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Arabien Antizyklisch investieren?

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(Foto: AP)

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Die Steinzeit ging nicht zu Ende, weil es keine Steine mehr gab, sagte der saudischer Ölminister. Mit dem Ölzeitalter könnte es genauso gehen.

Ist Dubai der erste Dominostein? Gerade kündigte das Emirat Dubai an, für 123,0 Milliarden US-Dollar Schulden der Staatsholding Dubai World nicht aufzukommen. Doch das kleine Emirat ist für sich kein politischer Akteur. Das sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit Sitz in Abu Dhabi. Dort residiert auch der mit  875 Milliarden US-Dollar größte Staatsfonds der Welt, die Abu Dhabi Investment Authority. Um Geld geht es im Fall Dubais nicht, sondern um die kühle Analyse eines Experiments: In Dubai testen die Araber ihre Diversifizierungsstrategien. Die erfolgreichen (Hochtechnologie) werden übernommen, die erfolglosen (Palmeninsel-Tourismus) werden eingestellt.

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Auch an arabischen Börsen sind Tagesverluste von 7,3 Prozent in Dubai und 8,3 Prozent in Abu Dhabi wie Anfang Dezember 2009 kein Pappenstiel. Ein Übergreifen auf den gesamten Nahen Osten – und damit auf die dort engagierten Fonds – ist trotzdem unwahrscheinlich. Mit 62,7 Milliarden US-Dollar sind die Devisenreserven der VAE mehr als doppelt so hoch wie die von Saudi-Arabien. Die Börsen in den Emiraten sind erst im Aufbau. Bei ernsten Gefährdungen wird das mächtige, 1981 gegründete Gulf Cooperation Council (GCC) eingreifen. Im  Wirtschaftsvertrag vom 31. Dezember 2001 werden die Verbindlichkeiten klar formuliert: „Um die angestrebte Handels- und Währungsunion zu erreichen, wird ein hohes Maß an Harmonisierung angestrebt. Diese betrifft die Fiskal- und Geldpolitik, die Bankenaufsicht, die Geldstabilität und eine Politik der Schuldenfreiheit.“
 

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Denn die Araber tun alles, um ihr Risiko zu streuen. Ölpreise von 145 US-Dollar pro Barrel am 3. Juli 2008 und um 80 US-Dollar aktuell haben den Golfstaaten gute Rahmenbedingungen dafür geschaffen. Sogar bei einem Ölpreis von nur 50 US-Dollar pro Barrel bis 2020 würden die Golfstaaten Ölexporterlöse von 4,7 Billionen US-Dollar erwirtschaften. Das ist das 2,5-Fache der Gewinne der letzten 14 Jahre. Die GCC-Staaten Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien, Katar, Vereinigte Arabische Emirate und Oman halten rund die Hälfte der bekannten Ölreserven.

 

Doch das  Streuungsprojekt zeigt Erfolge: Der Anteil der Petrochemie an den Gewinnen der GCC-Staaten beträgt im Durchschnitt nur noch 22,0 Prozent, der Anteil der Bankenwesens dagegen 44,0 Prozent und der Telekommunikation 20,0 Prozent. Der Rest entfällt auf Zementwerke (3,0 Prozent) sowie Investment-, Infrastruktur- und Immobilienunternehmen (jeweils 2,0 Prozent). Doch nicht alles ist Gold, was glänzt. Der schwache US-Dollar, in dem die Barrels noch bezahlt werden, treibt die Inflation in die Höhe. 2009 liegt sie im GCC-Durchschnitt bei 8,0 Prozent, mit einem Spitzenwert von 11,5 Prozent in Katar. Die Arbeitslosenquote liegt in Saudi-Arabien bei 14,0 Prozent, in Bahrein sogar bei 17,0 Prozent. Zwei Gründe sprechen dafür, dass die Golfstaaten diese Probleme lösen werden. Die Staatsfonds (Sovereign Wealth Funds), die aktuell ein Volumen von rund 1,5 Billionen US-Dollar halten, sind von Regionalfürsten zu professionell geführten Global Players herangereift. Und die arabischen Banken würden mit ihrem Eigenkapital die Kriterien von  Basel II (mindestens 8,0 Prozent) locker erfüllen.

Entwicklungsbedürftig ist der Aktienmarkt. Die Marktkapitalisierung der GCC-Märkte stieg von 58,7 Milliarden US-Dollar 1999 auf 819,9  Milliarden 2007 und fiel wieder auf 507,4 Milliarden 2009. Ein unterentwickelter Markt mit einem KGV 2010 von 9,8x. Antizyklisch überlegenswert.

 

Quelle: n-tv.de