Wirtschaft

Trotz Spionagevorwürfen Huawei erhält weiter viele 5G-Aufträge

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Wegen mutmaßlicher Verbingungen zur chinesischen Regierung wollen viele Länder das Unternehmen nicht am 5G-Ausbau beteiligen.

picture alliance/dpa

In einigen Ländern ist Huawei wegen Sicherheitsbedenken vom Ausbau der 5G-Netze ausgeschlossen. Dennoch sackt der chinesische Netzwerkausrüster weltweit viele Aufträge ein. Das Unternehmen sieht seine Entwicklung positiv.

Der weltgrößte Netzwerkausrüster Huawei sieht sich trotz der Sicherheitsbedenken in vielen Ländern beim Ausbau der 5G-Netze vorn. Es seien bereits mehr als 25 Verträge für den neuen Mobilfunkstandard geschlossen worden, teilte der chinesische Technologieriese mit. Angaben zu den Kunden machte er nicht. Im November lagen laut Huawei 22 5G-Aufträge vor.

Mehr als 10.000 Basisstationen für die fünfte Mobilfunkgeneration seien bereits ausgeliefert. Huawei werde in diesem Jahr wohl mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz einfahren, sagte Chairman Ken Hu. Vergangenes Jahr hatte der zuletzt wegen der Festnahme seiner Finanzchefin in Kanada in die Schlagzeilen geratene Konzern 92 Milliarden Dollar Umsatz erzielt.

Huawei war wegen Sicherheitsbedenken in Ländern wie Australien und Neuseeland vom 5G-Ausbau ausgeschlossen worden. In den USA hat Huawei seit langem kaum Bewegungsfreiheit und erhält unter anderem keine Regierungsaufträge. Geheimdienste werfen dem Unternehmen Verbindungen zur chinesischen Regierung vor und vermuten, Ausrüstung oder Handys könnten für Spione eine Hintertür für das Auskundschaften von Staats- oder Firmengeheimnissen haben.

"Generell unter Generalverdacht"

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Nach Einschätzung des Sicherheitsexperten Marcel Dickow von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik gibt es jedoch auch weiterhin keine konkrete Gewissheit für Spionage. Chinesische Unternehmen stünden "generell unter Generalverdacht", sagte Dickow dem "Deutschlandfunk". Doch weder der Bundesnachrichtendienst noch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BSI oder britische Geheimdienste hätten bislang konkrete Beweise dafür, dass Huawei tatsächlich Hintertüren für Spionagezwecke in seine Geräte verbaue.

"Es gibt eine gewisse Unsicherheit, mit wem wir es da eigentlich zu tun haben." Ein Boykott sei aber möglicherweise die Lösung eines politischen, aber nicht des technologischen Problems. Denn vor allem bei der neuen Mobilfunktechnologie 5G habe Huawei die Nase deutlich vorn. Bei einem Boykott liefen die USA Gefahr, sich technologisch noch weiter abzukoppeln und den "Anschluss zu verpassen". Der Bundesregierung rät Dickow dazu, sich mehr Know-How anzueignen, um konkret entscheiden zu können, welche Komponenten man selbst produziert und welche von chinesischen Firmen eingekauft werden müssten.

Eine echte Alternative zu chinesischen Anbietern werde es kurzfristig im Mobilfunk der Zukunft nicht geben, schätzt Dickow. Das BSI arbeitet aktuell eng mit Huawei zusammen und betreibt etwa seit November ein gemeinsames Sicherheitslabor in Bonn und setzt auch beim Ausbau des 5G-Netzes auf die Kooperation mit dem chinesischen Konzern.

Huawei hat die Spionagevorwürfe wiederholt zurückgewiesen und betonte auch am Dienstag, die Regierung in Peking nehme keinerlei Einfluss. Huawei habe zu Regierungen auf der ganzen Welt Kontakt aufgenommen, um die Unabhängigkeit des Konzerns deutlich zu machen. Anfang kommenden Jahres solle ein Zentrum zur Sicherheitstransparenz in Brüssel eröffnet werden.

Quelle: n-tv.de, lri/rts

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