Zertifikate

Microsoft / Yahoo Suchmaschinenbündnis

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(Foto: dpa)

Da müsse Microsoft-Chef Steve Ballmer schon „Schiffsladungen voller Geld mitbringen” höhnte vergangenes Jahr noch Carol Bartz bei Ablehnung der 47,5 Milliarde Offerte für die Übernahme von Yahoo. Nun kommt sie wohl, die erhoffte Schiffsladung, frohlockte nun die Nachfolgerin des Firmengründers Jerry Yang bei Verkündung der neuen Suchmaschinen-Kooperation mit Microsoft nach mehr als  eineinhalb Jahren Verhandlung in Anspielung auf ihre damalige Äußerung: In den ersten fünf Jahren erhält Yahoo 88 % der erzielten Werbeeinnahmen aus der Suchmaschinenwerbung.

Erwartet werden 500 Mio. USD an operativem Gewinn zusätzlich und eine Ersparnis von 200 bis 275 Mio. USD, die sonst für die Weiterentwicklung der eigenen Suchmaschine nötig gewesen wären. Und anders als bei der damals abgelehnten Übernahme bleibt Yahoo in anderen Bereichen eigenständig – zumindest vorerst. Die Kooperation betrifft nur den Suchmaschinendienst und die Onlinewerbung.

Yahoo wird dafür den eigenen Suchmaschinendienst einstellen und künftig auf die Microsofttechnologie der neuen Suchmaschine Bing setzen. Auch die erforderliche Anzeigen-Displaymaschine kommt von Microsoft. Yahoo, in der Vergangenheit mit der Vermarktung seiner Suchmaschine weit erfolgreicher, wird im Gegenzug das Marketing übernehmen. Die Zusammenarbeit war dringend notwendig, denn laut Branchenanalyse von ComScore erreicht der Erzrivale Google weltweit einen Marktanteil von 65 %, Yahoo hält 20 % und die erst im Mai 2009 gestartete Microsoft-Suchmaschine schaffte es Dank Werbung in dreistelliger Millionenhöhe auf 8,4 %.

Die Kooperation ist auf zunächst zehn Jahre angelegt. Die amerikanischen Wettbewerbshüter müssen jedoch noch zustimmen. Damit wird frühestens Anfang 2010 gerechnet. Zwei Jahre nach diesem Zeitpunkt soll es dann geschafft sein. Da beide Unternehmen weiterhin getrennt bleiben, werden von Experten Integrationsprobleme befürchtet. „Es ist sehr sorgfältig festzulegen, welche Daten gemeinsam genutzt werden dürfen (und wie) und die Programmschnittstellen (APISs) müssen sauber definiert werden”, so Microsoft-Vorstandschef Ballmer.

Anleger sahen nach der Verkündung des Deals in der neuen Kooperation nur einen Gewinner: Microsoft. Denn Yahoo gibt damit seine Eigenständigkeit im Suchmaschinenbereich auf. Viele befürchten für Yahoo ein ähnliches Schicksal wie einst bei AOL. Yahoo-Aktien büßten satte 12,1 % ein, Microsoft legte 1,6 % zu.

Unbeeindruckt von der Kooperation dagegen ist Google, deren Kurs um 0,5 % stieg. Robert Halver, Leiter der Wertpapieranalyse der Baader Bank, mahnt eher zur Vorsicht: „Die einfachen Gewinne scheinen zum Beispiel bei Microsoft mit knapp 60 % seit seinem Tiefststand gemacht zu sein. Jetzt wird der Weg holpriger. Bei Kooperationen liegt der Teufel bekanntlich meistens im Detail. Gerade in einer Branche, wo Überzeugungstäter die Regel sind”.

Zertifikateanleger sollten daher bei Microsoft, Yahoo und Google eher auf Kurzläufer, z.B. Discounts, zurückgreifen, am besten mit einem Puffer von mindestens 20 bis 30 %.

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Quelle: n-tv.de