Wirtschaft

Nach zwei Jahren Nachrichtenagentur dapd pleite

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Martin Vorderwülbecke bleibt an der Spitze der dapd-Holding.

(Foto: dapd)

Paukenschlag in der deutschen Medienbranche: Vor zwei Jahren tritt die Nachrichtenagentur dapd an, um der Deutschen Presseagentur die Marktführerschaft streitig zu machen, doch mitten in der Phase der Expansion drehen die Eigentümer den Geldhahn zu. Nun ist dapd zahlungsunfähig. In Eigenregie will das Unternehmen wieder auf die Beine kommen.

Die deutsche Nachrichtenagentur dapd ist pleite. Das Unternehmen beantragte beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ein Insolvenzverfahren. Nach Angaben der Muttergesellschaft dapd Media stimmte das Gericht dem Antrag der beiden Töchter dapd Nachrichtenagentur und dapd Nachrichten auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zu. Weitere sechs Töchter sollen am 4. Oktober Insolvenz anmelden. Die Dachgesellschaft dapd Media selbst ist jedoch nicht insolvent.

Die Gesellschafter des Unternehmens hatten dapd-Angaben zufolge die weitere Finanzierung eingestellt. Von dem finanziellen Kollaps sind nach Angaben eines Sprechers rund 300 der gut 500 Beschäftigten der dapd-Gruppe betroffen. "Er wird nun die Grundlagen einer Restrukturierung prüfen, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten", sagte er.

Miteigentümer Martin Vorderwülbecke werde an der Spitze der Muttergesellschaft dapd media holding bleiben, Cord Dreyer scheidet als Geschäftsführer aus, soll aber als Chefredakteur "beratend" tätig bleiben.

Zeit bis Ende November

Der Düsseldorfer Insolvenzexperte Wolf von der Fecht soll die Unternehmen sanieren. Er wurde zum alleinigen Geschäftsführer der insolventen Töchter bestellt. Fecht habe bis Ende November Zeit, um die Perspektiven für die dapd Nachrichtenagentur und dapd Nachrichten als Allein-Geschäftsführer auszuloten.

Die Geschäfte der dapd liefen unverändert weiter. Für den Zeitraum bis Ende November erhalten die Beschäftigten der insolventen Gesellschaften Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit. Bereits das September-Gehalt wird aus diesem Topf bedient, da für diesen Monat bereits keine Gehälter mehr bezahlt wurden.

Kräftige Exansion

Die Insolvenz kommt überraschend. In letzter Zeit hatte der Konkurrent des Marktführers Deutsche Presse-Agentur (dpa) sein Angebot stark ausgeweitet und Mitarbeiter eingestellt. Erst im vergangenen Jahr startete dapd einen kostspieligen Sport-Dienst. Zuletzt hatte dapd das Frankreich-Geschäft ausgebaut. Die Eigentümer Vorderwülbecke und Peter Löw hatten vor rund zwei Jahren angekündigt, dass die Expansion noch auf Jahre hinaus hohe Beträge erfordern werde. Für das abgelaufene Jahr gibt der Sanierer den Umsatz der Gruppe mit 32 Mio. und deren Gewinn mit einer Mio. Euro an. "Das neue Insolvenzrecht bietet Chancen, die wir gemeinsam nutzen werden, um für die Unternehmen und ihre Mitarbeiter zukunftsfähige Lösungen zu finden", erklärte Vorderwülbecke.

Die dapd blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Die Agentur wurde als Überbleibsel des deutschen Ablegers der US-Nachrichtenagentur UPI Anfang der 70er Jahre unter dem Namen Deutscher Depeschendienst (ddp) gegründet. Später kam sie zur ProSieben-Gruppe und fusionierte mit der ehemaligen DDR-Agentur ADN. 1983 und 2004 war ddp schon zweimal in Insolvenz gegangen. 2004 wurde die Agentur von der Beteiligungsgesellschaft Arques übernommen, die damals unter der Führung der heutigen Privatgesellschafter Vorderwülbecke und Löw stand. Ende 2009 übernahm sie den deutschen Dienst der amerikanischen Associated Press (AP) und benannte sich daraufhin in dapd um.

Quelle: n-tv.de, nne/rts