Marktberichte

Wall Street klettert weiter Dax-Anleger schütteln Brexit-Sorgen ab

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Kontinuierlich deutlich im Plus zeigt sich der Dax während des gesamten Handelstags.

(Foto: REUTERS)

Erleichterung macht sich an den Märkten breit, der Brexit-Schock vom vergangenen Freitag wird nach und nach verdaut. Die Londoner Börse steht wieder da wie vor dem Crash. Auch der Dax erholt sich bereits prächtig und steigt über 9600 Punkte.

Nach dem Brexit-Crash vom vergangenen Freitag fasst die Zuversicht wieder mehr und mehr Raum an den Märkten. "Die gute Laune an den Börsen hält. Nach dem Brexit-Schock sind bereits am Dienstag die Kurse gestiegen. Am Mittwoch hält die freundliche Stimmung an", sagte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. Der Dax konnte 1,7 Prozent zulegen.

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Zudem kam von der Währungsseite kein neues Störfeuer, sowohl der Yen als auch Pfund und Euro verhielten sich ruhig. Auch an der Londoner Börse werden Aktien gekauft, der "Footsie" genannte Leitindex stieg um 3,0 Prozent auf 6322 Punkte. Im Unterschied zum Dax und zu den übrigen europäischen Börsenindizes hat der FTSE-100-Index den Crash nach dem Brexit-Votum fast vollständig wieder aufgeholt. Die Kurse in London profitierten nicht zuletzt vom Pfund Sterling, das sich nach dem Einbruch vom Freitag nicht durchgreifend erholen kann.

"Trotzdem, sagen Experten, könnte es wieder zu Rückschlägen kommen", sagte Dofel. Denn die Brexit-Abstimmung, der Entschluss, aus der EU auszusteigen, habe schon viele Anleger am Freitag auf dem falschen Fuß erwischt. "Die sitzen immer noch auf Verlusten und so könnte es eben sein, dass wenn der Dax Richtung 9800 steigt, man tatsächlich wieder beginnt, Gewinne mitzunehmen."

Zudem fürchte beispielsweise EZB-Präsident Mario Draghi, dass das Wirtschaftswachstum in Europa etwas geringer ausfallen wird durch den Brexit, mahnte die n-tv-Börsenexpertin. Amerikanische Notenbankmitglieder sähen sogar eine Gefahr für die Weltwirtschaft durch diese Entscheidung. "Und auch Ökonomen in Deutschland kappen die Wachstumsaussichten für Deutschland leicht, weil sie sagen, der Brexit wird auch die deutsche Wirtschaft etwas belasten."

Besonders im Fokus stünden Unternehmen, die mit Großbritannien und Europa zu tun haben, sagt Dofel. "Da sieht man vor allem die beiden Börsenbetreiber in London und in Frankfurt, die ja eigentlich fusionieren wollen." Die Abstimmung bei den Anteilseigner stehe noch aus. Zudem überprüften die Behörden teilweise wieder neu.

Frankfurt: Bayer leiden unter Monsanto-Zahlen

Bayer
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Der Dax schloss am Ende 1,7 Prozent höher auf 9612 Punkte. Für den MDax ging es 2,0 Prozent nach oben auf 19.664 Punkte, der TecDax legte 1,9 Prozent auf 1584 Zähler zu und der Euro-Stoxx-50 stieg um 2,5 Prozent auf 2829 Punkte.

Im Dax zählten Volkswagen mit einem Plus von 0,7 Prozent am Nachmittag nicht mehr zu den größten Gewinnern wie zu Handelsbeginn. Die Wolfsburger waren in den USA mit einer Rekordstrafe für den Dieselskandal belegt worden.

Bayer lagen im Tageshoch 2 Prozent im Plus, büßten die Gewinne aber wieder komplett ein und schlossen minimal im Minus. Ein Händler begründete das mit "schlechten" Quartalszahlen von Monsanto. Bayer will den US-Agrarchemiekonzern übernehmen. "Anleger könnten nun argumentieren, dass Bayer einen sehr hohen Preis zahlt für eine Profitabilität von Monsanto, die zumindest auf Quartalsbasis gar nicht so stark ist", sagte der Händler.

An der Dax-Spitze schlossen die beiden Versorger: Eon legten 4,9 Prozent zu, RWE verbesserten sich um 4,6 Prozent. BASF stiegen um 2,6 Prozent, nachdem die Commerzbank die Aktie auf die Kaufliste genommen hatte.

