Marktberichte

Konjunkturknüppel aus den USA Dax geht in die Knie

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(Foto: REUTERS)

Enttäuschende Konjunktursignale aus den USA verleiden Anlegern die Lust auf Aktien in Deutschland. Auch die Hoffnung, dass die EZB noch in dieser Woche einen Schlachtplan zum groß angelegten Ankauf von Staatsanleihen präsentiert, hilft den Kursen nicht auf die Beine. Die Dax-Marke von 7000 Punkten rückt damit vorerst in weitere Ferne.

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Nur zwei Tage vor der seit Wochen herbeigesehnten Sitzung des EZB-Rates haben Anleger am deutschen Aktienmarkt Kasse gemacht. Nachdem sich der Markt über weite Strecken nicht recht für eine klare Richtung entscheiden konnte, gaben die Kurse mit schwachen Konjunktursignalen aus den USA deutlich nach.

Der Dax scloss  1,1 Prozent schwächer bei 6932  Punkten. Für den MDax ging es um 1,3 Prozent runter auf 10.898 Zähler. Der TecDax verlor 0,7 Prozent auf 792 Zähler.

In den USA sank der vielbeachtete ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe von 49,8 auf 49,6 Zähler, erwartet wurde dagegen ein leichter Anstieg. Auch die Bauausgaben fielen enttäuschend aus, da statt eines Anstiegs ein Rückgang von 0,9 Prozent ausgewiesen wurde.

Im Handelsverlauf hatten zuvor Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi vor EU-Abgeordneten die Kurse gestützt. Den Parlamentariern zufolge hatte Draghi erklärt, der Kauf von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren stelle keine Staatsfinanzierung dar. Dies war für einen Händler ein Indiz dafür, dass die EZB in der Schuldenkrise nun doch aggressiver vorgehen will.  "Spekulationen auf weitere geldpolitische Lockerungen durch die Zentralbanken stützen die Stimmung der Anleger auch weiter", sagte Stan Shamu von IG Markets.

Etwas aufs Gemüt schlugen jedoch Warnungen der US-Ratingagentur Moody's, die Kreditwürdigkeit der EU - also inklusive von Nicht-Euro-Staaten wie Großbritannien - zu senken.

Zittern bei den Autobauern

Bei den Einzeltiteln setzten Automobilaktien ihre Talfahrt weiter fort. Volkswagen fielen um 2,9 Prozent, BMW um 3 Prozent und Daimler 2,1 Prozent. Börsianer machten dafür Befürchtungen über eine negative Geschäftsentwicklung in China verantwortlich. "Es häufen sich die negativen Schlagzeilen in der Branche", sagte ein Händler. So hatten am Vortag in Frankreich und Italien die Statistiken zu den Neuzulassungen starke Einbrüche ausgewiesen. Die deutschen Autobauer kamen da zwar noch glimpflich davon. Doch könnte ihnen bei einer harten Landung der chinesischen Konjunktur ein wichtiger Markt wegbrechen, warnen Börsianer. "Wenn China wegkippt, haben die deutschen Autohersteller die beste Zeit hinter sich", fasste ein Händler zusammen. Da helfe es VW auch nicht, ein neues Golf-Modell - es soll am Abend vorgestellt werden - auf den Markt zu bringen. "Mit dem Golf fahren sie ja nicht gerade die höchste Renditen ein", warnte ein Händler.

Schwächer notierten auch die Aktien der Deutschen Börse, die um 0,9 Prozent abrutschten. Der Umsatz auf dem Computersystem Xetra und im Parketthandel in Frankfurt war im August im Vergleich zum Vorjahreszeitraum abgestürzt. Analyst Manfred Jaisfeld von der Essener National-Bank warnte: "Infolge der relativ fixen Kostenbasis des Konzerns dürfte sich damit die für das dritte Quartal insgesamt zu erwartende Umsatzschwäche überproportional negativ auf die Ertragsentwicklung auswirken."

Unter den stärkeren Verlierern notierten Papiere der Lufthansa 1,3 Prozent im Minus. Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat ihre Streiks deutlich ausgeweitet, die Fluglinie muss nach eigenem Bekunden am Dienstag rund 300 Flüge streichen. "Das wird teuer und tut heute der Lufthansa sicherlich weh." Mit Berlin und München würden auch die Ausweich-Flughäfen für das Drehkreuz Frankfurt bestreikt. Sollte Ufo auf diesem Niveau weiterstreiken, werde der Konzern wohl über kurz oder lang einknicken und weitreichendere Konzessionen machen als bislang geplant.

Auf der Verliererseite relativ weit oben standen mit Metro und MAN auch wieder die beiden Dax-Abstiegskandidaten. Metro-Aktien verloren 1,7 Prozent, MAN 3 Prozent. Die Deutsche Börse entscheidet am Mittwoch über die Zusammensetzung des Leitindex. Die am Vortag als Nachrücker gehandelten Aktien von Continental und Lanxess konnten von den Aussichten nicht mehr profitieren, sondern geben leicht nach.

Quelle: ntv.de, nne/rts