Wirtschaft

Platzt die Blase? Star-Investor verwirrt Gold-Fans

Gold erfreut sich bei vielen Anlegern großer Beliebtheit. Das Edelmetall gilt als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten – und verteuert sich stetig. Doch wie lange noch? Hedgefonds-Star Paulson heizt die Diskussion über ein nahendes Ende der Rallye an.

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(Foto: REUTERS)

Ist Gold tatsächlich der sichere Hafen, für den viele Anleger das Edelmetall in der Schuldenkrise halten? Hedgefonds-Manager und Gold-Daueroptimist John Paulson weckt daran Zweifel. Zwischen Ende Juni und Ende September verkaufte er etwa ein Drittel seiner Anteile am weltweit größten börsennotierten Indexfonds, dem SPDR Gold Shares. Das geht aus Zahlen der US-Finanzaufsichtsbehörde SEC hervor. Der Verkauf hatte - gemessen am aktuellen Marktwert - einen Umfang von 1,9 Mrd. Dollar.

Paulson gilt eigentlich als ausgesprochener Fan des Edelmetalls. Ende September hatte sein Investment in den Goldfonds noch einen Wert von 3,2 Mrd. Dollar. Gold gilt traditionell als sichere Anlage, wenn es in der Finanzwirtschaft kriselt. In der Spitze war der Preis Anfang September auf 1921,15 Dollar gestiegen. Derzeit kostet eine Feinunze etwa 1782 Dollar, zu Jahreanfang hatte sie noch 1400 Dollar gekostet.

Um in Gold zu investieren, hatten Wall-Street-Größen wie Paulson in den vergangenen Jahren vor allem auf börsennotierte Indexfonds zurückgegriffen, die Barren in ihren Portfolios hielten. Paulson, der als treuer Gold-Anleger bekannt ist, hatte in der ersten Jahreshälfte an seinen Gold-Investments festgehalten. Andere Star-Investoren wie George Soros hatten sich bereits damals von Gold-Fonds getrennt.

Rätseln über die Gründe

Experten rätseln darüber, warum sich nun auch Paulson davon verabschiedet hat. "Wir bezweifeln, dass Paulsons Gold-Fieber zu Ende ist", hieß es bei der neuseeländischen Bank ANZ. Möglicherweise habe der Manager aus dem Fonds direkt in Goldbarren umgeschichtet, um die Gebühren des Fonds zu sparen. Oder er habe Cash benötigt, um Anleger auszahlen zu können, die sich nach starken Wertverlusten aus seinem eigenen Fonds zurückgezogen haben.

Paulson hatte zuletzt kräftig unter der Schuldenkrise im Euroraum und der siechenden US-Wirtschaft gelitten. Der Flaggschiff-Fonds von John Paulson hat in diesem Jahr etwa die Hälfte seines Wertes verloren. Paulson hatte auf eine Erholung der Wirtschaft gewettet. Sein Goldinvestment gehört zu den wenigen, die noch im Plus stehen. Sein Imperium ist rund 30 Mrd. Dollar schwer.

In der Spitze hatte Paulson einmal 38 Mrd. Dollar verwaltet. Einen guten Teil des Geldes hatte Paulson während der Finanzkrise angehäuft, als er das Platzen der US-Immobilienblase vorausahnte und 2007 massiv gegen den damals noch boomenden Hypothekenmarkt wettete. Das brachte ihm Ruhm an der Wall Street ein und katapultierte ihn in den Olymp der Hedgefonds-Manager.

Hedgefonds sammeln Gelder von Investoren ein und legen sie an. Sie haben dabei den Vorteil, dass sie weit weniger scharf vom Staat reglementiert werden als Banken. Hedgefonds wetten auf steigende und fallende Kurse, auf Aktien, Anleihen, Währungen, Rohstoffe oder Immobilien und nutzen dafür teils hochkomplexe Finanzvehikel.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa