Wirtschaft

IWF-Stresstest zeigt "untere Grenze" Spanien braucht wohl 40 Mrd.

Lange hat Spanien gezögert, sich unter den Euro-Rettungsschirm zu stellen - zuletzt unter Hinweis auf eine laufende Untersuchung des IWF. Deren Ergebnis liegt nun vor und zeigt: Spaniens Banken brauchen Hilfe. Auch der deutsche Wirtschaftsminister ist dieser Meinung.

spain.jpg

Wie geht das ganze Gerangel wohl aus? Darüber scheinen diese beiden Madrider Börsenhändler zu diskutieren.

(Foto: REUTERS)

Der spanische Bankensektor benötigt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) Finanzhilfen in Höhe von mindestens 40 Milliarden Euro. Dies sei das Ergebnis eines Stresstests bei den Finanzinstituten des Landes,  teilte der IWF in Washington mit.

Kapitalpuffer für "Basel III"

Eine  IWF-Verantwortliche verwies zugleich darauf, dass der Wert nur die untere Grenze des Finanzbedarfs darstelle und höhere Zahlungen nötig sein könnten. Der Stresstest sei "ein guter Indikator". Häufig sei aber das 1,5- bis Zweifache des errechneten  Finanzbedarfs notwendig, um Geldhäuser wieder krisenfest zu machen.

Der Stresstest habe nicht zum Ziel gehabt, eine definitive Größe des Kapitalbedarfs zu ermitteln, sondern vor allem Schwächen im Finanzsektor festzustellen. Danach sei das System im Kern gewappnet gegen eine weitere Verschlechterung der spanischen Konjunktur, aber manche Segmenten und bestimmte Banken seien anfällig, heißt es in dem Report. Deshalb werde der zusätzliche Kapitalpuffer benötigt, um die von Notenbankern ausgearbeiteten schärferen Eigenkapitalregeln ("Basel III") einhalten zu können.

Spanien hatte den unter einer geplatzten Immobilien- und  Kreditblase leidenden Bankensektor des Landes mit  Milliardenbeträgen gestützt, um einen Zusammenbruch zu verhindern. Bisher will Madrid keine mit zahlreichen Auflagen verbundenen  Darlehen aus dem EFSF beantragen, sondern die Krise allein in den  Griff bekommen. Wegen seiner schwächelnden Wirtschaft gilt Spanien  jedoch seit einiger Zeit als Kandidat für Finanzhilfen. Berichte zu möglichen Verhandlungen über europäische Hilfen bereits am Wochenende hatte Madrid zuletzt unter Verweis auf die laufende  IWF-Untersuchung zurückgewiesen.

Rösler ermuntert

Deutschland hat die spanische Regierung ermuntert, den Euro-Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen. "Wenn Spanien bei der Bankenstabilisierung Hilfe benötigt, sollte es diese zügig bei der EFSF beantragen - das Instrumentarium dazu ist da", sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Es liege jetzt an Spanien, das Vertrauen in die Stabilität seiner Banken zu stärken. "Spanien muss die Kosten für die Rekapitalisierung seiner Banken transparent machen", verlangte der FDP-Chef außerdem.

 

Quelle: n-tv.de, tle/dpa/AFP

Mehr zum Thema