Kolumnen

Inside Wall Street Inflation an der Brottheke

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Die Inflation ist an der Bäckerei-Theke spürbar.

REUTERS

Die Inflation treibt in den USA nicht nur auf dem Börsenparkett ihr Unwesen, sie rückt auch den Verbrauchern auf die Pelle. Und man kann den Preisanstiegen kaum entkommen, meint Lars Halter.

Das Inflationsgespenst geistert regelmäßig durch langen Gänge der Federal Reserve in Washington, und auch an der Wall Street sieht man es hin und wieder – oder spürt zumindest seinen kalten Hauch im Nacken. Doch nicht nur Finanzexperten zittern. Vor allem der gemeine Konsument hat in Zeiten stagnierender Löhne Probleme, die steigenden Kosten abzufangen.

Besonders oft wurde das Phänomen der Verbraucherinflation zuletzt im Lebensmittelbereich beschrieben, unter anderem im "Insider" hier und hier. In vielerlei Hinsicht sind Preisanstiege im Supermarkt die schlimmsten: Oft werden sie beim Shoppen nicht wahrgenommen, und wer sie bemerkt, kann ihnen nicht entweichen. Untere Einkommensschichten, bei denen ein größerer Teil des verfügbaren Geldes für Lebensmittel verwendet wird, sind zudem ungleich stärker von der Teuerung betroffen.

Für alle Inflations-Besorgten gibt es jetzt eine gute Nachricht: Die dramatischen Preisanstiege im Lebensmittelsektor – im Jahresvergleich hat Zucker um 18 Prozent zugelegt, Sojabohnen um 48 Prozent, Weizen und Kaffee um rund 65 Prozent und Mais um 85 Prozent – kommen nur deutlich abgeschwächt beim Kunden an.

Aktuelle Preisstudien haben ergeben, dass sich die Preisanstiege bei Rohstoffen nur in geringen Anteilen bis zum Endverbraucher durchschlagen. Beispiel Weizen: Wenn sich das Getreide im Preis verdoppelt, klettert dadurch der Preis für Mehl um 30 Prozent, der Brotpreis steigt "nur" um 10 Prozent. Dazu gibt es aktuelle Zahlen: Ein Büschel Weizen ist seit vergangenem Sommer von 5 Dollar auf 7,70 Dollar gestiegen – eine Teuerung von 50 Prozent. In direkter Folge stieg der Preis für eine 25-Pfund-Packung Mehl von 7 Dollar auf 8,10 Dollar – eine Teuerung von 15 Prozent. Der Brotpreis stieg im US-Durchschnitt – und mit einer zeitlichen Verzögerung von rund drei Monaten – von 2 Dollar auf 2,10 Dollar pro Laib und damit um fünf Prozent.

Die Erklärung für dieses Phänomen ist einfach: In einem Laib Brot stecken zwar rund zwei Tassen Mehl, aber noch vieles mehr. Die Kosten für den Verbraucher spiegeln einen Durchschnitt aus vielen Einzelwerten wider. Auch hierzu gibt es aktuelle Statistiken, die der US-Wirtschaftssender CNBC jetzt präsentierte:

So verteilt sich jeder Dollar in einem Laib Brot wie folgt: Nur etwa 19 Cent werden für Rohstoffe (Mehl, Eier, Milch, Hefe, Wasser) aufgewendet, dazu kommen 39 Cent für Löhne und Gehälter – der größte Posten. Etwa 8 Cent gehen für Energiekosten drauf, weitere 12 Cent für Verpackung und Werbung. Dazu kommen 19 Cent an Steuern – damit bleibt dem Bäcker eine Gewinnmarge von 3 Cent. Dieser minimale Betrag erklärt wiederum warum steigende Rohstoffkosten überhaupt an den Verbraucher weitergegeben werden müssen. Der Bäcker kann sie sich angesichts der geringen Profitspanne nämlich nicht leisten.

Bei anderen Produkten im Lebensmittelregal sieht die Verteilung ähnlich aus, egal ob es sich um Bier (ebenfalls Weizen-abhängig) handelt, oder um Joghurt, Speck, Sojasauce oder Schokolade.

Das täuscht indes nicht darüber hinweg, dass die Lebensmittel-Inflation in den USA zur Zeit dennoch bei mindestens drei Prozent liegt und in einigen Fällen sogar über fünf Prozent. Und während die Wall Street an dem Trend durchaus verdienen kann – Anleger können mit Exchange Traded Fonds recht einfach auf Rohstoffe setzen – gerät der Kunde immer mehr unter Druck.

Quelle: n-tv.de

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