Wirtschaft

Die Busch-Trommel Wettstreit der Währungskrieger

Der Devisenstreit hält Politiker rund um die Welt auf Trab. In Korea sagen die Finanzminister allen Defiziten und Überschüssen vollmundig den Kampf an. "Alles nur Spiegelfechtereien", meint Börsenkommentator Friedhelm Busch. "Mehr nicht!"

Friedhelm Busch

Friedhelm Busch

Die Welt der Währungen scheint aus den Fugen geraten. Nationales Wirtschaftswachstum kann nach herrschender Meinung offenbar nur durch eine Abwertung der eigenen Währung erreicht und gesichert werden, während dagegen eine Aufwertung den sicheren Niedergang bedeutet. Zwingend ist das durchaus nicht. Zwar erleichtert eine Abwertung den eigenen Export, aber gleichzeitig verteuert sie die Importe und beschleunigt damit inflationäre Tendenzen im Inland.

Richtig ist auch, dass durch eine Aufwertung die eigenen Produkte im Ausland teurer werden, die importierten Vorprodukte aber werden dadurch billiger. Für ein Unternehmen, das durch die Qualität seiner Produkte, durch Liefertreue und verlässlichen Service ein entsprechend hohes Ansehen im Ausland genießt, fallen die Nachteile einer Aufwertung auf lange Sicht kaum ins Gewicht. Im Gegenteil, ein Unternehmer, der sich mit dem Handicap einer starken Währung im Exportgeschäft gegen die ausländische Konkurrenz durchsetzen muss, wird in allen betriebswirtschaftlich relevanten Bereichen zu Höchstleistungen gezwungen. Die deutsche Industrie verdankt vermutlich ihre heutige Stärke nicht zuletzt der Härte der früheren D-Mark.

Aber das sind ja alles nur langfristige Überlegungen, die in der schnelllebigen Aufgeregtheit unserer Gegenwart untergehen. Schließlich will jede Regierung möglichst rasch die Folgen der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise im eigenen Land überwinden, strebt sie daher ganz offen oder auch klammheimlich die Schwächung der eigenen Währung an, stemmt sie sich gleichzeitig mit allen denkbaren Mitteln ökonomischer und medialer Art gegen eine Aufwertung, die durch spiegelbildliche Maßnahmen anderer Staaten droht - und das wohl wissend, dass ein internationaler Abwertungswettlauf und die Verhängung von Strafzöllen mit hoher Wahrscheinlichkeit den freien Welthandel und Kapitalverkehr empfindlich behindern, wenn nicht gar abschaffen würden.

Zum Wohle der Nationen

Zurück zur nationalistischen Handelspolitik der Merkantilisten im 17. Jahrhundert ist es dann nur noch ein kleiner Schritt: Vom Handelskrieg zum Währungskrieg. Wenn alle Staaten im Warenaustausch mit dem Ausland nur nach dem höchsten Gewinn für sich selbst trachten und dementsprechend in die Handelsmärkte eingreifen, zählen am Ende alle zu den Verlierern. Auf ihrem jüngsten Treffen in Südkorea haben sich die Finanzminister der G-20-Staaten und die Vertreter des IWF daher gegenseitig versprochen, künftig Übertreibungen in den eigenen Leistungsbilanzen zu beseitigen oder – noch besser – erst gar nicht entstehen zu lassen: Schluss also mit zu hohen Defiziten oder Überschüssen.

Aber was "zu hoch" ist, das haben die Teilnehmerstaaten vorsichtshalber offen gelassen. Medienwirksam haben sich die Industrienationen zudem bereit erklärt, den Schwellen- und Entwicklungsländern künftig ein höheres Mitspracherecht im IWF einzuräumen. Doch das Vetorecht der USA gegen Entscheidungen des IWF bleibt hiervon unberührt. Und dann sind alle nach Hause gefahren und machen weiter wie bisher.

Alles nur Spiegelfechtereien, mehr nicht! Die Japaner protestieren nach wie vor gegen die Verteuerung des Yen und denken vermutlich über Deviseninterventionen nach, um den Yen zu schwächen. Und trotz explodierender Staatsverschuldung hofft die US-Regierung auf eine Fortsetzung der Politik des billigen Geldes durch die Notenbank.

Großmeister der Verdrängung?

Natürlich ist auch das eine indirekte Form der Abwertung. Die Schuldigen aber sind aus der Sicht der USA schnell ausgemacht: Es sind die Chinesen, die ihre Währung bewusst schwächen, um die USA mit billigen Exporten zu überschütten und die Deutschen, die die Krise durch den Export hochwertiger und preisgünstiger Produkte auf Kosten anderer überwunden haben.

Wenn jetzt China seine Währung deutlicher als bisher aufwertet, wenn die Deutschen ihre sture Sparsamkeit endlich aufgeben und sich wie die Amerikaner in Schulden stürzen, um den Binnenkonsum aufzuheizen, wenn zudem die EZB dem Vorbild der Fed folgt und weiterhin mit Notenbankgeld um sich wirft, statt allmählich mit dem Einsammeln zu beginnen, nur dann kann nach Meinung des US-Finanzministers die Welt vor einem Währungs- und Handelskrieg bewahrt werden.

Dass Defizite im Außenhandel auch etwas über die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft und die Qualität ihrer Produkte aussagen und nicht nur den Wechselkursen geschuldet sind, verdrängen die USA.

Quelle: n-tv.de

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