Wirtschaft

Jobs, Filialen, Gläubiger Schlecker-Insolvenz - und nun?

Schlecker geht in die Planinsolvenz. Was bedeutet das für das Unternehmen, für Mitarbeiter und Kunden? Drohen Massenentlassungen und leere Regale? Wie wirkt sich das ganze auf die Tochter-Drogeriekette "Ihr Platz" aus?

Die Drogeriemarktkette Schlecker hat den Insolvenzantrag gestellt. Rund 30.000 Mitarbeiter in Deutschland bangen um ihre Arbeitsplätze. Ihre Löhne werden zunächst aber für drei Monate von der Arbeitsagentur weiter bezahlt.

Warum muss Schlecker Insolvenz anmelden?

Grund für die Zahlungsunfähigkeit ist Schlecker zufolge eine geplatzte Zwischenfinanzierung für die seit Mitte 2010 laufende Sanierung. Nach Berichten der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und des "Spiegel" wurde die Insolvenz dadurch ausgelöst, dass der Einkaufsverbund Markant einen zweistelligen Millionenbetrag für gelieferte Waren forderte, den Schlecker nicht mehr zahlen konnte.

Firmengründer und Eigentümer Anton Schlecker wird in den einschlägigen Listen als Milliardär geführt, seine Familie hat aber in den vergangenen Jahren erhebliche Beträge in das seit 2008 defizitäre Unternehmen eingeschossen. Schlecker hatte kaum Kreditverbindungen zu Großbanken.

Discount-Ketten profitieren davon, dass immer viel Geld in die Kasse kommt, die eingekaufte Ware aber nur mit Verzögerung bezahlt werden muss. Doch vor allem die kleinen Läden blieben zuletzt häufig leer. Laut "Manager Magazin" kommt ein Schlecker-Markt im Schnitt auf 46.000 Euro Monatsumsatz, bei Rossmann und dm ist es ein Vielfaches. 2010 ging der Schlecker-Umsatz um 10 Prozent auf 6,55 Mrd. Euro zurück.

Was heißt Planinsolvenz?

Schlecker spricht von einer "geplanten Insolvenz". Gemeint ist ein Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Dabei legt das Unternehmen dem Insolvenzrichter ein Sanierungskonzept vor, mit dem es entschuldet werden soll, die Familie Schlecker könnte dabei Eigentümer bleiben.

Bei einem Verfahren in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt - oft mit Unterstützung eines professionellen Sanierers -, der Insolvenzverwalter übernimmt nur die Aufsicht.

"Wir haben ein gutes Konzept, aber es hängt natürlich von den Gläubigern ab", sagte ein Sprecher am Sonntag. Denn sie entscheiden danach, wo sie die größeren Chancen sehen, ihr Geld wiederzusehen: wenn Schlecker weitermacht wie bisher, verkauft oder zerschlagen wird. Bisher wird die Eigenverwaltung nur in einem Bruchteil aller Verfahren genehmigt, selbst Planinsolvenzen sind die Ausnahme. Zudem ein wichtiger Faktor: Auch die Belegschaft zählt zu den Insolvenzgläubigern.

Was plant Schlecker konkret?

Wegen der Insolvenz würden nicht mehr der zuletzt 8000 Filialen geschlossen als ohnehin geplant, sagt ein Sprecher. Rund 800 wurden bereits in den vergangenen eineinhalb Jahren dichtgemacht, 600 sollten Anfang 2012 folgen. Zu genauen Zahlen wollte sich Schlecker nicht äußern.

Direkte Konkurrenten wie Rossmann sind pessimistisch: "Ich wage die Prophezeiung, dass der Insolvenzverwalter nicht viele Läden weiterbetreiben wird können", sagte Firmenchef Dirk Rossmann dem Magazin "Focus". Viele Läden müssten wegen der schlechten Lagen schließen. Die Entscheidung muss spätestens im April fallen: Denn sobald das Insolvenzverfahren eröffnet ist, müsste der Insolvenzverwalter die Filialen auf eigene Rechnung weiterführen.

Welche Chancen birgt die Insolvenz?

In einem Fax an die Mitarbeiter sprach Schlecker von einem "Startpunkt unter veränderten Bedingungen". Derzeit verhindert ein Sanierungstarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi betriebsbedingte Kündigungen. Mitarbeitern in geschlossenen Läden müssen Arbeitsplätze anderswo angeboten werden.

Daran ist der Insolvenzverwalter nicht gebunden. Er kann auch Mietverträge für die leer stehenden Ladenlokale kündigen. Der Sprecher sagte, mit Verdi werde bereits seit vor Weihnachten verhandelt. "Wir stehen nicht am Anfang." Das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur gibt Schlecker erst einmal eine finanzielle Atempause.

Welche Risiken geht Schlecker ein?

Im schlimmsten Fall können die Lieferanten ihre Waren wieder aus den Filialen oder Lagern abholen. Dann stünden die Kunden vor leeren Regalen. Der Schlecker-Sprecher äußerte sich aber zuversichtlich, dass es nicht dazu kommen werde. Wenn es nicht zur Planinsolvenz kommt, könnte Schlecker zerschlagen werden. Findet sich kein Investor, droht sogar das Aus.

Was wird aus "Ihr Platz"?

Für die zweite Marke im Schlecker-Reich ist die Insolvenz besonders bitter: Denn die Drogeriekette musste bereits 2006 Insolvenz anmelden, bevor sie von Schlecker übernommen wurde. "Ihr Platz" verfügt aber meist über bessere Standorte als die Schlecker-Märkte. Experten geben ihnen gute Chancen.

Quelle: n-tv.de, rts

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