Wirtschaft

Rückzug aus dem Print-Geschäft Springer versilbert Regionalzeitungen

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Zwei Traditionsblätter als Teil der Verhandlungsmasse: Funke will 920 Millionen Euro zahlen.

(Foto: dpa)

Der Börsenkonzern hinter der "Bild" trennt sich von einem ganzen Bündel an Regional- und Spartenblättern - darunter auch die "Berliner Morgenpost" und das "Hamburger Abendblatt". Der Teilrückzug aus dem Zeitungsmarkt soll sich lohnen: Die Axel Springer AG will dafür einen hohen dreistelligen Millionenbetrag einstreichen.

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Deutschlands Zeitungsmarkt gerät in Bewegung: Die Axel Springer AG verkauft ihre Regionalzeitungsgruppen "Berliner Morgenpost" und "Hamburger Abendblatt" sowie ihre Programm- und Frauenzeitschriften an die Funke Mediengruppe. Der Kaufpreis betrage insgesamt 920 Millionen Euro, teilte das im MDax notierte Unternehmen mit.

"Die Entscheidung, uns von einigen der traditionsreichsten Marken des Hauses zu trennen, ist uns nicht leicht gefallen", erklärte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner. Axel Springer wolle den Weg zum führenden digitalen Medienunternehmen konsequent weitergehen, mit klarer Ausrichtung auf die "Bild"-und die "Welt"-Gruppe. Diese beiden Titel blieben ein "unverzichtbarer Kern des Unternehmens". Zur Strategie gehöre der Ausbau von Online-Rubrikenmärkten und digitalen Vermarktungsplattformen.

Funke-Geschäftsführer Thomas Ziegler erklärte, mit der Übernahme der Springer-Titel baue die Mediengruppe ein nationales Medienhaus auf. Print und Online, Regionalzeitungen und Magazine sollten die journalistische Qualität und den wirtschaftlichen Ertrag sichern. Vom Kaufpreis werden laut Springer beim Vollzug des Geschäfts 660 Millionen Euro fällig, spätestens sei diese Summe am 30. Juni 2014 zu zahlen. Die restliche Summe werde Springer der Funke Mediengruppe als ein Verkäuferdarlehen mit mehrjähriger Laufzeit gewähren.

Neben der "Berliner Morgenpost" und dem "Hamburger Abendblatt" übernimmt Funke die Programm- und zwei Frauenzeitschriften von Axel Springer: "Hörzu", "TV Digital", "Funk Uhr", "Bildwoche", "TV neu", "Bild der Frau" und "Frau von heute".

Springer-Aktie schießt ins Plus

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) erklärte, die Axel Springer AG sei dabei, sich von einem der renommiertesten Verlage Europas in einen Mischkonzern mit digitalem Schwerpunkt zu verwandeln. Bei den Aktionären kam der Verkauf offensichtlich sehr gut an: Nach Bekanntgabe des Aufsehen erregenden Geschäfts schnellten die Axel-Springer-Aktien bis zu 14 Prozent ins Plus. Analyst Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe sprach von einer "sehr guten Nachricht" für das Unternehmen. "Ich habe nicht erwartet, dass Springer sich so schnell von solchen Traditionsmarken trennen würde."

Komplett in trockenen Tüchern ist das Geschäft noch nicht: Die beiden Verlagshäuser schlossen zunächst einen "rechtsverbindlichen" Vorvertrag, der Verkauf soll bis Herbst endgültig vereinbart werden. Die Transaktion bedürfe der fusions- und kartellrechtlichen Freigabe durch die zuständigen Behörden, hieß es bei Springer. Mit einer Entscheidung durch die Wettbewerbshüter sei nicht vor Ende des Jahres zu rechnen. Wenn alles nach Plan läuft, sollen die Regionalzeitungen und Zeitschriften mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. Januar 2014 verkauft werden.

Bei ihren Plänen müssen sich die beiden Medienkonzerne auf eine intensive Prüfung durch die Wettbewerbshüter einstellen. "Wir werden uns den Zusammenschluss genau ansehen müssen", sagte ein Sprecher des Bundeskartellamts. Das Vorhaben sei aber noch nicht angemeldet worden.

Zeitung als Auslaufmodell?

Eine vollständige Trennung für immer schwebt der "Bild"-Mutter offenbar nicht vor: Die Axel Springer AG und die Funke Mediengruppe - vormals WAZ Mediengruppe - hätten neben dem Verkauf zudem vereinbart, Gemeinschaftsunternehmen für Vertrieb und Vermarktung von gedruckten und digitalen Medienangeboten zu gründen, hieß es in der Mitteilung weiter.

Der Verkauf sei für Springer ein weiterer bedeutender Schritt bei der Umsetzung der Strategie, das führende digitale Medienunternehmen zu werden. Im vergangenen Jahr hatte der Geschäftsbereich "Digitale Medien" erstmals in der Unternehmensgeschichte das Print-Geschäft des "Bild"-Zeitungs-Herausgebers überrundet.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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