Wirtschaft

Uniper warnt vor Scheitern Schwesig will Nord Stream 2 fertigstellen

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Die "Akademik Cherskiy" soll die letzte Kilometer der Pileline bauen und liegt derzeit im Hafen Mukran.

(Foto: REUTERS)

Die USA stemmen sich mit Macht gegen das Pipeline-Projekt Nord Stream 2. Jüngst drohten drei Senatoren dem Hafen bei Sassnitz mit vernichtenden Sanktionen. MV stellt sich nun demonstrativ an die Seite des Bauvorhabens. Derweil schließt ein Finanzier den Verlust seines Einsatzes nicht mehr aus.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Projektgesellschaft Nord Stream 2 haben sich zum Weiterbau der Ostsee-Erdgaspipeline bekannt. "Wir sind uns mit Nord Stream einig, dass das Projekt zum Erfolg geführt werden soll", sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig nach einem Gespräch mit Geschäftsführer Matthias Warnig. "Wir stehen weiter ganz klar hinter dem Bau der Ostseepipeline. Sie ist wichtig für die Energieversorgung in Deutschland." Das Unternehmen äußerte sich nicht zu der Unterredung.

Bereits nach dem Bekanntwerden eines Briefes von US-Senatoren mit Drohungen gegen den Hafen Sassnitz-Mukran auf Rügen in der vorigen Woche hatte sie erklärt: "Wir halten an dem Projekt fest, wir lassen uns nicht einschüchtern." Der Mukran Port spielt als Lagerplatz der Rohre und Ausgangspunkt für die Verlegeschiffe eine zentrale Rolle beim Pipeline-Bau. An der Anlandestation in Lubmin (Vorpommern-Greifswald) wird ebenfalls weitergearbeitet. Schwesig sagte, es sei gut und richtig, dass Deutschland bald aus der Atomenergie aussteige und sich auch von der Kohlekraft verabschieden wolle. Mecklenburg-Vorpommern setze stark auf erneuerbare Energien.

Gas werde aber zumindest im Übergang als Energieträger gebraucht. "Deshalb haben wir das Pipelineprojekt immer befürwortet", sagte die Regierungschefin. Sie sei im höchsten Maße verärgert über die Erpressungsversuche aus den USA: "So geht man unter befreundeten Nationen nicht miteinander um." Das Treffen in Schwerin war nach Angaben der Staatskanzlei keine Reaktion auf die neu angedrohten Sanktionen aus den USA. Der Informationsaustausch sei seit längerem geplant gewesen, sagte ein Sprecher.

Zuvor hatte auch der mitfinanzierenden Energiekonzern Uniper versichert, dass die Pipeline trotz des zunehmenden politischen Widerstands aus den USA zu Ende gebaut werde und dann auch Erdgas aus Russland nach Deutschland transportiere. "Das ist unser Basisszenario", sagte Vorstandschef Andreas Schierenbeck.

Sanktionsdrohungen drücken Risikobericht

Allerdings haben die unverhohlenen Sanktionsdrohungen aus Washington inzwischen ihren Niederschlag im Risikobericht der Uniper-Halbjahresbilanz gefunden. Dort heißt es, mit den intensivierten Anstrengungen der USA gegen das Vorhaben steige die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Verzögerungen beim Bau der Gasleitung komme oder dass das Projekt überhaupt nicht fertiggestellt werde. Das sei das Worst-Case-Szenario, sagte Schierenbeck. Von etwaigen Sanktionen direkt betroffen sei Uniper aber nicht. Der Konzern aus Düsseldorf ist an der Betreibergesellschaft nicht beteiligt, sondern hat nur Geld für die Investitionen gegeben. Man stehe überdies mit sämtlichen handelnden Personen im Kontakt.

Sollte das Projekt scheitern, so müsste Uniper seinen zu deren Finanzierung ausgereichten "Kredit wertberichtigen" und könne "die geplanten Zinserträge nicht realisieren". Vorstandschef Andreas Schierenbeck sagte, "Wir betrachten die Entwicklung um die Sanktionen mit Sorgen." Uniper finanziert wie Wintershall, Shell, OMV und Engie 10 Prozent der Gesamtkosten von 9,5 Milliarden Euro - also 950 Millionen. Im März hat Uniper laut Schierenbeck "alle Finanzmittel, zu denen wir verpflichtet sind", einbezahlt.

Die USA versuchen den schon weit fortgeschrittenen Bau von 1200 Kilometern Pipeline mit allen Mitteln zu verhindern. Während die USA argumentieren, dass sich Europa durch die Pipeline zu sehr von russischem Gas abhängig macht, weisen die Befürworter darauf hin, die Amerikaner verfolgten vor allem das Interesse, eigenes Gas in verflüssigter Form auf den europäischen Markt zu drücken.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/DJ