Wirtschaft

"Zusätzliche Kosten zu schultern" S&P senkt Irland-Rating

Die Ratingagenturen treten wieder auf den Plan. Die Prüfer von S&P senken das Langfristrating für Irland auf A. Zur Begründung verweisen sie auf die hohen Kosten für die Rettung der Banken. EU und IWF beraten derweil über mögliche Auflagen im Gegenzug für Finanzhilfen für Irland.

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So sieht es ein Gastronom in Dublin: Die Lage ist ernst, aber nicht humorfrei.

(Foto: REUTERS)

Standard & Poor's (S&P) hat wegen der hohen fiskalischen Kosten für die Rekapitalisierung der irischen Banken die Bonitätsnoten von Irland gesenkt und weitere Herabstufungen in Aussicht gestellt. Wie S&P mitteilte, wurden das langfristige Kreditrating des Landes um zwei Stufen auf "A" von zuvor "AA-" verringert. Das Kurzfristrating fiel um eine Stufe auf "A-1" von zuvor "A-1+".

"Die niedrigeren Ratings spiegeln unsere Einschätzung wider, dass die irische Regierung zusätzliche Kosten zu schultern hat, die mit weiteren Kapitalinjektionen in Irlands angeschlagenes Bankensystem im Zusammenhang stehen", erklärte S&P-Analyst Frank Gill. Die unlängst angekündigte Hilfe für Irland durch Europäische Union und Internationalen Währungsfonds (IWF) dürfte zwar die Unsicherheit etwas verringern, schrieb S&P weiter. Der Rettungsschirm werde aber nicht die hohen Staatsschulden verringern oder die ungünstigen Konjunkturaussichten verbessern. Zudem verweist S&P darauf, dass die irische Bonität ohne die Finanzhilfe wohl noch stärker gesenkt worden wäre. Der Ausblick wurde auf "negativ" gesetzt, was auch auf die Möglichkeit weiterer Herabstufungen deutet. Zuletzt hatte S&P die Bonitätsnote für Irland im August nach unten geschraubt.

Die Noten purzeln erwartungsgemäß

Das bislang negativste Rating verteilte Anfang Oktober die Agentur Fitch. Sie senkte ihr Langfrist-Rating von AA- auf A+. Auch Fitch behielt sich mit einem negativen Ausblick einen Korrektur in absehbarer Zeit vor. Weitere Herabstufungen in den kommenden ein bis zwei Jahren sind damit wahrscheinlich. Das beste Ratingurteil stellt so weit Moody's aus, die Agentur ratet Irland aktuell mit Aa2.

Für den Handel stellt die Herunterstufung der Bonität Irlands keine Überraschung dar. "Nach der Bitte um Hilfe und der Zusage für das Hilfspaketes hat jeder mit einer Herunterstufung gerechnet, dieser Schritt dürfte daher bereits voll eingepreist sein", hieß es in ersten Reaktionen.

Ein Länder-Rating bewertet das Zahlungsausfallrisiko bei kurzfristigen Geschäften mit Unternehmen in einem Land aufgrund von politischen und/oder wirtschaftlichen Faktoren In der Theorie bedeutet ein A: Die Anlage ist sicher, falls keine unvorhergesehenen Ereignisse die Gesamtwirtschaft oder die Branche beeinträchtigen.

Höhere Kapitalquoten der Banken

Während sich die Ratingagenturen um ihre Einschätzungen der Finanzlage bemühen, rauchen bei EU und IWF ebenfalls die Köpfe. Sie müssen entscheiden, welche Konditionen sie Irland für Finanzhilfen aus dem Euro-Schutzschirm stellen wollen. Einem Fernsehbericht zufolge sollen die Hilfen mit einer Anhebung der Kapitalquoten für die irischen Banken verbunden werden. Das heißt, im Zweifelsfall muss Dublin eine größere Summe in den irischen Bankensektor pumpen, damit Hilfe naht.

Die Kapitalquoten im irischen Bankensektor sollen im Gegenzug für die Hilfsgelder von EU und IWF auf 12 Prozent von bisher 8,0 Prozent erhöht werden, berichtet der irische Sender RTE ohne Nennung von Quellen.

Verstaatlichung von Bank of Ireland

Die Regierung in Dublin soll bereits bereit stehen, ihren Anteil an der Bank of Ireland aufzustocken und die Mehrheit zu übernehmen, schreibt eine irische Zeitung. Derzeit verhandle die Regierung über eine Aufstockung ihres 36-Prozent-Anteils, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf Regierungsvertreter. Auch dieser Plan sei Teil der Verhandlungen über die Hilfen aus dem Euro-Schutzschirm von EU und IWF.

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Die Bank of Ireland soll nicht "gegrillt", sondern gerettet werden.

(Foto: REUTERS)

Obwohl Dublin eine vollständige Verstaatlichung der Bank of Ireland vermeiden will, so die Zeitung weiter, werde der Regierung durch die Kapitalspritze ein "sehr hoher" Anteil zukommen, sagten mit den Gesprächen vertraute Personen. Die Regierung in Dublin hatte am Sonntag einen Antrag auf Hilfen aus dem Euro-Schutzschirm von EU und IWF gestellt. Ein EU-Sprecher hatte am Dienstag in Brüssel gesagt, die Gespräche mit Irland über den Umfang der Hilfen und die Auflagen liefen reibungslos und dürften bis Monatsende abgeschlossen sein.

Quelle: n-tv.de, ddi/DJ/dpa

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