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In der zweiten Reihe legten Kuka um 0,1 Prozent zu auf 106,60 Euro. Der Vorstand hatte mit dem chinesischen Großaktionär Midea eine Investorenvereinbarung geschlossen, die für siebeneinhalb Jahre die operative Unabhängigkeit von Kuka wahrt. "Damit steigt die Chance, dass die Übernahme klappt", sagte ein Händler. Midea bietet den Aktionären 115 Euro je Aktie.

K+S erholten sich leicht um 1,7 Prozent. Sowohl Warburg als auch Baader-Helvea haben die Aktie des Düngemittelproduzenten von "Halten" auf "Kaufen" hochgestuft. Am Montag hatte eine Gewinnwarnung von K+S den Kurs auf den tiefsten Stand seit vier Monaten fallen lassen.

Hapag-Lloyd stiegen um 2,6 Prozent. Der von der Containerreederei anvisierte Zusammenschluss mit dem Wettbewerber United Arab Shipping Company ist weitgehend in trockenen Tüchern. Daneben stehen Umstufungen im Blick. Baader-Helvea hatte die Aktien des Küchenherstellers Rational laut Händlern auf "Buy" von "Sell" hochgestuft, der Kurs gewann 6,5 Prozent.

USA: Erholung an der Wall Street hält an

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Auch an der Wall Street geht es nach oben. Die Brexit-Sorgen seien zwar keineswegs ausgeräumt, aber die Befürchtung einer globalen Rezession im Zuge des britischen EU-Austritts schwäche sich ab, heißt es im Handel. Am Ende ging der Dow-Jones-Index um 1,6 Prozent bei 17.695 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P legte um 1,7 Prozent auf 2071 Stellen zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 1,9 Prozent auf 4779 Zähler.

Marktbeobachter verwiesen zudem auf den Stimmungsumschwung in Großbritannien und betonten, dass ein EU-Austritt der Briten noch lange nicht Realität sei. Selbst ein neues Referendum mit einer proeuropäischen Mehrheit könne nicht mehr gänzlich ausgeschlossen werden, hieß es auch mit Blick auf die Stimmung in Schottland, wo die Regionalregierung an ihrem proeuropäischen Kurs unverdrossen festhält. "Der Zeitpunkt für den Brexit liegt noch Jahre in der Zukunft und die Politik ist clever genug, den Prozess abzuwürgen statt ihn wirklich anzuschieben", fasste Analyst Augustin Eden von Accendo Markets die politischen Widerstände im Vereinigten Königreich zusammen.  Kein Störfeuer durch Daten  Die aktuellen Konjunkturdaten lieferten kein Störfeuer. Die Ausgaben der US-Verbraucher sind im Mai moderat und im erwarteten Rahmen gestiegen. Der Anstieg der Einkommen blieb knapp hinter den Prognosen zurück.

Nike verzeichnete im vierten Geschäftsquartal zwar einen über den Erwartungen ausgefallenen Gewinn, enttäuschte aber beim Umsatz, der weniger stark zulegte als erwartet. Verbuchte die Aktie nachbörslich noch Verluste, legte sie am Mittwoch um 3,8 Prozent zu. Analyst Andrew Burns von D.A. Davidson senkte zwar das Kursziel für Nike, bekräftigte aber die Kaufempfehlung für die Aktie. Nike habe sich unter schwierigen Bedingungen wacker geschlagen, kommentierte er die Zahlen.

General Mills schlossen 3,2 Prozent fester. Die Geschäftszahlen zum vierten Quartal waren besser ausgefallen als von Marktteilnehmern befürchtet. Dennoch verzeichnete der Produzent von Fertigkost einen heftigen Rückgang seines Geschäftsvolumens um 7 Prozent. Nach Geschäftsausweis legten Monsanto um 2,4 Prozent zu. Trotz schwacher Zahlen hält der Agrochemie- und Saatgutkonzern an der Prognose für das Gesamtjahr fest.

Bankenaktien gehörten mit einem Plus von durchschnittlich 2,7 Prozent zu den führenden Gewinnern. Nur der Sektor Massenkonsumgüter legte mit plus 2,9 Prozent noch stärker zu. Die Anleger blickten dem zweiten Teil des Bankenstresstests, der nach Börsenschluss am Mittwoch veröffentlicht werden sollte, offenbar optimistisch entgegen. Den ersten Teil des Tests, dessen Ergebnis vor einer Woche veröffentlicht worden war, hatten alle großen US-Banken bestanden.

Asien: Pluszeichen dominieren

Nikkei
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Angesichts etwas abklingender Sorgen vor den Folgen des Brexit-Votums in Großbritannien haben die Aktienmärkte in Ostasien ihre Erholung am Mittwoch fortgesetzt. Nachdem viele Aktienkurse heftig unter die Räder gekommen seien, entdeckten die Teilnehmer nun wieder Kaufchancen, beispielsweise bei japanischen Bankenaktien, hieß es. Mut machten den Anlegern auch die teils kräftigen Kursgewinne in Europa und den USA vom Vortag.

