Wirtschaft

Frankfurt streicht Verbindungen Personalnot belastet Flughäfen vor Osterwelle

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Am Frankfurter Flughafen wird noch an einem Plan für die nächsten Tage getüftelt.

(Foto: IMAGO/HEN-FOTO)

Infolge der Corona-Pandemie fehlt es deutschen Flughäfen an Beschäftigten. Doch das Passagieraufkommen ist inzwischen wieder hoch. In Frankfurt müssen deswegen bereits Flüge ausfallen. Die Reisewelle zu Ostern könnte die Lage noch verschärfen.

Der Start in den Osterurlaub per Flugzeug wird für Passagiere in den kommenden Tagen zur Geduldsprobe. Die Abläufe an deutschen Flughäfen klappen nach zwei Jahren Corona-Krise bei den hohen erwarteten Verkehrszahlen wegen Personalmangels noch nicht reibungslos. So kündigte der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport an, es müsse Flugstreichungen geben, um den Betrieb zu stabilisieren.

Eine Lufthansa-Sprecherin erklärte, am Donnerstag werde eine einstellige Zahl innerdeutscher Zubringerflüge nach Frankfurt ausfallen. Die Passagiere könnten auf die Bahn umsteigen. "So sorgen wir dafür, dass die Menschen in die Ferien kommen", sagte sie. Am Flugplan für die Folgetage werde noch getüftelt. Im Grunde seien die Personalressourcen bei allen deutschen Flughäfen noch angespannt, hieß es beim größten deutschen Reiseveranstalter TUI. Nach Schätzung des Flughafenverbandes ADV haben Bodenverkehrsdienste und Sicherheitskontrollen derzeit rund 20 Prozent zu wenige Köpfe nach dem Beschäftigungseinbruch in der Pandemie an Bord.

Wie zuletzt der Flughafen Berlin-Brandenburg hatte der Frankfurter Flughafen bereits vergangene Woche vor längeren Wartezeiten gewarnt und zu frühzeitiger Anreise geraten, da bis zu 170.000 Menschen am Tag in Flugzeuge steigen wollen. "Trotz umfangreicher Rekrutierungsmaßnahmen und anderer Optimierungsschritte steht dem Flughafen Frankfurt an vielen entscheidenden Stellen innerhalb des Reiseprozesses noch nicht wieder in ausreichendem Maß Personal zur Verfügung", erklärte Fraport.

Wechselspiel zwischen Andrang und Flaute

Vor allem zu Spitzenzeiten am späten Vormittag oder frühen Nachmittag könnte es demnach haken. Dann sei der Betrieb wieder so stark wie vor Corona, in den Stunden dazwischen herrsche wieder Flaute. Das erschwere die Personalplanung, erklärte Fraport-Chef Stefan Schulte kürzlich.

Der Betreiber will am größten deutschen Flughafen in diesem Jahr 1000 neue Mitarbeiter anheuern, hat davon aber erst rund 300 gefunden. An den Flughäfen erledigen außerdem viele private Dienstleister Aufgaben wie Gepäckabfertigung oder Check-in. Das Branchenschwergewicht Swissport sucht weltweit in diesem Jahr 30.000 neue Leute.

In Italien setzten die Betriebe dagegen mehr auf Kurzarbeit, um ihre Mitarbeiter zu halten. Die Airports Mailand und Rom haben daher genug Beschäftigte, um das noch geringe Verkehrsvolumen zu bewältigen. TUIs eigene Airline TUIfly müsse keine Abflüge von Frankfurt streichen, sagte ein Firmensprecher. Verspätungen seien aber nicht auszuschließen. "Das Nadelöhr sind vor allem die Sicherheitskontrollen", erklärte er. Wenn es hier zu Verzögerungen komme, führe das zu einer Kettenreaktion bei den vor- und nachgeschalteten Schritten, also dem Check-in und dem Boarding.

TUI empfehle, zwei oder zweieinhalb Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Zu früh anzukommen und sich anzustellen, sei auch nicht ratsam. "Dann bilden sich erst recht Schlangen, weil sich zu viele Passagiere verschiedener Flüge vor den Schaltern einfinden."

Condor ist "vorsichtig optimistisch"

Auch der Ferienflieger Condor werde wie geplant abheben, sagte eine Sprecherin. Die Deutsche Flugsicherung hatte im März vor Verspätungen ab April gewarnt. Zuletzt sei die durch Flugumleitungen wegen des Ukraine-Krieges und eine Verlagerung von Kontrollen aus Frankreich nach Deutschland angespannte Lage aber gut gemeistert worden, erklärte eine Sprecherin. "Auf die nächsten Wochen schauen wir vorsichtig optimistisch." Die Lotsen wollen die wachsende Zahl der Flieger so pünktlich wie möglich führen.

Zu umfangreichen Flugstreichungen kam es in den vergangenen Tagen in Großbritannien beim Billigflieger Easyjet, wo etwa 60 Verbindungen am Tag ausfielen, oder bei British Airways. Bei den Briten verschärfte sich die Personallage noch wegen hoher Krankheitszahlen, nachdem das Land schon vor einiger Zeit Corona-Vorsichtsmaßnahmen gelockert hatte. Beschäftigte suchten sich nach dem Stellenabbau in der Corona-Krise auch hier Jobs in anderen Branchen und kommen nicht wieder. Es könne noch zwei, drei Monate dauern, bis dieser üble Cocktail ausgetrunken sei, erklärte Paul Charles, Chef der Reiseberatung PC Agency.

Quelle: ntv.de, mdi/rts

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