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Wochentrend Steigende Nervosität

Von Andreas Otto, Technischer Analyst von Wagner Wertpapierhandelshaus GmbH

Der Wochenausklang verlief für die großen Aktienindizes uneinheitlich. Die europäischen und asiatischen Aktienmärkte blieben aufgrund des früheren Handelsschlusses von den Auswirkungen fallender US-Märkte zunächst verschont. Die Verluste an der Wallstreet geben keine gute Vorgabe ab und könnten Europas Märkte zum Wochenstart belasten. Sowohl die US-Standard- als auch die Technologiewerte schlossen deutlich im Minus. Die Verluste reichten von einem Prozent für den NASDAQ 100 bis zu 1,37 Prozent für den Dow Jones Industrial Average.

Sowohl beim Dow als auch beim S&P 500 fällt auf, dass der letzte Aufwärtsschub nicht in der Lage war, das Anfang Juni markierte Hoch zu überschreiten. Beide Indizes laufen nun Gefahr, eine bearishe Doppelspitze auszuformen, die zweifellos das Ende für den seit März bestehenden, sekundären Aufwärtstrend bedeuten würde. Bis dahin, d.h. so lange sich der Dow über der 13250 und der S&P über der 1487 hält, bleiben die beiden Indizes strategisch neutral, kurzfristig jedoch bereits bearish.

Etwas freundlicher sieht das Bild noch für die Technologiewerte aus. Der NASDAQ 100 hat zwar nicht mehr die hohe Schwungkraft wie noch im April, schob sich aber auch in den letzten Wochen weiter nach oben. Die Technologiewerte befinden sich auch weiterhin in intakten sekundären Aufwärtstrends.



Die Verluste an den US-Märkten werden, durchaus nicht unberechtigt, dem Beinahezusammenbruch der beiden von Bear Stearns Asset Management (BSAM) gemanagten Hedge Funds zugeschrieben. Der High-Grade Structured Credit Strategies Fund (Leverage 10:1) und der High-Grade Structured Credit Enhanced Leveraged Fund (Leverage 15:1) stolperten über die forcierte Neubewertung ihrer Subprime-CDOs nachdem einige Gläubigerbanken (Merrill, Lehman) auf der Liquidation der Sicherheitseinlagen bestanden. Wie Subprime-Hypotheken, die in der Hypothekenbranche das Äquivalent zu Junk-Bonds sind, am Ende zu „High Grades“ wurden, lässt sich im Rezeptbuch der Finanzalchemie nachschlagen. Auch wenn die BSAM sich durch die $3.2 Mrd.-Spritze durch Bear Stearns sich jetzt etwas Zeit für die „kontrollierte“ Positionsauflösung erkauft hat, die zukünftigen Auswirkungen einer Neubewertung des Risikos von CDOs, die die gesamte Finanzbranche (Banken, Versicherungen, Pensionsfonds) betrifft, bleiben weitestgehend ungeklärt.

DAX

Widerstände: 8131 (ü);

Unterstützungen: 7595 (ü), 7499 (O), 7304 (u);

O=Orientierungsmarke, u = untergeordnet, ü = übergeordnet;

Im Vergleich zu anderen, auch europäischen Indizes hielt sich der DAX am Freitag recht wacker. Der Index verweilte am Freitag Morgen sogar ausgiebig im Plus bevor er dann in der zweiten Handelshälfte doch noch ins Minus abrutschte. Ernüchterung trat zu späterer Stunde ein. Als die amerikanischen Märkte mehr und mehr unter Verkaufsdruck gerieten, gab auch der deutsche Index deutlich nach, allerdings nur über den Future. Zu Handelsschluss lag der FDAX 121.5 Punkte oder 1.5% im Minus und hatte ein neues Verlaufstief im tertiären Abwärtsbein markiert.



Die Vorgaben für heute sprechen also alle samt für eine schwache Eröffnung des DAX Index. Auch der Tageschart des DAX spricht für eine Fortsetzung der Ende letzter Woche begonnenen Korrektur. Auf Unterstützung trifft das tertiäre Abwärtsbein nämlich erst bei 7595. Der sekundäre Aufwärtstrend im DAX ist trotz nachlassenden Momentums noch intakt, sodass wir vorerst von einer Trendumkehr nach oben noch oberhalb dieser Marke ausgehen.



Sollte diese nicht gelingen, so wäre eine Doppelspitze als bearishe Top-Formation vollendet und der außerordentlich lange sekundäre Aufwärtstrend beendet. Außer leichten Divergenzen von Seiten der Indikatoren und ansteigender Volatilität, die zumindest ein Zeichen zunehmender Nervosität gelten, fehlen jedoch noch konkrete Anhaltspunkte für ein mögliches Ende des Aufwärtstrends.

Auch langfristig ist der Trend noch voll intakt, doch im Wochenchart wird offensichtlich, wie überkauft der DAX noch im mittel- und langfristigen Zeitfenster ist. Der Kursverlauf ist parabolisch. Eine etwa größere Korrektur wäre eigentlich nur gesund. Der kurzfristige Fokus liegt im Moment also auf möglichen Short-Positionen, die den tertiären Rücksetzer ausnutzen. Im strategischen Handel gilt es lang- und mittelfristige Long-Positionen gegen eine sekundäre Trendumkehr nach unten abzusichern.

Die auf dieser Seite enthaltenen Angaben stellen keine Anlageberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Wagner Wertpapierhandelshaus GmbH entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der auf dieser Seite enthaltenen Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen.

Quelle: ntv.de

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