Der Nikkei-Index setzte sich an die Spitze und kletterte um 1,6 Prozent auf 15.567 Punkte. Er hat damit etwa die Hälfte seines 8-prozentigen Absturzes vom Freitag inzwischen wieder wettgemacht. Auch in Sydney ging es bergauf und zwar um knapp 0,8 Prozent, Seoul machte ein weiteres Prozent gut. Ähnlich groß fielen die Gewinne in Shanghai und Hongkong aus.

Verbale Hilfe kam vom japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe. Er wies seinen Finanzminister und den Notenbankchef an, alle "nötigen Maßnahmen" zu ergreifen, um die Wirtschaft des Landes und die Finanzmärkte zu stützen. Für Beruhigung sorgte auch, dass China den Yuan wieder etwas aufgewertet hat zum Dollar, weil es als Zeichen einer Stabilisierung der Lage verstanden wird.

Bei den Einzelwerten ging es besonders steil aufwärts in Shanghai mit dem Kurs von China Shipbuilding Industry, nämlich um 3,9 Prozent. Das Unternehmen hatte angekündigt, Aktien platzieren zu wollen, um damit seinen Schuldenstand abzubauen. Sony machten sogar 4,8 Prozent gut, denn wegen eines besser als erwartet verlaufenden Geschäfts mit Videospielen sieht sich das Unternehmen insgesamt im Plan, obwohl es zugleich vor weiteren Rückgängen im Geschäft mit Bildsensoren warnte.

Devisen: Pfund erholt sich, Euro steigt über 1,11 Dollar

Britisches Pfund / US-Dollar
Britisches Pfund / US-Dollar 1,29

Der Kurs des Euro hat an die Erholung vom Vortag angeknüpft und ist über 1,11 US-Dollar gestiegen. Nach der Talfahrt infolge der Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union stabilisieren sich die Märkte damit weiter. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,1119 Dollar gehandelt. In der Nacht war sie noch zeitweise bis auf 1,1049 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1090 (Dienstag: 1,1073) US-Dollar fest.

"Die Märkte erkennen zunehmend, dass die Auswirkungen des Brexit auf die Eurozone nicht so stark sind wie zunächst befürchtet", sagte Stephan Rieke, Devisenexperte von der BHF-Bank. "Es gibt keine Hinweise dafür, dass sich die sogenannte Dominotheorie bestätigt." Einige Beobachter hatten befürchtet, dass weitere Länder Großbritannien folgen könnten. Dafür gebe es jedoch keine Hinweise. Die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen für Großbritannien könnten sogar abschreckend auf Populisten in anderen Ländern wirken.

Noch deutlicher legte am Mittwoch das britische Pfund zu. Die britische Währung wurde bei 1,3526 Dollar gehandelt. Am Montag hatte das Pfund mit 1,3121 Dollar den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1985 erreicht. "Insgesamt zeigt sich, dass es keinen Grund zur Panik gibt", sagte Rieke. Schließlich seien die Aktienmärkte zu Jahresbeginn deutlich stärker gefallen als an den Tagen nach der britischen Entscheidung. Die wirtschaftlichen Folgen für Großbritannien dürften sich erst nach und nach zeigen.

Rohstoffe: Ölpreise steigen deutlich

Am Ölmarkt zogen die Preise deutlich an. US-Leichtöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich am späten Nachmittag um 1,24 Dollar oder 2,6 Prozent auf 49,09 Dollar. Öl der Nordsee-Sorte Brent legte etwas weniger deutlich zu und stieg um 1,12 Dollar oder um 2,3 Prozent auf 49,70 Dollar.

Gestützt werden die Ölpreise vom US-Branchenverband American Petroleum Institute (API), der auf Wochensicht einen Fall der US-Lagerbestände vermeldet hat. Händler sprechen von einem "bullischen" Signal vor den am Nachmittag erwarteten offiziellen Vorratsdaten.

Der Goldpreis pendelt schon seit Montag zwischen 1300 und 1340 Dollar. "Wenn die Zentralbanken die Unruhen an den Märkten als Grund nehmen, die Geldschleusen noch weiter aufzudrehen, wird die Geldentwertung weitergehen. Das könnte den Goldpreis noch weiter nach oben treiben", sagt Jochen Stanzl von CMC Markets. Am späten Nachmittag stieg der Goldpreis um 0,8 Prozent auf 1322 Dollar.

Quelle: n-tv.de, kst/wne/DJ/rts/dpa

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