die Bank entschuldigte sich bei den betroffenen Kunden und kündigte an, alles tun zu wollen um ihre Interessen zu wahren. Nach weiteren Angaben wurden der Bank von der Schweizer Staatsanwaltschaft Anfang März bereits die Kopien einer "signifikanten Menge" der gestohlenen Daten übergeben.

Insgesamt seien Daten von 24.000 Konten gestohlen worden, 9000 Betroffene seien jedoch nicht mehr Kunden der Bank, sagte HSBC-Chef Alexandre Zeller. "Es ist heute klar, dass der Diebstahl, den ein Mitarbeiter der Informatikabteilung vor drei Jahren begangen hat, rund 15.000 aktuelle Kunden betreffen könnte, die ihre Konten in der Schweiz vor Oktober 2006 eröffnet haben." Nicht betroffen seien später eröffnete Konten und Kunden der HSBC außerhalb der Schweiz, da dort ein anderes Computersystem genutzt werde.

Der Franko-Italiener Hervé Falciani, früher Informatiker bei der HSBC, hatte die Kundendaten gestohlen und schließlich den Behörden in Frankreich übergeben. Diese erstellten daraus eine Liste französischer Steuersünder, die ihr Geld in der Schweiz vor dem französischen Fiskus versteckt hatten. Nach Angaben Falcianis sind dadurch bereits 3000 Steuersünder aufgeflogen.

Ominös und obskur

"Wir bedauern diese Situation zutiefst und bitten alle Kunden, die ihre Vertraulichkeit bedroht sehen könnten, aufrichtig um Entschuldigung", sagte Zeller wörtlich. "Wir sind entschlossen, ihre Interessen zu schützen und setzen alles daran, dies zu tun." Zeller kündigte an, die Bank gehe aktiv auf alle Kunden zu, die betroffen sein könnten.

Im Dezember hatte es zunächst geheißen, die gestohlene Datensammlung enthalte unter anderem auch Steuerinformationen über prominente Politiker. Auch Hinweise zu den Geldkreisläufen von Geheimdiensten und der organisierten Kriminalität in Italien sollten auf der CD zu finden sein.

Der französische Haushaltsminister Eric Woerth hatte im Sommer mit der Erklärung für Furore gesorgt, er besitze eine Liste von 3000 Franzosen, die drei Milliarden Euro auf Nummernkonten in der Schweiz deponiert hätten. Woerth hatte den Steuersündern die Chance gegeben, bis zum Jahresende ihre Lage zu legalisieren.

Quelle: n-tv.de, AFP/rts

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16.12.08