Kolumnen

Inside Wall Street Angst um Lincoln und Jefferson

Alle Jahre wieder: In den Vereinigten Staaten wird über die Ein-Cent-Münze diskutiert. Rein rechnerisch macht die Produktion des "Penny" schon lange keinen Sinn mehr. Die US-Regierung denkt über eine Anpassung der Preise nach.

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Ein "Penny" mit dem Bildnis von Abraham Lincoln.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Es ist wieder einmal so weit, und Abraham Lincoln dürfte eine Sorgenfalte mehr im Gesicht haben. Dabei schaut er o hnehin so grimmig auf der amerikanischen Ein-Cent-Münze, dem "Penny". Den soll es bald nicht mehr geben.

Alle Jahre wieder kommt in Washington die Debatte um die kleine Münze auf, deren weitere Produktion rein rechnerisch schon lange keinen Sinn mehr macht. Schauen wir doch einfach auf die Zahlen: Ein Penny ist… ja, eben einen Penny wert. In der Herstellung kostete er zuletzt aber 1,8 Pennies. Ohne die jüngsten Preiseinbrüche bei Metall wäre das Ding noch teurer. (Kein bisschen besser ist übrigens die Bilanz für den "Nickel", die amerikanische 5-Cent-Münze. Die kostet in der Herstellung 9,4 Cent.)

Man fragt sich immer wieder: Muss im Land der unbegrenzten Konsum-Möglichkeiten künftig noch mit den kleinen Münzen bezahlt werden? Etwa die Hälfte des Zahlungsverkehrs läuft ja auch beim sprichwörtlichen kleinen Mann längst in irgendeiner Form elektronisch ab. Über Bank- und Kreditkarten, in Einzelfällen auch per Online-Banking. Kaum auszudenken, wie die Welt einmal aussehen wird, wenn Bitcoin den jüngsten Skandal übersteht und Verbraucher der Onlinewährung einmal vertrauen sollte...

Doch soweit muss es gar nicht kommen. Im Weißen Haus und auch im Finanzministerium denkt man seit Jahren darüber nach, die Kleinstmünzen einfach abzuschaffen und Preise entsprechend anzupassen. Der Pudding würde dann eben nicht mehr 1,99 Dollar kosten sondern glatte 2 Dollar - wäre das wirklich ein großer Schaden für den Verbraucher? Nein, sagen Experten, denn viele Preise würden auch abgerundet werden. Ein Blick nach Norden dürfte die Amerikaner auch beruhigen: Kanada hat den Penny vor einem Jahr abgeschafft - ohne Probleme. In Australien diskutiert man zurzeit über die Abschaffung der Fünf-Cent-Münze. Die ist von einem putzigen Ameisen-Igel geschmückt, kostet aber ebenfalls deutlich mehr als der Nennwert – das Todesurteil für die Münze.

Keine Gefahr für Münzsammler

In Amerika sei es Zeit für eine Reform, fordert Präsident Obama in seinem Haushaltsentwurf. Man müsse den Zahlungsverkehr dem 21. Jahrhundert anpassen, und dürfe nicht grundlos an jahrzehntealten Relikten festhalten, die heute zu teuer sind. Münzsammler müssen sich indes noch lange keine Sorgen machen, denn das Aus für Penny und Nickel wird immer wieder mal besprochen, und es scheint zurzeit kein wenig näher zu sein als in früheren Jahren.

Und wenn die Münz-Revolution doch einmal kommt, dann trifft das vor allem zwei, die sich längst nicht mehr wehren können: Abraham Lincoln, der samt seinem Memorial den Penny ziert, und Thomas Jefferson, der gemeinsam mit seinem Landsitz Monticello vom Fünfer grüßt. Ein kleiner Trost: Die beiden gehören zu Amerikas liebsten Präsidenten und werden allerorten verehrt. Nicht zuletzt blicken sie ja 18 Meter groß von Mount Rushmore - übrigens gemeinsam mit George Washington und Theodore Roosevelt, die ihrerseits den "Dime" (10 Cent) und den "Quarter" (25 Cent) schmücken. Beide wären künftig die kleinste Nominierung der amerikanischen Währung.

Quelle: ntv.de