Wirtschaft

Franzosen in Schwierigkeiten Peugeot Citroën taumelt

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Die Gegenwart sieht für PSA Peugeot Citroën recht trübe aus.

(Foto: REUTERS)

Der unter Absatzproblemen leidende Autohersteller PSA Peugeot Citroën startet schwach ins Jahr. Auf dem europäischen Automarkt verlieren die Franzosen weiter an Boden, denn angesichts der Krise leisten sich immer weniger Südeuropäer einen neuen Kleinwagen.

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Für PSA Peugeot Citroën wird die Lage immer bedrohlicher. Die Nummer zwei unter den europäischen Autoherstellern fuhr zu Jahresanfang deutlich weniger Umsatz ein und rechnet angesichts der Absatzkrise in Südeuropa auch in den nächsten Monaten nicht mit einer Entspannung. Damit werden Erfolge der vor kurzem mit der Opel-Mutter General Motors geschlossene Allianz immer wichtiger für das Überleben des angeschlagenen französischen Zwei-Marken-Konzerns.

Von Januar bis März brach der Umsatz der Automobilsparte um 14 Prozent auf 9,7 Mrd. Euro ein, wie das Management bekanntgab. Zulegen konnten lediglich der zum Konzern gehörende Zulieferer Faurecia und die Finanzsparte. In der Logistiksparte Gefco, die Autos von Peugeot und anderen Herstellern von den Werken zu den Händlern transportiert, sanken die Erlöse um vier Prozent.

Peugeot leidet wie fast alle Massenhersteller darunter, dass in den von Sparmaßnahmen und Konjunkturschwäche betroffenen Ländern Südeuropas immer weniger neue Kleinwagen verkauft werden. Unter den Konzernen ist außerdem ein Preiskampf ausgebrochen, der die Margen schrumpfen lässt. Wegen der sinkenden Verkaufszahlen sind zudem viele Werke nicht ausgelastet. Werksschließungen werden diskutiert.

Lediglich Marktführer Volkswagen hatte seine Auslieferungen in Europa im ersten Quartal stabil gehalten; der Wolfsburger Konzern baute damit seinen Marktanteil aus. Das liegt vor allem daran, dass VW über eine besonders breite Produktpalette verfügt und auch in China stark präsent ist. Peugeot dagegen gehört mit Fiat zu den größten Verlierern.

Analysten sehen die Franzosen in einer immer schwierigeren Lage. Die mit GM vereinbarte Allianz, durch die die beiden Partner ihre Kosten in Europa drastisch senken wollen, trägt noch keine Früchte. Das erste Fahrzeug auf Basis einer gemeinsamen Fahrzeugarchitektur wird erst für das Jahr 2016 erwartet. Gleichzeitig ist nicht absehbar, wann sich die europäischen Pkw-Märkte erholen werden. Peugeot steuert mit einem milliardenschweren Sparprogramm dagegen und baut kräftig Personal ab - bis zu 6000 Stellen sollen wegfallen. Zugleich baut der Konzern Schulden ab und trennt sich von Vermögenswerten im Wert von 1,5 Mrd. Euro. Annähernd die Hälfte davon seien im ersten Quartal realisiert worden, teilte der Vorstand mit.

Mit dem Rücken zur Wand

Zusammen mit der Opel-Mutter GM wollen die Franzosen ihre Einkaufsmacht steigern, um Kostenvorteile zu heben. Die beiden Unternehmen gehen davon aus, dass dadurch nach fünf Jahren zwei Mrd. Euro jährlich eingespart werden können, die sich die Partner teilen wollen. In den ersten Jahren sind die Vorteile jedoch noch gering.

Experten sind jedoch skeptisch, ob die Zusammenarbeit die beiden schwächelnden Unternehmen Opel und Peugeot alleine retten kann. "Beide tun es aus der Not heraus", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. "Das ist keine gute Voraussetzung für zwei Unternehmen, die mit dem Rücken zur Wand stehen", fügte der Autoanalyst hinzu. An der Börse ist PSA Peugeot Citroen noch etwas mehr als drei Mrd. Euro wert. "Für ein Unternehmen, das mit fünf Prozent des Jahresumsatzes bewertet wird, ist das krass", sagte Pieper.

Peugeot hatte sich BMW als Partner gewünscht, mit dem der Konzern bereits bei Motoren zusammenarbeiten. Damit blitzten die Franzosen jedoch bei dem Münchner Oberklassehersteller ab. So muss Peugeot alles darauf setzen, dass sich der gerade neu auf den Markt gebrachte Kleinwagen 208 zu einem Kassenschlager entwickelt. Gelingt das nicht, könnte Peugeot schon bald zu noch drastischeren Einschnitten gezwungen werden, glauben Experten.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa