Wirtschaft

Klaus Hubert Görg Insolvenzverwalter unter Beschuss

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Klaus Hubert Görg

(Foto: dpa)

Der nach dem schnellen Quelle-Aus in die Diskussion geratene Kölner Jurist Klaus Hubert Görg gilt als erfahrener Fachmann bei großen Insolvenzverfahren. Bevor er am 9. Juni zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Quelle- und Karstadt-Muttergesellschaft Arcandor bestellt worden war, spielte er bereits eine Schlüsselrolle nach den Zusammenbrüchen großer Konzerne wie dem Medienunternehmen Kirch und dem Bauriesen Philipp Holzmann.

Dem groß gewachsenen und stets korrekt gekleideten 68-Jährigen wurde rasch klar, welch gewaltige Aufgabe er stemmen musste. Als er das ganze Ausmaß der katastrophalen Lage des Konzerns erkannte, fuhr der gewöhnlich zurückhaltend und reserviert wirkende Rheinländer richtig aus der Haut. "Wir haben mit der Lupe nach der Substanz in diesem Unternehmen gesucht, aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden. In diesem Haus gibt es wirklich nichts, was nicht anderen Leuten gehört", bilanzierte er in einem denkwürdigen Interview die Lage.

Mit dem früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ging er hart ins Gericht. So etwas habe er in so großen Unternehmen noch nie erlebt, zeigte sich der erfahrene Fachmann überrascht und verärgert. Er habe sparsamere Vorstandsvorsitzende erlebt.

Während Görg für Karstadt noch eine Chance sieht, musste er bei seinen Rettungsbemühungen für Quelle seine Niederlage eingestehen. Dass die Kunden dem traditionsreichen Versandhändler so schnell den Rücken kehrten, überraschte selbst den erfahrenen Insolvenzverwalter. Hatte er Quelle doch noch kürzlich Überlebenschancen durch eine Radikalsanierung bescheinigt. "Was wir am wenigsten erwartet hatten, war der kontinuierlich sinkende Umsatz", räumte Görg ein.

Jetzt muss er Kritik über sein Vorgehen einstecken. Vor allem die Gewerkschaft Verdi äußerte Zweifel. Görg sei mit der Zerschlagung von Quelle "vielleicht den einfacheren Weg gegangen." Verärgert war die Gewerkschaft auch über Görgs Informationspolitik: Obwohl die Mitarbeiter sich mit Lohnzugeständnissen an der Rettung beteiligen sollten, die Gewerkschaft also mit am Tisch saß, war die Nachricht vom Quelle-Aus schneller bei den Medien als bei Verdi.

Quelle: n-tv.de, dpa

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