Wirtschaft

Neuauflage der Elektroförderung Tesla könnte zum Ampel-Gewinner werden

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Wenn hundert Prozent elektrisch gefragt ist, steht der Gewinner bereits fest.

(Foto: picture alliance/dpa/EUROPA PRESS)

Die Förderung von E-Autos per Gießkannenprinzip dürfte schon bald ein Auslaufmodell sein. Fallen teilelektrische Hybrid-Fahrzeuge aus der staatlichen Förderung raus, wäre das konsequent und sinnvoll. Die deutschen Autobauer müssten aber mitten in der Aufholjagd einen Rückschlag verkraften.

Bislang dürfen sich sowohl Käufer eines Elektroautos als auch Käufer eines teilelektrischen Fahrzeugs über satte Umweltboni freuen. Die Anschaffung eines reinen Elektroautos fördert der Bund mit bis zu 6000 Euro. Ein nur teilweise elektrisches Fahrzeug, ein sogenannter Plug-in-Hybrid, wird immerhin noch mit bis zu 4500 Euro subventioniert. Dass die mögliche Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP an dieser Regelung drehen will, ist ausgemachte Sache. Die Frage ist nur noch: Wie radikal wird das Prämiensystem geändert, und welche Folgen hat das für die Autoindustrie?

Das CAR-Center Automotive Research hat das Szenario durchgespielt, dass die Förderung von teilelektrischen Plug-ins komplett gestrichen wird. Staatliche Prämien für Fahrzeuge, die nicht unbedingt elektrisch fahren müssen und elektrisch betrieben auch nur einen nur sehr kleinen Radius haben, sind sowohl der FDP als auch den Grünen ein Dorn im Auge.

Das hat damit zu tun, dass Subventionen nach dem Gießkannenprinzip zum einen nicht zielführend sind, wenn es darum geht, eine schwarze Haushalts-Null im Blick zu behalten. Zum anderen ist eine Förderung von nur teilweise elektrisch betriebenen Fahrzeugen Steuerzahlern nur noch schwer vermittelbar. Die Berichterstattung über originalverpackte Ladekabel bei Rückgabe von geleasten Dienstfahrzeugen hat ihre Wirkung in der Öffentlichkeit nicht verfehlt.

Laut den Berechnungen von Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer wurden in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres rund 240.000 Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge in Deutschland neu gekauft und gefördert. Die Staatskasse wurde dadurch mit knapp einer Milliarde Euro belastet. Auf zwölf Monate hochgerechnet werden es sogar deutlich mehr als einer Milliarde Euro sein. Das Geld könnten die Ampel-Koalitionäre in Zukunft einsparen.

Die bisherige Regierung hatte nicht vor, so weit zu gehen. Laut einem Entwurf des noch von CDU geführten Bundeswirtschaftsministeriums für eine neue Förderrichtlinie, der Anfang des Monats durchgedrungen ist, sollten Plug-in-Hybrid-Autos in Zukunft weiter gefördert werden. Die Subventionen sollten lediglich an neue Bedingungen gekoppelt werden, zum Beispiel sollten nur noch Prämien gezahlt werden, wenn die Autobauer den elektrische Radius vergrößern würden.

Verlierer sind Autobauer mit vielen Hybrid-Modellen

Ein komplettes Streichen der Umweltprämie für Hybrid-Modelle - wie in dem Szenario des CAR-Institus zugrunde gelegt - hätte mitten in der Transformationsphase weg vom Verbrenner hin zur Elektromobilität nicht unerhebliche Folgen, wie sich zeigt. Betrachtet man den deutschen Absatzmarkt, würde eine solche Regelung zwar den chinesischen Autobauer Volvo am schlimmsten treffen. Laut Studie ist er mit einem Anteil von gut 40 Prozent hierzulande der mit Abstand größte Verkäufer von Plug-in-Hybriden. Aber die deutsche Konkurrenz liegt mit einem durchschnittlichen Marktanteil bei Hybriden von 11,9 Prozent immerhin im Mittelfeld.

PHEV-Anteil bei Herstellergruppen in Deutschland (Jan. - Sept. 2021)

(Foto: CAR-Center Automotive Research)

Nach Verlierer Nummer 2 Mitsubishi (26,8 Prozent Hybrid-Anteil) folgt bereits auf Platz 3 mit dem Mercedes-Smart (24,6 Prozent) der erste deutsche Autobauer, der das Nachsehen hätte. Auf Platz 5 des Rankings rangiert der BMW-Mini mit 16,3 Prozent und auf Platz 7 der VW-Konzern mit 12 Prozent Neuwagen-Anteil an Plug-in-Hybriden. Das heißt, deutsche Autobauer haben bislang überproportional von der Plug-in-Prämie profitiert. Dadurch würden sie eine konsequente Neuregelung auch stärker zu spüren bekommen.

Grünes Licht für Tesla

Profitieren würden umgekehrt die Autobauer, die gar keine oder kaum hybride Fahrzeuge bauen, allen voran Elektro-Autopionier Tesla, der zu 100 Prozent rein elektrische Fahrzeuge produziert. Zu den großen Profiteuren nach Tesla würden Hyundai-Kia und Renault-Dacia gehören, sollte die Hybridförderung komplett eingestellt werden.

Durch ein Streichen der Hybrid-Prämie hat die Ampel-Koalition einerseits die Möglichkeit, den Umstieg auf Elektroautos im deutschen Automarkt zu beschleunigen und dabei gleich auch noch die Staatskasse aufzupolieren, wie es in der Studie heißt. Ein Streichen der Umweltprämie für Hybridautos bedeute aber auch, dass mit "mit Kräfteverschiebungen im deutschen Automarkt", gerechnet werden müsse.

Eine Aufholjagd für die Verlierer ist grundsätzlich möglich. Sie müssen halt künftig mehr um Käufer für ihre geförderten Elektrofahrzeuge buhlen. Aber Autobauer, die nur oder größtenteils auf vollelektrische Fahrzeuge gesetzt haben, haben definitiv einen "Zeitvorteil".

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Nicht ausgeschlossen werden kann ein kleines Absatzhoch für die Anbieter hybrider Modelle auf den letzten Metern bei Auslaufen der Hybrid-Prämie. Mancher potenzielle Käufer oder manche Käuferin, die noch nicht gänzlich von der Elektro-Technologie überzeugt sind, könnten jetzt Gas geben und entscheiden, die Prämie schnell noch schnell mitzunehmen, bevor sie ausläuft.

So oder so: "Es macht viel Sinn, die Umweltprämie für die Plug-ins von der Regierung zu kippen", heißt es in der Studie. "Für FDP und die Grünen liegen die Vorteile auf der Hand." Auch die SPD sollte "überzeugt werden können". Wunsch-Szenario für den Autoexperten Dudenhöffer wäre, wenn sich die Ampel-Koalitionäre bei der Gelegenheit gleich auch die Steuerungleichheit bei Benzin und Diesel mit vorknöpfen würden.

Quelle: ntv.de

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