Marktberichte

Staatsanwalt bei MLP Dax geht stiften

Der Dax kam auch am Donnerstag in schwere Turbulenzen - dabei hatte der Tag mit Pluszeichen von mehr als 2 Prozent begonnen. Doch spätestens, als Gerüchte über ein schwaches Ergebnis der HypoVereinsbank im zweiten Quartal auftauchten, war die gute Stimmung vorbei.

Die Krise verschärften Nachrichten von MLP: die Staatsanwaltschaft ist bei dem Finanzdienstleiser aktiv geworden. Der Dax schloss nahe dem Tagestief bei 3.515 Punkten - ein Minus von knapp 5 Prozent. Damit notiert das Deutsche Börsenbarometer auf dem tiefsten Stand seit Ende 1997.

Die Mannheimer Staatsanwaltschaft hat am Dienstag Firmenräume des Finanzdienstleisters MLP durchsucht. Entsprechende Informationen des "Südwestrundfunks" bestätigte der Leiter der Abteilung Wirtschaftskriminalität bei der Staatsanwaltschaft, Hubert Jobski. Die Durchsuchungen stünden im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren gegen den Vorstand der Marschollek, Lautenschläger und Partner AG. Geprüft werde, ob die Verhältnisse der Heidelberger Kapitalgesellschaft in Jahresabschlüssen falsch dargestellt seien. Die Aktie verlor mehr als 20 Prozent auf 20,60 Euro, im Verlauf betrug das Minus sogar schon knapp 25 Prozent.

Nicht viel besser sah es bei der HypoVereinsbank aus. Das Kreditinstitut wird nach Angaben aus Bankenkreisen im zweiten Quartal operativ einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe einfahren. Angesicht der zahlreichen Insolvenzen werde die Bank außerdem ihre Risikovorsorge erhöhen, hieß es aus den Kreisen weiter. Die HypoVereinsbank will ihre Zahlen am Donnerstag vorlegen. Die Aktie fiel mehr als 10 Prozent auf 21,90 Euro.

Auch die anderen Banken- und Versicherungswerte konnten ihre Gewinne nicht halten. Für die Aktie der Commerzbank ging es 8,4 Prozent auf 11,30 Euro nach unten, die Allianz fiel 8 Prozent auf 139,10 Euro und die Münchener Rück verlor 6,5 Prozent auf 173,40 Euro.

Angesicht der schwachen Konjunktur und der hohen Anzahl der Unternehmenpleiten ließen sich die Kreditrisiken für die Banken derzeit nur schwer abschätzen, so Fondsmanager Jürgen Homola von Commerz Asset Management. Er rechne für mit einer im Jahresvergleich 20 bis 30 Prozent höheren Risikovorsorge der Banken.

Im Blickpunkt der Anleger stand auch die Deutsche Bank, die der größte europäische Gläubiger von WorldCom sein soll. Nach eigenen Angaben übersteigt das gesamte Kreditrisiko der Deutschen Bank bei der Pleite des Telekom-Konzerns 241 Millionen Dollar nicht. Für dieses Risiko habe man in Q2 ausreichende Risikovorsorge für dieses Kreditrisiko gebildet. Der Eigenbestand an WorldCom-Anleihen sei vernachlässigbar, hieß es weiter. Am Montag hatte es geheißen, der US-Konzern stehe mit gut 1 Milliarde Dollar bei dem Kreditinstitut in der Kreide. Der Gesamtbetrag beinhalte auch Positionen, die die Bank als Wertpapierverwahrer halte, so die Deutsche Bank. Für die Papiere ging es nach deutlichen Gewinnen im frühen Handel mit 2,5 Prozent bei 57,42 Euro in die Verlustzone.

Für etwas Unruhe bei der Deutschen Bank sorgte ein Online-Artikel der Süddeutschen Zeitung. Darin heißt es, die Düssldorfer Staatsanwaltschaft will unter anderem gegen den Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, Anklage wegen Verdachts auf Untreue erheben. Dies verlautete aus Düsseldorfer Justizkreisen. Gegen alle Beschuldigten wird wegen der Affäre um die mehr als hundert Millionen Mark betragenden Abfindungen bei der Übernahme des Telefon-Konzerns Mannesmann durch den Konkurrenten Vodafone im Jahr 2000 ermittelt. Ein persönlicher Sprecher von Ackermann hat eine mögliche Anklage hingegen als abwegig bezeichnet.

Europas größter Softwarehersteller SAP will die derzeitige Krise auf dem Softwaremarkt dazu nutzen, sich schlank zu sparen. Das Festhalten an den ehrgeizigen Gewinnzielen sei vor allem ein Appell an die Beschäftigten, weiter Kosten zu sparen, sagte Vorstandssprecher Henning Kagermann in einem Zeitungsinterview. Die Aktie fiel 1,1 Prozent auf 72 Euro.

Die Deutsche Telekom ist nach Angaben aus Unternehmenskreisen beim Verkauf ihrer übrigen Kabelgesellschaften einen Schritt weiter gekommen. Die Gespräche würden enger, hieß es aus den Kreisen. Zu den Interessenten gehöre auch der US-Medienkonzern Liberty Media. Das Kartellamt hatte ihm im Februar noch die Übernahme der sechs Kabelgesellschaften durch die Amerikaner untersagt.

Schlechte Nachrichten gab es für die T-Aktie dann allerdings am Nachmittag: Nach einem Bericht des ARD-Wirtschaftsmagazins Plusminus versteckt die Deutsche Telekom in ihrer Bilanz einen zweistelligen Milliardenverlust. Grund hierfür sei die US-Mobilfunktochter Voicestream, die noch mit rund 35 Milliarden Euro in den Büchern stehe. Nach Auffassung von Banken sei Voicestream aber nicht einmal mehr die Hälfte wert. Abschreibungen auf Voicestream könnten Verluste von rund 20 Milliarden Euro nach sich ziehen, hieß es. Ein Telekomsprecher verwies gegenüber n-tv auf die Testate der Wirtschaftsprüfer und sagte, dass derzeit nicht an Abschreibungen auf Voicestream gedacht wird. Die T-Aktie brach dennoch mehr als 10 Prozent auf 10,48 Euro ein.

Das im MDax gelistete Pharma- und Spezialchemieunternehmen Merck hat im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang von 3,4 Prozent auf 1,88 Milliarden Euro verzeichnet. Das operative Ergebnis ging im selben Zeitraum um 44 Prozent auf 142 Millionen Euro zurück, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Als Grund nannten die Darmstädter die Konkurrenz durch Nachahmermedikamente für ihr Diabetis-Medikament Glucophage. Die Zahlen lagen dennoch leicht über den Markterwartungen. Die Aktie legte 0,25 Prozent auf 20,05 Euro zu.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.