Wirtschaft

Signal an die Fed Trump moniert Draghis Zinspläne

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Trump muss sich nach Ansicht von Volkswirten langsam um die Folgen seiner Handelskriege für die USA sorgen.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

EZB-Chef Draghi bereitet verbal mehr Spielraum für mögliche Reaktionen der Notenbank auf die weiter abflauende Konjunktur vor. Die Börse reagiert umgehend - und der US-Präsident auch. Dessen Einlassungen haben jedoch eine eher innenpolitische Stoßrichtung.

US-Präsident Donald Trump attackiert EZB-Präsident Mario Draghi nach dessen Ankündigung einer notfalls weiteren Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank scharf. "Mario Draghi hat gerade angekündigt, dass es zu einem neuen Stimulus kommen könnte, und das hat sofort den Euro gegenüber dem Dollar fallen lassen", twitterte er. "Das erleichtert ihnen den Wettbewerb mit den USA in unfairer Weise. Damit sind sie jahrelang durchgekommen, zusammen mit China und anderen." Volkswirte werten den Tweet indes eher als Signal an die eigene Notenbank, die Zinsen zu senken und so auch zunehmend in den USA spürbare Folgen des Handelskrieges zu mildern.

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Draghi hatte sich zuvor etwas entschlossener als bisher zu einer möglichen geldpolitischen Lockerung geäußert. Er stellte für den Fall eines anhaltend schwachen Ausblicks auf die jeweiligen Umstände zugeschnittene geldpolitische Maßnahmen in Aussicht. Diese reichten von Zinssenkungen und einem abgestuften Einlagenzins bis zu einer abermaligen Vergrößerung der Anleihebestände (QE).

Besonders die Möglichkeit eines abgestuften Einlagenzinses betonte Draghi etwas stärker als zuletzt. Denn im Gegensatz zu früheren Äußerungen zweifelte er in einem Nebensatz nicht daran, dass der negative Einlagenzins ungewünschte Nebenwirkungen für die Banken haben könnte.

ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski hatte kürzlich bereits zu bedenken gegeben, dass die EZB mit einer Abstufung des Einlagenzinses die Eurozone als Wechselkursmanipulator auf das Radar der US-Behörden hieven könnte.

"Scherbenhaufen zusammenkehren, den er hinterlassen hat"

Für Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel entbehren die Vorwürfe Trumps jeglicher Grundlage. Vielmehr sei der starke Dollar Ausdruck der fundamentalen Konjunkturdaten in den USA. Der Tweet lasse "die Befürchtung aufkommen, dass Trump nicht nur an einem Handelskrieg, sondern auch an einem Währungskrieg interessiert sein könnte. Doch wir haben zum Glück unabhängige Notenbanken."

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Vielmehr setze Trump mit seiner Aussage auch die eigene Notenbank unter Druck, sagte er weiter. Eine Zinssenkung käme ihm gelegen, denn sie hülfe der Exportseite "und könnte auch helfen, die missliche Lage zu verbessern, die er mit den Strafzöllen mit verursacht hat". Die US-Notenbank soll "den Scherbenhaufen zusammenkehren, den er hinterlassen hat".

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte, die EZB sei für die USA ein Nebenkriegsschauplatz. Auch er wertet den Tweet eher als Signal an die Fed, die am morgigen Mittwoch über Leitzinsen entscheidet. Trump wolle sicherstellen, dass die US-Wirtschaft im Vorwahlkampf stark dasteht.

Trump macht seit langem Druck auf die US-Notenbank, ihre Zinsen zu senken. Manche Analysten glauben, dass die zunehmende Bereitschaft der Fed, ihre Zinsen tatsächlich zu senken, auch auf Trumps Einfluss zurückgeht.

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Quelle: n-tv.de, jwu/DJ/rts

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