Marktberichte

Konjunktur statt Krim Asien-Börsen zeigen die kalte Schulter

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Erst runter, dann wieder rauf - die Krim-Krise lässt die japanischen Anleger erst einmal kalt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Wochenstart geht zum Teil in die Hose, aber bereits am Dienstag ist die Zuversicht der Anleger in Fernost zurück. Sie ziehen die Konjunkturkarte und setzen auf unterstützende Äußerungen von Fed-Chefin Yellen. Vor allem in Tokio klettern die Kurse.

Nach dem Wochenauftakt mit Verlusten erholen sich die Kurse am Dienstag an der Tokioter Börse wieder. Auch an anderen ostasiatischen Marktplätzen überwog die Zuversicht. Anleger zeigten sich risikofreudiger, nachdem das umstrittene Referendum auf der Krim über eine Abspaltung von der Ukraine relativ friedlich abgelaufen war. Händler äußerten sich zudem zuversichtlich, dass auch die Sanktionen, die die EU und die USA nach der Volksabstimmung gegen Russland erließen, noch zu moderat seien, als dass die Krise dadurch weiter dramatisch eskalieren werde.

Vorausschauend

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Da unmittelbar kein militärischer Konflikt auszubrechen drohe, richte sich das Augenmerk wieder mehr auf die Konjunkturentwicklung in den USA, sagten Händler. Mit Spannung wurden auf Neuigkeiten der US-Notenbank Fed gewartet, die sich nach einer zweitägigen Sitzung am Mittwoch äußern will.

Börsianer rechnen dabei fest damit, dass die Fed eine weitere Reduzierung ihrer monatlichen Wertpapierkäufe ankündigen wird. Allerdings gehen einige Marktteilnehmer auch davon aus, dass es von Fed-Chefin Janet Yellen Aussagen zur weiteren Zinspolitik geben wird. Hintergrund sind die zunehmend besser werdenen Arbeitsmarktdaten der größten Volkswirtschaft der Welt.

Gewinne, breit gestreut

Am deutlichsten zeigte sich der Stimmungswandel an der Tokioter Börse, wo der Leitindex Nikkei um 0,9 Prozent auf 14.411 Punkte zulegte. "Einige, die gestern verkauft haben, kaufen heute wohl wieder zurück", sagte Hideyuki Ishiguro von Okasan Securities.

Die Börse profitierte zusätzlich davon, dass die Landeswährung Yen zum Dollar wieder etwas nachgegeben hat. Ein Dollar kostete rund 101,80 Yen. Am Montag hatte der als Fluchtwährung beliebte Yen unter dem Eindruck des Krim-Referendums zugelegt. Für einen Dollar waren zeitweise nur 101,15 Yen zu zahlen. Der schwächere Yen verhilft Aktien exportorientierter japanischer Unternehmen zu Kursgewinnen. NEC stiegen um 3 Prozent und Fujitsu um 3,3 Prozent.

In China gewann der Shanghai Composite 0,5 Prozent. Zweifel am Gesundheitszustand der chinesischen Wirtschaft und Erwartungen, dass der Yuan weiter abwertet, verhindern deutlichere Kursgewinne. Nachdem in jüngster Zeit mehrere chinesische Unternehmen mit finanziellen Problemen in die Schlagzeilen gerückt sind, überschatteten am Dienstag Zahlungsschwierigkeiten eines Immobilienunternehmens den Sektor.

Zhejiang Xingrun Real Estate kann einen Kredit über 400 Millionen US-Dollar nicht zurückzahlen. Das drückte den Kurs von China Vanke um 1,6 Prozent; Poly Real Estate fielen um 2,1 Prozent. Sonst setzten chinesische Anleger verstärkt auf Aktien von Unternehmen, die umweltfreundliche Produkte herstellen. Dazu gehörten Hersteller von Elektroautos wie Anhui Jianghuai Automobile, deren Kurs um 8,1 Prozent zulegt.

An der Börse in Sydney haben sich Aktien von Bergbauunternehmen erholt, nachdem sich der Kupferpreis stabilisiert hatte. BHP Billiton stiegen um 1,7 Prozent und Rio Tinto um 0,9 Prozent. Weniger gut lief es für die Papiere der Goldförderer wie Newcrest, die um 7,6 Prozent nachgaben. Gold hat als sicherer Hafen an Bedeutung verloren, denn aktuell rechnet kaum jemand damit, dass es zu einem richtigen Krieg um die Krim kommt.

Quelle: ntv.de, bad/rts