Wirtschaft

Boeing und EADS kneten die Hände Pentagon prüft die Gebote

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Fliegende Tankstellen für eine global engagierte Supermacht: Ein Kampfjet vom Typ F15 dockt an.

(Foto: REUTERS)

Die Vertreter der beiden rivalisierenden Flugzeugbauer Boeing und Airbus kennen den Weg: Schon zweimal haben sie ihre Pläne zum Bau des neuen Supertankers für die US-Luftwaffe ins Innere der US-Verteidigungsbürokratie getragen. Diesmal jedoch könnte die Entscheidung über den "Jahrhundertauftrag" fallen: Die Militärs brüten über den Unterlagen.

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Berufliche Vielflieger: Die "KC-135 Stratotanker" der US-Luftwaffe haben ganze Piloten-Generationen kommen und wieder gehen gesehen.

(Foto: REUTERS)

In der Endlos-Ausschreibung um den "Jahrhundertauftrag" für das neue Tankflugzeug für die US-Luftstreitkräfte liegt der Ball nun wieder beim Pentagon: Die beiden rivalisierenden Hersteller Boeing und die Airbus-Mutter EADS haben ihre letztgültigen Angebote eingereicht - einen Tag vor dem Fristablauf an diesem Freitag. Dem Sieger winkt eine Großbestellung über 179 Tankflugzeuge im Wert von 35 Mrd. Dollar. Inklusive der üblichen Folgeaufträge für Wartung, Reparatur und Instandhaltung könnten daraus 100 Mrd. Dollar werden. Das Vorhaben gilt als dickster Auftrag in der Luftfahrtgeschichte.

"Wir bieten ein real existierendes Flugzeug an, das schon bewiesen hat, was es für unsere Männer und Frauen in Uniform leisten kann", sagte der Nordamerika-Chef von EADS, Ralph Crosby. "Und wir nötigen die Air Force und den US-Steuerzahler nicht, ein großes Wagnis einzugehen mit einem Flugzeug, das nur auf dem Papier existiert."

Airbus
Airbus 123,90

Die von EADS angebotene "KC-45" ist vom Verkehrsjet Airbus A330 abgeleitet und bereits in anderen Luftwaffen im Einsatz. EADS würde bei einem Zuschlag eigens ein Werk in Mobile im US-Bundesstaat Alabama bauen und dort auch Frachtmaschinen fertigen. 48.000 Arbeitsplätze sollen dadurch entstehen.

Mit solchen Ankündigungen reagierte der europäische Flugzeugbauer auf Befürchtungen in der US-Öffentlichkeit, durch eine Vergabe nach Europa könnten dem heimischen Arbeitsmarkt wertvolle Arbeitsplätze entgehen. Die zum Teil sehr hitzig geführte Debatte beschäftigte auch die US-Politik bis in höchste Kreise.

Welche Maschine ist patriotischer?

Der konkurrierende "NewGen Tanker" von Boeing basiert auf dem Verkehrsjet 767 aus den 1980er Jahren. Um das Flugzeug aufzuwerten, hat Boeing ihm auf dem Reißbrett das Cockpit des neuen "Dreamliners" verpasst.

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In 50 Jahren hat sich fast alles verändert: Das US-Militär, die Zeiten, die Welt. Nur die Tankflugzeuge, die sind noch ganz die Alten.

(Foto: REUTERS)

"Die Entscheidung ist ausschlaggebend für Amerikas nationale Sicherheit und seine Industrie", sagte Boeing-Chef Jim McNerney. Er versprach 50.000 Arbeitsplätze und damit 2000 mehr als die Konkurrenz.

In den vergangenen Tagen hatten beide Kontrahenten mit Zeitungsanzeigen und Radiospots in Washington um die Gunst der Öffentlichkeit und der Politiker geworben. Wann das Pentagon über die Auftragsvergabe entscheidet, ist offen.

Eisenhowers fliegende Oldtimer

Jede Seite behauptet von sich, auch das wirtschaftlich bessere Angebot zu haben. Auf die Einsatzzeit von 40 Jahren gerechnet würden die amerikanischen Steuerzahler mehrere zehn Milliarden Dollar an Spritkosten einsparen, erklärte Boeing.

Boeing
Boeing 350,15

Der "NewGen Tanker" ist kleiner als das EADS-Modell. Der europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern rechnete dagegen vor, dass die Boeing-Maschine pro ausgeliefertem Liter Sprit bis zu 44 Prozent höhere Kosten verursachen würde.

Seit Jahren gibt es Streit um den Megaauftrag. Mittlerweile läuft schon die dritte Ausschreibungsrunde. Jedes Mal kippte die Politik nach Skandalen und zum Teil heftigen Querelen die Entscheidung. Insgesamt muss die Air Force 534 Tanker und Frachtmaschinen ersetzen, die noch Präsident Dwight D. Eisenhower kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs angeschafft hatte. Die ein halbes Jahrhundert alten KC-135 stammen von Boeing.

Quelle: n-tv.de