Wirtschaft
Trump hält weiterhin an seinen Strafzoll-Plänen für Stahl und Aluminium fest. Jetzt hat er auch die Autobauer im Visier.
Trump hält weiterhin an seinen Strafzoll-Plänen für Stahl und Aluminium fest. Jetzt hat er auch die Autobauer im Visier.(Foto: imago/Christian Ohde)
Mittwoch, 07. März 2018

Auswirkungen auf Daimler und Co.: Wie gefährlich sind Trumps Zölle?

Von Juliane Kipper

US-Präsident Trump droht den deutschen Autobauern BMW, Daimler und VW. Doch die Strafzölle des US-Präsidenten könnten illegal sein - und weit weniger Einfluss haben als von ihm gewünscht.

Nachdem Donald Trump angekündigt hatte, Strafzölle auf Stahl und Aluminium zu verhängen, droht der US-Präsident nun einem der wichtigsten deutschen Industriezweige - den Autoherstellern. Doch wie schwer würden solche Maßnahmen Volkswagen, Daimler und BMW wirklich treffen? "Der Tweet von Trump wirkt sehr emotional, wenig durchdacht. Aber weil Trump mit Drohungen Politik macht, ist sie nicht ungefährlich", bewertet Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer die angekündigten Strafzölle auf Importe europäischer Autos.

Sollte Trump seine Drohung von Zöllen in Höhe von 25 Prozent tatsächlich umsetzen, wären nach Berechnungen von Dudenhöffer in Deutschland vor allem die VW-Töchter Audi und Porsche betroffen. Denn anders als die VW-Kernmarke, BMW oder Daimler verfügen diese über keine eigenen Werke in den USA. Bei Volkswagen würden die Strafzölle zu Gewinneinbußen in Höhe von fünf Prozent führen, sagt Dudenhöffer, der das CAR-Institut an der Universität Duisburg Essen leitet.

Datenschutz

Im Fall von Daimler und BMW rechnet er mit einem Rückgang von weniger als zehn Prozent. Unabhängig davon könne man davon ausgehen, dass sich das Verhältnis zu den USA erheblich verschlechtern würde. "Bündnispartner, die sich nur drohen und bestrafen sind auf dem Weg zum Scheidungsrichter", sagt Dudenhöffer.

Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) haben deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr insgesamt 494.000 Autos in die USA exportiert - mehr als ein Viertel weniger als noch 2013. VDA-Präsident Bernhard Mattes weist darauf hin, dass die deutschen Autobauer ihre Produktion in den USA bereits seit Jahren ausbauten, dort deutlich mehr Menschen einstellten und die Ausfuhr in die Vereinigten Staaten deshalb sinke. "Ein Handelskrieg zwischen den USA und Europa muss auf jeden Fall vermieden werden. In einem solchen Handelskrieg gibt es nur Verlierer, auf allen Seiten", sagt Mattes.

US-Autos sind in Europa wenig gefragt

Autoexperte Stefan Bratzel vom Autoinstitut der Wirtschaftshochschule Bergisch Gladbach nennt Strafzölle eine "Katastrophe" für die deutsche Branche. Gerade im Premiumsegment seien die Autobauer "enorm" abhängig von Ausfuhren, auch in die USA. Bratzel weist Trumps Vorwurf, US-Autobauer würden in Europa benachteiligt, als "völligen Blödsinn" zurück. US-Autos mit zumeist großem Verbrauch seien in Europa einfach nicht gefragt, es handele sich also eher um ein Designproblem. "Die US-Hersteller haben zum Beispiel keine Premiumprodukte", sagt Bratzel.

Auch ein Branchenvertreter, der namentlich nicht genannt werden will, betont: "Das ist keine Frage der Zölle, sondern der Modelle." Er verweist darauf, dass etwa Pick-ups und SUV in Amerika mit 25 Prozent höher besteuert würden als in der EU mit 22 Prozent. Fast alle deutschen Konzerne bauen ihre Fahrzeuge für den US-Markt bereits in den Vereinigten Staaten. So stellt BMW etwa die X-Reihe dort her - und verschifft Fahrzeuge dann nach Europa.

BMW baut jährlich hunderttausend Autos in der Fabrik in South Carolina. Mit 371.000 Autos produziert der Autobauer damit in den USA 16.000 Fahrzeuge mehr als dort verkauft worden sind. Mercedes Benz baut ungefähr gleich so viele Autos in den USA, wie der Konzern dort verkauft. Beide Autobauer haben Milliarden in die USA investiert und exportieren ihre Modelle auch in andere Märkte. US-Konzerne wie Ford handhaben es ähnlich und produzieren ihre Autos für den europäischen Markt auch in der EU.

Seine Strafzölle auf Stahl und Aluminium rechtfertigt Trump damit, in dem er die Rohstoffe zur Frage der nationalen Sicherheit erklärt. Doch Experten sind sich sicher: Dieser Erklärungsansatz ist für die Autobranche nicht haltbar. "Es gibt keine legale Rechtfertigung dafür", sagt Sherman Robinson vom Peterson Institute for International Economics gegenüber "CNN-Money" und fügt hinzu: "Neue Zölle würden sicherlich sofort von der Welthandelsorganisation (WTO) in Frage gestellt werden."

Quelle: n-tv.de