Wirtschaft

Börse als Gerüchteküche Tweet löst Kurssturz aus

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Die Börse reagiert nicht immer rational.

(Foto: REUTERS)

Selbst eine Einzelmeinung kann an der Börse für Turbulenzen sorgen - und Milliarden an Börsenwert vernichten. Das bekommt der große amerikanische Energie-Dienstleister Kinder Morgan zu spüren. Und die Wall Street fragt sich: Wie kann das passieren?

Der Einfluss von Plattformen wie Twitter und Facebook auf die Finanzmärkte ist offenbar viel größer als gemeinhin angenommen. Das bekamen die Aktionäre des US-Konzerns Kinder Morgan eindrucksvoll demonstriert, als die Papiere an der Wall Street vergangenen Mittwoch kräftig nachgaben. Satte vier Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich in Luft auf.

Was war passiert? Kevin Kaiser, ein 26-jähriger Angestellter der relativ kleinen US-amerikanischen Analystenfirma Hedgeye, hatte sich via Twitter negativ gegenüber Kinder Morgan geäußert. Der Konzern ist der größte Betreiber von Öl- und Gaspipelines in Nordamerika und besteht aus einem weitverzweigten Geflecht, die einzelnen Teile sind zusammengenommen an der Börse etwa 90 Milliarden Dollar wert.

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Kaiser twitterte, es sei die beste Idee, sich bei Kinder Morgan "short" zu positionieren. Damit ist gemeint, dass Investoren auf einen fallenden Aktienkurs wetten sollten. Das können sie beispielsweise, indem sie sich Kinder-Morgan-Aktien leihen, sie verkaufen und dann zu einem späteren Zeitpunkt zu einem niedrigeren Kurs zurückkaufen. Die Differenz ist der Gewinn.

Gründe für sein Urteil über den Pipeline-Betreiber nannte Kaiser nicht. Er verwies allerdings auf einen detaillierten Bericht, der den Kunden seiner Firma in der folgenden Woche zugeschickt werde. Zuvor hatte er diesen bereits per Mail mitgeteilt, Kinder Morgan sei ein "Kartenhaus, völlig missverstanden und falsch bewertet."

Große Häuser widersprechen

Das verunsicherte selbst Investoren, die weder von Kaiser noch vom Internet-Analysehaus jemals gehört hatten. Der Aktienkurs ging auf Talfahrt. Analysten rätseln nun darüber, warum Kaisers Bemerkungen solch eine Wirkung hatten. Auf Twitter folgen ihm knapp 5000 Menschen, der Firma Hedgeye rund 14.800.

Fest steht, dass sich eine eigenartige Dynamik entwickelte. Analysten von Goldman Sachs, der Deutschen Bank und der Credit Suisse reagierten und äußerten sich positiv über das Unternehmen. Doch selbst die Kommentare dieser Schwergewichte konnten die sich nun selbsterfüllende Prophezeiung nicht aufhalten. Die Aktien verloren an Wert - allein wegen unbegründeter Behauptungen.

Warum auch immer so viele Investoren auf einen bislang wenig bekannten Analysten hörten: Der Kurssturz zeigt, wie stark der Einfluss von Facebook und Twitter auf die Börse ist. Innerhalb von Sekunden werden Informationen verbreitet - und beachtet. Und zwar völlig unabhängig davon, ob sie stimmen oder nicht.

Quelle: n-tv.de, jga

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