Wirtschaft

Europäische Staatsanleihen Schwellenländer erwägen Kauf

2zmc0509.jpg2699261441093564024.jpg

(Foto: dpa)

Nicht nur China will auf eigennützigen Gründen den Euro-Staaten unter die Arme greifen. Auch Brasilien, Russland, Indien und Südafrika erwägen den Erwerb europäischer Staatsanleihen. Die sogenannten BRICS-Staaten beraten darüber am 22. September in Washington. Der Internationale Währungsfonds (IWF) unterstützt das Vorhaben.

Nach China denken auch die anderen großen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und Südafrika über Hilfen für die Euro-Staaten im Kampf gegen die Schuldenkrise nach. Die Finanzminister der als BRICS-Staaten bekannten Gruppe beraten bei ihrem Treffen kommende Woche in Washington über den Kauf europäischer Staatsanleihen, sagte ein Vertreter der indischen Regierung.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) unterstützt diese Pläne. Seine Chefin Christine Lagarde plädiert für breit angelegte Investitionen in europäische Staatsanleihen. Sie hoffe, dass diese nicht auf sichere Anleihen weniger Staaten begrenzt seien, sagte sie einer italienischen Zeitung. 

Brasilien hatte bereits am zuvor bekanntgegeben, dass es Gespräche über Maßnahmen zur Linderung der Schuldenkrise gebe. Diese befänden sich aber noch in der Anfangsphase. Südafrikas Finanzminister Pravin Gordhan sagte, sein Land habe bei der Frage nach dem Kauf von Euro-Anleihen noch keine Position. Südafrika werde bei der Diskussion der BRICS-Staaten am 22. September über Interventionen aber dabei sein. Das Treffen findet am Rande von Konferenzen der Weltbank und des IWF statt.

2011-09-14T033151Z_01_PEK302_RTRMDNP_3_CHINA-ECONOMY-WEN.JPG1322843234082789334.jpg

Wen Jiabao findet klare Worte. Es gibt keine chinesische Hilfe zum Nulltarif.

(Foto: REUTERS)

Die chinesische Regierung unterstrich unterdessen ihre Bereitschaft zu weiteren Investitionen in Europa. Allerdings erwarte die Volksrepublik im Gegenzug ein ernsthaftes Bemühen bei der Schuldenbekämpfung, sagte Regierungschef Wen Jiabao beim Wirtschaftsforum in der nordöstlichen Hafenstadt Dalian.

China sei sich sicher, dass Europa seine Probleme lösen werde, betonte der Ministerpräsident. Er machte trotz des prinzipiellen Vertrauensbekenntnisses klar, dass China sich um die rapide abnehmende Fähigkeiten von hoch verschuldeten Ländern sorge, die Probleme in den Griff zu bekommen. Einzelne Länder nannte Wen jedoch nicht. Zudem solle die Europäische Union die zweitgrößte Volkswirtschaft endlich als Markwirtschaft anerkennen, forderte Wen. Dies würde seinem Land gewisse Vorteile in Handelsstreitigkeiten geben. Von den USA forderte Wen mehr Offenheit gegenüber Investitionen chinesischer Firmen und eine Aufhebung von Exportbeschränkungen.  

"Mutige Schritte nötig"

"Die Weltwirtschaft erholt sich langsam, aber Instabilität und Unsicherheit wachsen", sagte Wen Jiabao. Er zeigte sich gleichwohl zuversichtlich, dass die Europäer und US-Amerikaner ihre Probleme bewältigen könnten. Sein Land sei bereit, "eine helfende Hand auszustrecken" und mehr in den europäischen Ländern und den USA zu investieren. Im Gegenzug forderte Wen "mutige Schritte" der Europäer gegenüber seinem Land, insbesondere die Gewährung des Status als Marktwirtschaft. Er hoffe auf einen "Durchbruch" schon auf dem nächsten EU-China-Gipfel am 25. Oktober im chinesischen Tianjin.

Spekulationen über den Kauf italienischer Anleihen durch China hatten zuvor an den Finanzmärkten für Optimismus gesorgt. In Ministeriumskreisen hieß es jedoch, bei Gesprächen mit der aufstrebenden Wirtschaftsmacht sei es nicht um den Kauf von Staatsanleihen, sondern um Beteiligungen an der italienischen Industrie gegangen.

Quelle: n-tv.de, rts/dpa