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Teuer erkaufter Dividendenglanz Warum die T-Aktie kein Schnäppchen ist

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(Foto: REUTERS)

Seit Jahren gehört die Aktie der Deutschen Telekom zu den Dividendenstars am deutschen Aktienmarkt. Kaum ein Schwergewicht im Dax lockt mit einer so üppigen jährlichen Ausschüttung an die Aktionäre, die sogar steuerfrei ist. Doch die Rendite ist keineswegs so sicher, wie es auf den ersten Blick scheint.

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Mit Schnäppchen ist das ja so eine Sache. Wer zur rechten Zeit zuschlägt, kann sich über ein gutes Geschäft freuen. Bei einem jahrelangen Dauerrabatt liegt dagegen der Verdacht nahe, dass ein Ladenhüter auf seinen Käufer wartet. Am Aktienmarkt ist das nicht anders: Kaufgelegenheiten kommen immer wieder, doch bei vermeintlich dauerhaft hohen Renditen sollten Anleger lieber zweimal hinschauen. Das gilt auch für die Aktie der Deutschen Telekom.

Die Zahl klingt verlockend: Mit über 7 Prozent Dividendenrendite lockt die T-Aktie derzeit mögliche Anleger. Verglichen mit vielen anderen Schwergewichten vom deutschen Aktienmarkt ist das sehr viel, ganz zu schweigen von den mageren Renditen von deutlich unter 2 Prozent und weniger auf Tagesgeld oder Staatsanleihen.

Dazu kommt noch ein besonderes Schmankerl des Telefonriesen: Derzeit sind die Dividendenausschüttungen der Deutschen Telekom für Aktionäre in Deutschland steuerfrei. Das liegt an den Feinheiten des Steuerrechts, das nur Ausschüttungen von Gewinnen besteuert, nicht aber die Rückzahlung von Eigenkapital - schließlich gehörte dieses Geld den Aktionären bereits.

Auch im kommenden Jahr können sich Anleger in Deutschland wohl über eine steuerfreie Ausschüttung freuen. "Nach derzeitigem Kenntnisstand wird voraussichtlich auch die Dividende für das Geschäftsjahr 2013 aus dem so genannten steuerlichen Einlagekonto ausgeschüttet und somit steuerfrei sein", sagte Nico Göricke auf Anfrage von Telebörse.de.

Doch Anleger, denen bereits die Eurozeichen in den Augen stehen, sollten sich ein mögliches Investment gut überlegen. Die rosa Rendite ist nämlich nicht in Stein gemeißelt.

Nur Bares ist Wahres

Dividendenrenditen sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen: Anders als beim Zinsversprechen einer Bank für Tagesgeld oder der Rendite einer Anleihe, die Anleger bis zum Ende halten, sichern sich Aktionäre keine feste Verzinsung des angelegten Kapitals. Je tiefer der Aktienkurs sinkt, umso höher steigt die Dividendenrendite, doch nur auf dem Papier.

Auch wenn die Dividendenzahlung so üppig ausfällt wie erhofft, dann haben Anleger anschließend noch immer die Telekom-Aktie im Depot - und die kann nach dem Kauf im Kurs sinken. Langjährige Telekom-Aktionäre können ein Lied davon singen. Von der üppigen Rendite bleibt dann unterm Strich weniger übrig als erhofft, im schlimmsten Fall drohen sogar Verluste.

Doch nicht nur die Dividendenrendite ist unsicherer als sie scheint, auch die Dividende selbst stößt bei Aktionären nicht nur auf Zustimmung. Mit 70 Cents je Aktie bedenkt die Telekom in diesem Jahr jedes Papier ihres Unternehmens. Unumstritten ist diese Ausschüttung auch bei Aktionären nicht. Der Grund: Eigentlich ist eine Dividende eine Beteiligung der Aktionäre am Gewinn, doch im Jahresabschluss für 2012 steht in der Gewinn- und Verlustrechung ein dickes Minus.

Mehr als 5 Mrd. Euro Verlust hat die Telekom 2012 erwirtschaftet. Dass das Riesendefizit auf einen einmaligen Effekt durch eine Abschreibung auf das US-Geschäft zurückgeht, ändert daran nichts. In den fünf Jahren zuvor erwirtschaftete die Telekom zwar schwarze Zahlen, doch die Dividende fiel stets höher aus als das Ergebnis je Aktie. Der Konzern hat seine Aktionäre damit teilweise auf Kosten der Substanz bedient. Da verwundert es wenig, dass der Aktienkurs auf lange Sicht vor allem die Richtung nach unten einschlägt.

Verschiedene Maßstäbe

Hinter dem Negativtrend steckt jedoch mehr. Langfristig brechen der Deutschen Telekom einst lukrative Geschäftsbereiche weg: Die Zahl der Festnetzanschlüsse sinkt stetig, im Mobilfunk werden die Pluszeichen bei der Kundenentwicklung kleiner. Statt teurer SMS nutzen Kunden lieber kostenlose Dienste wie What's App oder Skype. Bisher konnte der Konzern mit Kosteneinsparungen gegensteuern. Doch eine Wachstumsgeschichte lässt sich so nicht erzählen.

Mit einer "Agenda 2015" will der Konzern wieder mehr Begeisterung wecken, vor allem durch große Investitionen. Insbesondere die Breitband-Infrastruktur in Deutschland und den USA soll ausgebaut werden, mobil und im Festnetz. Im Gegenzug kürzt der Konzern seinen Dividendenvorschlag für das laufende und kommende Geschäftsjahr auf 50 Cents je Aktie.

Bei Analysten stößt die Telekom auf verhaltene Zustimmung. Das japanische Analysehaus Nomura bekräftigte jüngst mit Blick auf ein "solides Quartal" seine Kaufempfehlung für die Papiere. Auch die NordLB bleibt bei ihrer Kaufempfehlung. Laut Analyst Wolfgang Donie habe sich die Telekom angesichts schwieriger Rahmenbedingungen gut behaupten können. Hohe Investitionen in besonders margenstarke Mehrwertprodukte wie Breitbandnetze oder Fernsehangebote wirkten langfristig existenzsichernd, so der Branchenexperte. Lediglich Morgan Stanley senkte Ende April den Daumen über die Aktie.

Der Haken an den meisten Analystenstudien: Die Markexperten untersuchen die relative Stärke der Telekom innerhalb der gesamten Branche. Doch die Probleme der Deutschen Telekom sind keineswegs einzigartig, sondern treffen auf nahezu alle großen europäischen Telekommunikationsanbieter zu. Anleger sollten sich also nicht nur fragen, ob die T-Aktie größere Renditechancen bietet als die Papiere von Telefonica oder KPN, sondern auch, ob es überhaupt der richtige Zeitpunkt zum Kauf eines Telekom-Anbieters ist - Dividenden hin oder her.

Quelle: n-tv.de

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