Wirtschaft

Zögernde Bonner Poker um Griechen-Telekom stockt

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"Wir brauchen das Geld nicht", sagt ein hochrangiger griechischer Regierungsvertreter.

(Foto: picture alliance / dpa)

2008 steigt die Deutsche Telekom beim griechischen Konkurrenten OTE ein. 2011 erhöht der Dax-Konzern seinen Anteil - und will weiter aufstocken, denn OTE soll als Sprungbrett nach Südosteuropa dienen. Doch die Griechen wehren sich.

Als der neue Telekom-Chef Tim Höttges Anfang des Jahres zum Antrittsbesuch beim griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras vorbeischaut, unterstreicht er sein Interesse an den restlichen Anteilen Griechenlands an der Telefonfirma OTE. Den Bonnern gehören bereits 40 Prozent an OTE, weitere 10 Prozent würden sie gerne kaufen. Den Griechen winkt ein Geldregen von gut 600 Millionen Euro. Aber die Athener Regierung ziert sich.

Samaras hat Angst, sich dem Vorwurf auszusetzen, Tafelsilber an Ausländer zu verscherbeln. Ein Verkauf des OTE-Pakets müsste vom Parlament abgesegnet werden. Vor den Europawahlen im Mai wäre das ein Drahtseilakt für Samaras, da ein Rückzug bei OTE extrem unpopulär wäre.

"Wir brauchen das Geld nicht"

Und finanziell steht das Land längst nicht mehr so unter Druck und fuhr 2013 sogar einen Haushaltsüberschuss ein. "Wir brauchen das Geld nicht", sagt entsprechend ein hochrangiger griechischer Regierungsvertreter. Das gibt der Regierung die Möglichkeit, beim Preis zu pokern. Der derzeitige Aktienkurs von OTE ist ihr zu niedrig, um zu verkaufen.

Sie hält direkt sechs Prozent an OTE, weitere vier Prozent sind beim staatlichen Pensionsfonds IKA geparkt. Und der sei derzeit nicht an einem Verkauf interessiert, sagt ein Insider zu Reuters. Verhandlungen mit der Telekom seien nicht angesetzt.

Höttges hat keine Eile

Vor einiger Zeit noch hätte die Telekom möglicherweise leichteres Spiel gehabt, als Griechenland händeringend nach Geldquellen suchte, um einer Staatspleite zu entgehen. Doch da hatte der Telefonkonzern zu viel mit seinen eigenen Problemen zu tun. Wie frustriert die Bonner waren, zeigte sich im Sommer 2011. Höttges - damals Finanzchef - sagte, dass die Telekom sich wegen der schlechten Lage in Griechenland überlegen müsse, ob sie weiter in OTE investieren wolle.

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung waren die anstehenden Milliarden-Investitionen in den Netzausbau in Deutschland und den USA. Frisches Geld für die marode Griechenland-Tochter wollte die Telekom vor dem Hintergrund nicht lockermachen.

Und nun zögert die Telekom angesichts des neuen griechischen Selbstbewusstseins mit einem konkreten Übernahmeangebot. Auch für die Bonner ist nämlich der Preis ein Thema. "Wir sind noch weit von einem Deal entfernt. Falls die Telekom eine Offerte macht, wird sie definitiv nicht auf Basis des derzeitigen Aktienpreises erfolgen", sagte ein Insider.

Höttges sei nicht dafür bekannt, sich übereilt in Übernahmen zu stürzen. Für die Beteiligung müsste die Telekom nach aktuellem Börsenwert 620 Millionen Euro auf den Tisch legen. Der Kurs der OTE-Aktie hat sich binnen zwölf Monaten auf 13 Euro verdoppelt - das ist deutlich mehr als die 7,99 Euro pro Titel, die die Deutsche Telekom 2011 beim Kauf eines Zehn-Prozent-Paketes bezahlte. Beim Einstieg 2008, als die Rheinländer sich 30 Prozent sicherten, berappten sie allerdings je Titel noch 26 Euro bis 29 Euro.

"Aufstockung ergibt Sinn"

Die Telekom hat für ihren 40 Prozent-Anteil insgesamt 4,2 Milliarden Euro ausgeben. Über OTE wollten die Bonner am damals starken Wachstum der Länder Südosteuropas teilhaben - die Griechen sind auch in Rumänien und Albanien aktiv. Aufgegangen sind die Pläne wegen der schweren Wirtschaftskrise in der Region nicht. Bislang mussten 2,6 Milliarden Euro auf OTE abgeschrieben werden. Nicht nur die tiefe Rezession, sondern auch die harte Regulierung und die hohen Löhne bei OTE sorgen dafür, dass die Firma lange Zeit eine der größten Baustellen im Konzern war. Mittlerweile hat sich das Bild gewandelt: OTE hat nach einer Rosskur die Gehälter deutlich gesenkt.

"Eine Aufstockung des Anteils ergibt für die Telekom Sinn", sagt eine mit den Überlegungen des Bonner Konzerns vertraute Person. OTE entwickele sich nach der Sanierung gut. Und ohne ihr Aktienpaket hätte die griechische Führung kein Vetorecht mehr bei bestimmten Entscheidungen, was der Telekom zupass käme.

Quelle: ntv.de, Peter Maushagen, dpa