Wirtschaft

Keine zweite Chance am BER Wowereit geht gar nicht

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Klaus Wowereit: Erst im Januar enthront, kaum ein Jahr später soll er wieder Chefkontrolleur des BER werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Klaus Wowereit traut sich was. Er will ernsthaft wieder den Vorsitz des BER-Aufsichtsrats übernehmen. Ist das noch nachvollziehbar? Ja und nein. Auf jeden Fall ist es ein schlechter Witz, über den der Steuerzahler nicht lachen kann.

Schon heute ist der neue Hauptstadtflughafen BER doppelt so teuer wie ursprünglich geplant. Dass dafür der Steuerzahler blutet, scheint die Verantwortlichen nicht zu kümmern – am allerwenigsten Klaus Wowereit.

Allein der Gedanke, dass Berlins Regierender Bürgermeister wieder Chefkontrolleur der Dauerbaustelle werden könnte, ist absurd. Fällt die Wahl bei der heutigen Aufsichtsratssitzung auf ihn, wäre es ein Skandal erster Güte, der die Unfähigkeit dieses angeblichen "Kontroll"-Gremiums nur noch manifestiert.

Von wegen Kontrolle

Zehn Jahre lang hat Wowereit an der Spitze des Aufsichtsrats milliardenteure Fehlentscheidungen mitgetragen. Er ist maßgeblich für die vielen Planänderungen, die Verzögerungen, die horrenden Mehrkosten und die mehrfache Verschiebung des Eröffnungstermins mit verantwortlich.

Bedenkt man, dass für den Flughafen 2 Milliarden Euro veranschlagt wurden, mittlerweile 4,6 Milliarden Euro zu Buche stehen und keiner weiß, wie hoch die Rechnung am Ende sein wird, grenzt es an ein Wunder, dass Wowereit dieses Desaster überhaupt politisch überlebt hat. Mittlerweile geistert die Zahl 5 Milliarden herum, die der BER am Ende kosten könnte. Die zehn Jahre, die Wowereit das Projekt begleitet hat, kommen die drei Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg teuer zu stehen. Und für alle Mehrkosten wird der Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Obwohl er beileibe kein Experte für technisch anspruchsvolle Großprojekte ist, hat Wowereit sich durchgängig beratungsresistent gezeigt. Nach der Verschiebung des Eröffnungstermins im Mai 2012 ignorierte er alle Warnungen und entließ sämtliche Fachleute, was dazu führte, dass die Baustelle stillstand. Die Geschassten nahmen ihre Akten mit, alles musste mühselig rekonstruiert werden. Das alles hat Zeit und Geld gekostet.

Erst diesen Monat musste Flughafenchef Hartmut Mehdorn ein Geschwader von Beratern, die er erst in diesem Jahr engagiert hatte, um die Pannenserie zu beenden, entlassen. Warum? Weil die Stellen europaweit hätten ausgeschrieben werden müssen. Ja, ein Chefkontrolleur muss vielleicht nicht jedes Detail kennen. Aber er sollte ein sicheres Gespür für die wichtigen Fragen und aufkommende Probleme haben. Ein Mindestmaß an technischer und rechtlicher Sachkompetenz darf wohl erwartet werden.

Überfordert, na und?

Wowereit ist offensichtlich mit seiner Aufgabe als Chefkontrolleur überfordert gewesen. Trotzdem schafft er es jetzt vielleicht genau auf dieser Baustelle, sein Comeback zu geben. Da seine Mit-"Kontrolleure" ihm die Bühne mehr als bereitwillig überlassen, hat er ein leichtes Spiel. Keiner der drei Gesellschafter hat bislang Verantwortung übernommen, alle tun so, als hätten sie mit der Sache eigentlich nichts zu tun. Brandenburg ist gerade dabei, das Vorschlagrecht für Kandidaten zur Neubesetzung zu vergeben - Kompetenzlosigkeit allerorten. 

Zugutegehalten wird Wowereit, dass er zehn Jahre Erfahrung mit dem BER hat. Ein Neuankömmling im Flughafendesaster müsste sich in die Materie einfuchsen, heißt es. Es würde wieder wertvolle Zeit verloren gehen. Fakt ist: Die Erfahrung hat Wowereit nicht gelehrt, aus Schaden klug zu werden. Ihm wird zudem hoch angerechnet, dass er öffentlich für Ruhe im Streit zwischen Flughafenchef Hartmut Mehdorn und Technikchef Horst Amann gesorgt hat. Richtig ist: Der anerkannte Fachmann und Hoffnungsträger Amann ist inzwischen ausgemustert worden. Auch die Entscheidung, dass Siemens sich der nicht funktionierenden Steuerung der Entrauchungsanlage annimmt, wird als Wowereits Erfolg gewertet. Was das am Ende bedeutet, bleibt abzuwarten. Siemens ist im Moment selbst nicht viel mehr als eine Baustelle.

Der Retter in der Not?

Seit Wochen suchen die drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund erfolglos einen neuen Vorsitzenden für das Kontrollgremium. Sobald es um die Themen Bezahlung und Ansehen ging, standen die meisten Kandidaten nicht mehr zur Verfügung. Der Chefposten gilt als jämmerlich entlohnt.

Der "Meister der politischen Unschärfe", wie Wowereit auch gerne mal betitelt wird, hat einen entscheidenden Vorteil. Er braucht alle Probleme nur auszusitzen. Das entsprechende Fleisch dazu hat er. Der Hauptverantwortliche des Flughafendesasters hat einfach nichts zu verlieren.

Dass sein Angebot, den Aufsichtsratsvorsitz erneut zu übernehmen, wie ein schlechter Witz daherkommt, braucht ihn nicht zu jucken. Er ist der Einzige, vielleicht der Letzte, der den Job überhaupt noch machen will. Sein Angebot ist unanständig, aber es ist seine Chance, seine Reputation wiederherzustellen, seinen Hals zu retten.

Wowereit wollte sich mit dem "Prestigeobjekt" ein Denkmal setzen. Wie es momentan aussieht, könnte dieser Plan aufgehen. Er könnte am Ende derjenige sein, der den Flughafen eröffnet – wenn er die zweite Chance vom Aufsichtsrat bekommt. Mit etwas Glück geht der Flughafen im Winter 2015/16 an den Start. Ist Berlins "launiger Glamour-Bürgermeister" dann noch dabei, wird er die Sektkorken knallen lassen. Wer das zahlt, ist auch klar. Es liegt in der Hand des Aufsichtsrats.

Quelle: n-tv.de

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