Kolumnen

Inside Wall Street Münzstreit um George und Abe

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Sammlerstücke: Diese Dollar-Münzen von 2007 sollten George Washington ehren - im Umlauf waren sie nur wenig.

(Foto: REUTERS)

Washington schaut seinen Bürgern ins Portemonnaie, genau gesagt auf den "Penny". Politiker wollen wegen der hohen Rohstoffpreise das Kleingeld abschaffen. Dagegen gewinnt die Idee einer Dollar-Münze immer mehr Anhänger. Allein ist der US-Amerikaner an sich eher münzfaul.

Es geht um Geld, und dem Geld geht's an den Kragen. In regelmäßigen Abständen beschäftigt sich Washington nicht mit den großen monetären Themen, etwa dem Haushaltsdefizit und der Staatsverschuldung, sondern mit pekuniärem Kleinkram, etwa der Frage, wie im Land der unbegrenzten Konsum-Möglichkeiten künftig gezahlt werden soll: mit oder ohne "Penny", mit einem Dollar-Schein oder einer Dollar-Münze.

Zuletzt stand vor allem der Penny auf der Abschussliste. Hohe Rohstoffpreise haben die Kosten für die kleine Münze längst über deren Nennwert getrieben und Politiker fordern, den Kleinkram künftig abzustellen und auf gerade Beträge zu runden. Trotz aller Diskussionen ist man in der Sache nie weit gekommen, obwohl das Ende der Kupfermünze durchaus Sinn ergeben und dem Andenken Abraham Lincolns wohl kein allzu großer Schaden entstehen würde - dessen Konterfei findet sich zwar auf dem Penny, doch wesentlich spektakulärer auch auf Mount Rushmore und unzähligen Denkmälern in den ganzen Vereinigten Staaten.

Nur eine Indianer-Münze

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Die amerikanischen Banknoten gelten als besonders langlebig.

(Foto: dpa)

In der aktuellen Debatte lässt man "honest Abe" nun einmal in Frieden ruhen, dafür geht es George Washington an den Kragen. Dessen Bildnis ziert den klassischen "Greenback", die Dollar-Note. Auch die sei nicht mehr zeitgemäß, finden Politiker beider Parteien. Ein Blick ins Ausland gibt ihnen recht: In Kanada und der Euro-Zone wird bis zwei $ oder € mit Münze bezahlt, in der Schweiz ist selbst der Fünfer noch eine Münze. "Unsere größte Münze ist ein 25-Cent-Stück", schimpft der demokratische Senator Tom Harkin aus Iowa, der den Mangel an schweren Münzen als eine Beleidigung der USA sieht. Er hat nicht ganz recht. Immerhin gibt es in den USA eine Dollar-Münze mit dem Bildnis der Sacagawea: Die hübsche Indianerin aus dem Stamm der Shoshonen half einst Lewis und Clark bei ihrer Expedition in den Wilden Westen. Doch der "Sacagawea-Dollar" ist eher Sammlerstück als Zahlungsmittel und wird in US-amerikanischen Kassen und Geldbeuteln nur selten gesichtet.

Genau das will Harkin ändern: die Dollar-Münze soll den Schein ersetzen. Unterstützt wird der Senator von seinem republikanischen Kollegen John McCain aus Arizona. Gemeinsam haben die Senatoren einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Zahlungsmittel umstellen soll - beide haben daran, wie könnte es anders sein?, ein sehr persönliches Interesse: In Arizona liegt die größte US-amerikanische Kupfermine, die den Rohstoff für den neuen Dollar liefern soll, und in Iowa arbeitet PMX Industries, der Hersteller von Metallplatten für die Münzprägung.

Ähnlich sieht es natürlich auf der Gegenseite aus: Die Aktionsgruppe "Americans for George", die sich nicht grundsätzlich um das Andenken des ersten US-amerikanischen Präsidenten kümmert, sondern ausschließlich um dessen weitere Präsenz auf der Dollar-Note, wird größtenteils von Crane & Co finanziert, dem Papierriesen, der seit Jahren das Spezialpapier für den Druck des Greenbacks herstellt. "Amerikanische Scheine sind die haltbarsten auf der ganzen Welt", macht sich Vize-Chef Douglas Crane für sein Produkt stark.

Crane und seine Mitstreiter haben die Statistik auf ihrer Seite: In anderen Ländern sei es sinnvoll, mehr auf Münzen zu setzen, argumentieren sie, da die Laufzeit eines durchschnittlichen Scheins nur drei bis sechs Monate betrage. US-Amerikanische Scheine halten tatsächlich länger.

Unbequemes Münzgeld

Im Münz-Lager beruft man sich indes auf den Bericht des Government Accountability Office (GAO), dem obersten Wirtschaftsprüfer der USA. GAO sagt, dass die Regierung an der Umstellung auf Münzen bis zu 4,4 Milliarden Dollar verdienen könnte. Wie? Ganz einfach: Die Regierung verdient an der Geldmenge, die im Umlauf ist. Die meisten Leute geben Münzen nicht gerne aus, vor allem nicht in den USA, wo Geldbeutel nicht einmal Münztaschen haben, sondern bewahren sie zu Hause in einem Glas oder Sparschwein auf. Experten schätzen, dass eine von drei Münzen im Schnitt untätig herumliegen würde - dadurch müsste die Geldmenge angehoben werden, und der münzfaule US-Amerikaner zahle gewissermaßen eine freiwillige Steuer.

Das stimmt zwar, doch ist höchst umstritten, ob sich die Regierung ihr Geld auf eine solche Weise beschaffen sollte. In einer Finanzkrise scheint jedes Mittel recht, die Not zu lindern - und doch: in den USA ändern sich alte Traditionen nur langsam. So wie der Lincoln-Penny seit Jahren der drohenden Abschaffung trotzt, so wird sich wohl auch der Washington-Dollar noch eine Zeit lang halten.

Quelle: ntv.de