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90/10-Regel Solarworld-Gewinne sichern

Nach den massiven Kursgewinnen der Solarworld-Aktie kann es nicht falsch sein, die bereits erzielten Buchgewinne abzusichern. Kursgewinne zu sichern, indem man seine Aktien verkauft, tut niemandem weh. Allerdings ist es ärgerlich, wenn die Aktien danach weiter steigen. Das ist aber allemal besser als Kursverluste zu beklagen. Dennoch stellt sich das Problem des optimalen Ausstiegszeitpunktes. Wer seine Gewinne sichern will, aber dennoch von weiter steigenden Kursen profitieren möchte, kann eine entsprechende Sicherheitsstrategie fahren, die man im Fachjargon als 90/10-Regel oder "Cash Extraction" bezeichnet.

Bei der 90/10-Regel oder "Cash-Extraction" wird das Kapital zu 90% in eine sichere Anlage und zu 10% in Calls auf Solarworld investiert. Angenommen, die Aktien haben einen Kurswert von 10.000 Euro. Zur Sicherung des Kursge-winns werden die Aktien verkauft. 9.000 Euro werden in festverzinsliche Wertpapiere mit einem Zinssatz von 2% investiert und 1.000 Euro in Calls auf Solarworld, wie beispielsweise dem HSBC-Call, Strike 240 Euro, Laufzeit bis 8.9.06, ISIN: DE000TB0B906 und Hebel 3,7.

Beim Aktienkurs von 211 Euro kostet der Call 0,25 Euro, das heißt für 1.000 Euro werden 1000/0,25= 4.000 Calls erworben.

Angenommen, Solarworld steigt in den nächsten 3 Monaten um weitere 30%, dann würde der Call einen theoretischen Wert von 0,60 Euro haben. Bei 4.000 Calls ergibt sich somit ein Kurswert von 2.400 Euro. Die festverzinsliche Anlage hätte 45 Euro Zinsen abgeworfen. Insgesamt ergibt sich eine Gesamtposition von 2.400+9.000+45=11.445 Euro. Die 90/10 Regel hätte also eine Rendite von 14,45% ergeben. Hätte man die Aktien allerdings nicht verkauft, wäre der Kursgewinn mit 30% deutlich höher ausgefallen.

Der Vorteil der Cash-Extraction zeigt sich allerdings, wenn Solarworld nicht weiter steigt, sondern fällt. Geht man davon aus, dass die Aktie in den nächsten 3 Monaten um 30% einbricht, dann würde der Call bei gerade mal 0,04 Euro stehen, also fast wertlos sein. Der Wert der Gesamtposition würde somit nach 3 Monaten bei 4.000x0,04+9.000+45=9.205 Euro liegen. Somit ergibt sich nur ein Verlust von 8% gegenüber einem schmerzhaften Kursverlust von 30%, wenn man an den Aktien weiter festgehalten hätte.

Alternativ kann man auch den Anteil der festverzinslichen Wertpapiere reduzieren, in dem man beispielsweise die 80/20-Regel anwendet. Hierdurch partizipiert man mehr an einem Kursanstieg, ist aber auch weniger gegen Kursrückgänge abgesichert. Wendet man das Szenario auf diese Strategie an, ergäbe sich nach 3 Monaten eine Rendite der Gesamtposition von 28,4% (bei einem Kursanstieg von Solarworld von 30%) und eine negative Rendite von 16,4% bei einem Kurseinbruch von 30%.

Wie groß man also den Anteil der festverzinslichen Wertpapiere wählt, hängt ganz von der individuellen Risikobereitschaft ab. Als Fazit gilt, dass diese Strategie allemal vernünftiger ist als zu 100% in Solarworld oder gar zu 100% in einem Solarworld-Call investiert



Walter Kozubek, anlagezertifikate.de

Quelle: ntv.de

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