Wirtschaft

"Einige müssen wir verschwinden lassen" Nouy gewährt Banken keine Gnade

RTX15UYD (1).jpg

Daniele Nouy prophezeit, dass nicht alle Banken den Test bestehen werden.

(Foto: REUTERS)

Erst seit wenigen Wochen steht Daniele Nouy der Bankenaufsicht vor. Doch ruhig angehen lassen, will sie es nicht: Beim kommenden Stresstest für die Geldhäuser wird es Verlierer geben. Zudem muss längst nicht jede Bank gerettet werden.

Einige Banken werden den Gesundheits-Check im Euro-Raum nach Ansicht der Chef-Aufseherin Daniele Nouy nicht bestehen. Das sei auch durchaus gewünscht, um dem Stresstest Glaubwürdigkeit zu verleihen, sagte die Französin der "Financial Times". Auch die Märkte erwarteten, dass die Prüfung nicht zu lasch ausfalle. "Ich habe aber keine Vorstellung davon, wie viele Banken durchfallen müssen", fügte die Chefin der Euro-Bankenaufsicht hinzu.

Zugleich kündigte sie eine harte Gangart an. "Wir müssen akzeptieren, dass einige Banken keine Zukunft haben", sagte sie weiter. "Einige müssen wir in geordneter Art und Weise verschwinden lassen und nicht unbedingt versuchen, sie mit anderen Instituten zu verschmelzen." Wie viele Banken abgewickelt werden müssten, wisse sie nicht, sagte Nouy.

130 Geldhäuser unterziehen sich Stress-Check

Die Französin hatte zum 1. Januar den Chefposten bei der neuen europäischen Bankenaufsicht übernommen. Die Behörde ist noch im Aufbau und wird bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main angesiedelt. Nouy, die den größten Teil ihrer Karriere bei der französischen Zentralbank durchlaufen hat, gilt als Expertin für die Bankenregulierung: Von 1998 bis 2003 war sie Generalsekretärin des Ausschusses für Bankenaufsicht, von 2006 bis 2008 vertrat sie Frankreich im Europäischen Bankenausschuss der EU.

Die Aufsicht in der Währungsunion soll ab November unter dem Dach der EZB ihre Arbeit aufnehmen. Zuvor werden die 130 größten Institute auf Herz und Nieren geprüft: Zunächst in einem Bilanzcheck, danach durch einen Stresstest, bei dem Krisen simuliert werden. Mit den Prüfungen will die EZB sicherstellen, dass in den Bankbilanzen alte Probleme bereinigt werden, bevor sie die Aufsicht über die größten Häuser der Eurozone übernimmt. Die deutschen Geldhäuser sind nach Ansicht der Finanzaufsicht Bafin gut gerüstet für den Stresstest.

HSH-Nordbank sieht sich gewappnet

Zuvor hatte HSH-Nordbank-Chef Constantin von Oesterreich Spekulationen zurückgewiesen, sein mit Problemen in der Schiffsfinanzierung kämpfendes Institut werde wohl als einzige deutsche Bank auf der Strecke bleiben. "Unsere hohen Kapitalquoten halten nach unserer Einschätzung jedem ernstzunehmenden Szenario stand", sagte er. "Dieser Test ist für kein Institut ein Spaziergang. Aber er folgt objektiven Kriterien, keinen politischen. Wir sind gut vorbereitet."

Die HSH, die mehrheitlich den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gehört, hat 2013 Staatsgarantien für bestimmte Kreditportfolios von 7 wieder auf 10 Milliarden Euro aufgestockt. Aus Sicht der Ratingagentur Moody's zählt das HSH-Schifffahrtsportfolio zu den schwächsten in der Branche. Von Oesterreich sagte, er sehe nicht, dass seine Bank beim Test durchfallen werde. Falls es doch dazu kommen sollte, würden die Länder helfen. "Als Eigentümer müssen sie ihr Vermögen schützen, alles andere wäre unvernünftig."

Quelle: ntv.de, jwu/rts/DJ/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.