Wirtschaft

Höhere Zinsen gegen schwachen Forint Ungarn zieht die Zügel an

Die anhaltende Rutschpartie der Landeswährung Forint macht Ungarn nervös. Nun soll eine geldpolitische Straffung die Trendwende einleiten. Unter Experten stößt die ungarische Notenbank dafür nur auf wenig Begeisterung.

31ix3830.jpg7415042108416560306.jpg

(Foto: dpa)

Mit höheren Leitzinsen stemmt sich Ungarns Notenbank in der Schuldenkrise gegen den Kurs-Verfall der Landeswährung Forint. Die Zentralbank setzte wie von Experten erwartet den Schlüsselzins um einen halben Prozentpunkt auf 6,5 Prozent nach oben. Zugleich stellte Notenbankchef Andras Simor eine weitere geldpolitische Straffung in Aussicht, sollte das osteuropäische Land die tiefe Vertrauenskrise nicht überwinden. Die Geldpolitiker in Budapest reagierten damit auf den Anstieg der Renditen am Staatsanleihenmarkt und den Kursverfall des Forint, nachdem die Ratingagentur Moody's die Bonität des Landes auf Ramschstatus gesetzt hatte.

Fachleute kritisierten die Zinserhöhung als halbherzigen Versuch zur Beruhigung der Märkte: "Die Zurückhaltung kann geradezu als Einladung an Spekulanten verstanden werden", meint György Barta von der Bank CIB. Entsprechend fiel die Reaktion an den Märkten aus: Die ungarische Währung gab nach dem Zinsentscheid zu Dollar und Euro nach. Gleichzeitig zogen die Renditen der zehnjährigen ungarischen Staatsanleihen auf rund 9,5 Prozent an.

Forint-Schwäche macht Ungarn verwundbar

Die Notenbank hatte bereits von November 2010 bis Januar dieses Jahres ihre Geldpolitik gestrafft und danach eine Zinspause eingelegt. Mit einem höheren Zinsniveau will die Zentralbank dafür sorgen, dass der diesen Monat auf ein Rekordtief gefallene Forint stabilisiert und der Anstieg der Importpreise gedämpft wird. Simor warnte, dass er die Schwäche der Währung für die eigentliche Achillesferse des Landes hält: Sie erhöhe perspektivisch den Inflationsdruck und steigere die Anfälligkeit des einheimischen Finanzsystems.

Forint / Euro
Forint / Euro 358,57

Das Land, das bereits 2008 mit Notkrediten der EU und des IWF von rund 20 Mrd. Euro über Wasser gehalten wurde, ist erneut in Schwierigkeiten geraten. Mit der Herabstufung gelten Staatsanleihen des Landes nicht mehr als sichere Geldanlage, sondern als spekulativ. Die Regierung brandmarkte das Vorgehen der Rating-Agentur als Teil einer "Attacke" der Finanzwelt. Zugleich streckte sie überraschend die Fühler zum Internationalen Währungsfonds (IWF) aus, um an Hilfskredite zu kommen. Zuvor hatte sie an Auflagen gekoppelte Finanzhilfen stets ausgeschlossen.

Anleihen sind Ladenhüter

Ungarn hat mit einer Staatsverschuldung von 82 Prozent der Wirtschaftleistung die höchste Quote in der Region. Das Land droht zudem wegen der trüben Konjunkturperspektiven und der Verunsicherung der Anleger immer tiefer in den Schuldenstrudel zu geraten. Bei einer Anleihen-Emission am Montag musste es das Volumen wegen mangelnder Gebote um rund ein Drittel kürzen.

Die Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban hat mit ihrer unorthodoxen Politik nach Ansicht von Kritikern zur Verunsicherung der Anleger beigetragen. So erlaubte sie per Gesetz in Fremdwährungen verschuldeten Kreditnehmern, Darlehen bei Banken zu günstigen Konditionen vorfristig abzulösen. Viele verschuldete Ungarn wurden so entlastet, da die oftmals auf Schweizer Franken laufenden Kredite durch den Verfall des Forint zu einer immer schwereren finanziellen Bürde wurden. Die Banken kommt das Arrangement jedoch teuer zu stehen, da viele Kredite zu einem Verlustgeschäft wurden.

Quelle: ntv.de, nne/rts

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.