Wirtschaft

Mini-Gewinn und viele Risiken Steht die Commerzbank vorm Comeback?

Die Commerzbank-Aktie hat ihren Wert seit Juli 2013 mehr als verdoppelt. Gleichzeitig steht wieder ein Gewinn in den Büchern. Von einer Trendwende will Chef Blessing aber nichts wissen. Auch Analysten sind skeptisch. Aber diese Gemengeöage birgt auch Chancen.

Viele hatten die Commerzbank schon abgeschrieben. Vor gut einem halben Jahr hatte die Börse praktisch alle Hoffnung für die zweitgrößte deutsche Bank verloren. Die Aktie befand sich im freien Fall und sackte Tag für Tag noch tiefer. Der Vorstand sah sich im Sommer sogar gezwungen, die Märkte öffentlich zu beruhigen. Das scheint lange zurückzuliegen.

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Inzwischen glauben immer mehr Anleger, dass die Bank die Kurve kriegt. Die Aktie erholte sich, ihr Wert hat sich seit Juli 2013 mehr als verdoppelt. Auch die Spekulationen über die Zukunft von Vorstandschef Martin Blessing sind verstummt. Kurz vor der Bundestagswahl waren immer wieder Gerüchte aufgetaucht, dass die Regierung in Berlin die Ablösung des lange glücklosen Managers vorantreiben könnte. Seit der Finanzkrise ist der Bund größter Aktionär der Bank.

"Jahr eins nach dem Übergang"

Das überraschend gute Ergebnis 2013 verschafft Blessing sichtlich Auftrieb. Bei der Bilanzvorlage präsentiert sich der Manager lockerer als in den Vorjahren. Der Ende 2012 eingeleitete Umbau des Konzerns scheint erste Früchte zu tragen - vor allem im lange schwächelnden Privatkundengeschäft. Trotz elf Millionen Kunden erfüllte es seit der Übernahme der Dresdner Bank 2008 nie die Erwartungen und taumelte zwischenzeitlich bedrohlich nah an die Verlustzone heran. Nun klotzt die Commerzbank mächtig ran: mit teuren Werbespots und neuen Filialmodellen.

Dennoch tritt Blessing auf die Euphoriebremse. Von einem Wendepunkt will er bei der Bilanzvorlage lieber nicht sprechen. 2014 sei "das Jahr eins nach dem Übergangsjahr 2013", gibt der Manager schlicht zu Protokoll. Die Commerzbank habe noch einen längeren Weg vor sich. Zwar dürfte das Ergebnis im laufenden Jahr zumindest etwas besser ausfallen als der Mini-Gewinn von 78 Millionen Euro 2013, meint Blessing. Aber die Bank sei noch nicht da, "wo wir 2016 sein wollen".

Schlummerndes Gift für die Aktie

Die Skepsis teilen viele Analysten. Immer noch empfehlen die meisten Experten, sich von der Commerzbank-Aktie zu trennen. Viele zweifeln noch, dass die Commerzbank ohne Probleme durch den Bilanzcheck und den anschließenden Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) kommen wird. Mancher befürchtet, dass die Überprüfung bei der Commerzbank neue Kapitallöcher offenlegen wird. Das wäre Gift für die Aktie. Seit der Finanzkrise 2007/2008 hat die Bank mehrfach zu milliardenschweren Kapitalerhöhungen greifen müssen.

Zudem gibt es Zweifel am Geschäftsmodell. Die Commerzbank setzt künftig praktisch nur noch auf Privatkunden und den Mittelstand. Damit macht sich das Institut sehr abhängig von der Entwicklung der Konjunktur in Deutschland. Der harte Wettbewerb um Kunden in Deutschland könnte die Gewinne der Bank bedrohen, warnt etwa NordLB-Analyst Michael Seufert.

Im Mittelstandsgeschäft bekommt die Commerzbank das schon zu spüren. Um Firmenkunden buhlen verstärkt auch die Landesbanken und die Deutsche Bank. 2013 warf die bisherige Gewinnmaschine der Commerzbank bereits ein Drittel weniger Vorsteuergewinn ab.

(Aus)weg ins Ausland

Das Auslandsgeschäft umfasst praktisch nur noch die - zuletzt freilich recht erfolgreiche - Tochter in Polen. Das Risiko hat das Management erkannt: Erstmals seit Jahren wagt sich die Bank in neue Märkte und baut - zunächst in der Schweiz - ein eigenes Mittelstandsgeschäft auf. Weitere Länder könnten folgen.

Letztlich könnte die Geschichte auch ganz anders enden: Sind erst einmal die Altlasten aus faulen Schiffs- und Gewerbeimmobilienkrediten weg, könnte die seit der Finanzkrise kräftig geschrumpfte Commerzbank mit ihrer starken Basis im Wirtschaftswunderland Deutschland für zahlreiche ausländische Institute ein interessantes Übernahmeziel sein.

Quelle: ntv.de, Erik Nebel, dpa