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Private Raumfahrt als Geschäft So wetteifern Milliardäre ums Weltall

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Richard Branson will mit seiner Weltraumfirma an die Börse. Er ist nicht der einzige Milliardär, der das All erobern möchte.

(Foto: picture alliance/dpa)

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Private Reisen ins All werden immer mehr zum Geschäft: Richard Bransons Firma Virgin Galactic will mit der Idee nun sogar an die Börse. Der britische Unternehmer ist nicht der einzige Milliardär, der den Kosmos zum Ausflugsziel machen will - und zur Profitzone.

Die Erde von oben zu betrachten, ist einer der ältesten Träume der Menschheit. Seit Beginn der Raumfahrt sind bisher nur Astronauten in den Genuss dieses Anblicks gekommen. Doch ultrareiche Investoren wollen das Erlebnis künftig auch normalen Erdenbürger ermöglichen. Oder zumindest den sehr gut Betuchten unter ihnen.

Unter den US-Milliardären ist ein Weltraum-Wettrennen ausgebrochen. Sie haben Privatflüge ins All als ihr Experimentierfeld entdeckt - und als kommendes Geschäft. Denn an der Eroberung der unendlichen Weiten reizt die Superreichen offenbar nicht nur die Herausforderung, die technischen und wissenschaftlichen Grenzen zu verschieben. Auch der Kommerz hält im Weltraum immer mehr Einzug.

Den jüngsten Beweis liefert Richard Bransons Firma Virgin Galactic: Der britische Milliardär will mit der Idee nun sogar an die Börse. Dafür verschmilzt Branson seine Firma mit einem Investmentvehikel des ehemaligen Facebook-Managers Chamath Palihapitiya. Für rund 800 Millionen Dollar kauft der Venture-Capital-Geldgeber 49 Prozent der Anteile an der Weltraumfirma. Im Zuge des Deals, der in der zweiten Jahreshälfte vollzogen werden soll, soll Virgin Galactic zur "ersten und einzigen börsengehandelten kommerziellen menschlichen Raumfahrtfirma" werden, teilt das Unternehmen mit.

600 Weltraumtouristen stehen schon Schlange

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Womöglich beginnt damit nun ein neues Kapitel der Raumfahrtgeschichte. Denn Virgin Galactic will mit dem Börsengang schon bald regelmäßige Flüge ins All möglich machen. Durch zwei bemannte Raumflüge glaube man "eine erhebliche Anzahl der technischen Hürden überwunden zu haben, die genommen werden müssen, um die Firma in einen verlässlichen und profitablen kommerziellen Dienstleister zu verwandeln".

Im Dezember hatte Virgin Galactic als erstes privates Raumfahrtunternehmen der Welt ein bemanntes Vehikel ins Weltall geschossen. Im Februar folgte der zweite erfolgreiche Flug des Flaggschiffs "VSS Unity" mit Piloten und Passagieren an Bord. Inzwischen hat Bransons Firma laut eigenen Angaben Reservierungen von mehr als 600 Weltraumtouristen in 60 Ländern erhalten und bereits 80 Millionen Dollar mit dem Ticket-Vorverkauf eingenommen.

In der Nähe des US-Raketentestgeländes White Sands in New Mexico, auf dem auch die erste Atombombe der Welt gezündet wurde, hat Branson dafür seinen eigenen Weltraumhafen errichtet. Schon seit 2004 werkelt Virgin Galactic an dem Traum, zahlenden Passagieren die Reise ins All zu ermöglichen

Damit ist Branson nicht allein. Auch Amazon-Gründer Jeff Bezos macht im Raketengeschäft mächtig Dampf. Seine Firma Blue Origin hat sich zum Ziel gesetzt, "mit wiederverwendbaren Trägerraketen einen Weg in den Weltraum zu bahnen." Bezos' Firma glaubt: "Raketen sollten mehr wie Flugzeuge genutzt und nicht nach einer Benutzung weggeworfen werden." Bezos hat bewiesen, dass das klappt: Seine unbemannte Rakete "New Shephard" ist bereits mehrfach gestartet und wieder erfolgreich senkrecht gelandet.

Um sein Baby an den Start zu bringen, verkauft Bezos jedes Jahr einen kleinen Teil seiner Amazon-Aktien. Der drittreichste Mann der Erde hat ebenfalls große Pläne für seine Weltraumfirma. Als Kunden für die Weltraumflüge konnte er bereits den französischen Satellitenbetreiber Eutelsat gewinnen. Und erst vor wenigen Wochen hat er sein eigenes Mondlandefahrzeug vorgestellt.

Mond und Mars sind die neue Grenze

Der Weg in die unendlichen Weiten bleibt trotz aller Fortschritte für die privaten Weltraumfirmen ähnlich riskant, wie die staatlichen Missionen der Nasa und der Sowjetunion es waren. Virgin Galactic und Blue Origin müssen deren schmerzhaften Lernprozess in wenigen Jahren nachholen. Wie beim Apollo-Programm in den 1960er-Jahren kommt es auch heute immer wieder zu tödlichen Unfällen: Bei einem Triebwerkstest von Virgin Atlantic starben 2007 drei Menschen. Und beim Absturz des ersten Testflugzeugs "VSS Enterpreise" kam der Kopilot ums Leben.

Den dritten Milliardär, der den Weltraum erobern will, schreckt das nicht ab: Tesla-Chef Elon Musk. Er ist nicht nur Elektroautopionier, sondern hat mit seiner Firma SpaceX 2002 auch die kommerzielle Raumfahrt aus der Taufe gehoben. Mit den wiederverwendbaren Lastenraketen "Falcon 9" und "Falcon Heavy" ist Musks Firma Vorreiter in Sachen Wirtschaftlichkeit: Seit 2015 sind die Erststufen der Rakete mehr als zwei Dutzend Mal wieder selbständig auf der Erde gelandet.

Die Nasa hat deshalb nach dem Ende des Space-Shuttle-Programms im Jahr 2011 die Versorgungsflüge für ihre Astronauten komplett an SpaceX ausgelagert: Seit 2012 fliegt Musks Weltraumfirma im Auftrag der US-Regierung unbemannt zur Internationalen Raumstation (ISS) und kassiert dafür Milliarden. Schon bald sollen erstmals auch Astronauten in Musks Raketen zur ISS gebracht werden. Zudem schießt SpaceX für kommerzielle Betreiber Satelliten ins All.

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Auch bei SpaceX gab es Rückschläge: Im Juni 2015 explodierte eine Falcon-Rakete auf dem Weg zur ISS, im September 2016 eine weitere vor dem Abheben auf der Startrampe. Trotz der Zwischenfälle setzt Musk, der nicht gerade als Leisetreter bekannt ist, auf hochfliegende Versprechungen.

Nachdem er 2018 beim Erststart der "Falcon Heavy" einen Tesla ins All geschossen hatte, versprach Musk, SpaceX werde schon 2018 auf dem Mars landen. Nachdem das nicht passierte, hieß es dann, die für Mars-Flüge entwickelte "Big Falcon Rocket" werde im ersten Halbjahr 2019 erste Flüge unternehmen. Schließlich ist es erklärtes Ziel der Weltraumfirma, "Menschen das Leben auf anderen Planeten zu ermöglichen".

Ein gewisser Größenwahn scheint allen Weltraummilliardären im Blut zu liegen: Virgin-Galactic-Chef Richard Branson hat angekündigt, sich ausgerechnet zum 50. Jahrestag der Mondlandung von "Apollo 11" zum ersten Mal selbst mit seinem Flagschiff "VSS Unity" ins All zu schießen. Die war am 20. Juli 1969. Die Uhr tickt also.

 

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Quelle: n-tv.de

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