Marktberichte

Gipfelsturm nur mit äußerster Mühe Dax quält sich über 10.000 Punkte

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Die historische Marke von 10.000 Punkten hat der Dax geknackt. Doch nimmt er sie auch dauerhaft?

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach den historischen Maßnahmen der EZB hat der Dax die Marke von 10.000 Punkten zwar geknackt. Aber nur mit letzter Kraft geht er erstmals in seiner Geschichte über der Schwelle aus dem Handel. Analysten fürchten schon bald einen Rücksetzer.

Die 10.000 Punkte sind geknackt, doch am deutschen Aktienmarkt hält sich die Feierstimmung in Grenzen. Während ganz Deutschland in Badeseen und Freibädern planschte, mühte sich der Dax den ganzen Tag an der psychologisch wichtigen Marke ab. Der Leitindex hangelte sich stundenlang lethargisch an der Schwelle entlang, die er vergangene Woche erstmals geknackt hatte, und durchbrach sie immer wieder für wenige Sekunden, rutschte aber gleich wieder darunter.

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Am Ende sprang er in buchstäblich letzter Sekunde und nur mit allerletzter Kraft darüber und legte 0,2 Prozent zu auf 10.008,63 Punkte. Der MDax markierte zunächst einen neuen Höchststand, rückte mit einem plus von 0,1 Prozent auf 17.146,92 Punkte aber nur moderat vor. Für den TecDax ging es um rund 0,5 Prozent auf 1324,70 Punkte hoch.

Das Handelsaufkommen war wegen des Feiertages sehr begrenzt. Commerzbank-Titel rückten ins Spitzenfeld des Leitindex vor und setzten mit plus von 1,7 Prozent ihre jüngste Erholung fort. Dagegen büßten die Aktien des Salz- und Düngemittelherstellers K+S als Index-Schlusslicht 1,3 Prozent ein.

Im MDax belegten die Anteilsscheine von Gagfah mit Verlusten von 1,9 Prozent den letzten Platz. Als Kursbelastung sah ein Händler, dass der US-Finanzinvestors Fortress seine rund 27-prozentige Restbeteiligung am Immobilienunternehmen platziere. Die Preisspanne liege zwischen 12,00 Euro und dem letzten Xetra-Schlusskurs bei 12,340 Euro. Das Volumen sei recht hoch, sagte der Händler weiter.

Rücksetzer ist wahrscheinlich

Trotz der Rekordjagd bezweifeln viele Marktexperten, dass sich der Dax nach den historischen Beschlüssen der Europäischen Zentralbank (EZB) in naher Zukunft deutlich jenseits der magischen Marke etablieren kann. Die Luft werde zunehmend dünner, schrieben die Analysten der NordLB in einem Kommentar. Weitere Kursgewinne wären nur gesund, wenn der Anstieg auf eine gute konjunkturelle Entwicklung zurückzuführen sei. "Diese aber liegt angesichts des Eingreifens der EZB offenbar gerade nicht vor."

Die EZB hatte am Donnerstag ein ganzes Bündel von Maßnahmen angekündigt, um die Kreditvergabe in der Euro-Zone anzukurbeln und eine Spirale aus fallenden Preisen und rückläufigen Investitionen (Deflation) zu verhindern. Neben der Senkung der Leitzinsen auf rekordniedrige 0,15 Prozent beschloss die EZB einen Strafzins für Banken und neue milliardenschwere Geldspritzen, die die Banken an schwächelnde Firmen in Südeuropa weiterreichen sollen.

Das katapultierte den Dax, der zuletzt von Rekordhoch zu Rekordhoch geeilt war, schon in der vergangenen Woche zeitweise knapp über 10.000 Punkte. Am Freitag verabschiedete sich der Leitindex mit einem Plus von 0,4 Prozent bei 9987 Punkten ins Wochenende. Im Vergleich zur Vorwoche legte der Dax ebenfalls 0,4 Prozent zu.

Auch die Wall Street konnte in den vergangenen Tagen neue Höchststände verzeichnen: Der Dow-Jones-Index kam auf ein Wochenplus von 1,2 Prozent, während sich der S&P 500 um 1,3 Prozent verbesserte und die Nasdaq um 1,9 Prozent kletterte. Mit Spannung wird in New York nun darauf gewartet, wann der S&P 500 die Marke von 2000 Punkten knacken wird. Am Freitag war er bei 1949 Zählern aus dem Handel gegangen.

Für Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM ist ein Rücksetzer des Dax in Richtung der 9800er Marke in den nächsten Tagen wahrscheinlicher als ein neuer Anlauf auf die 10.000 Punkte. Die Notenbanker hätten vieles von ihrem Pulver mit den jüngsten Beschlüssen verschossen. "Und was die tatsächlichen realwirtschaftlichen Effekte angeht, werden die Auswirkungen dieser Geldpolitik noch längere Zeit auf sich warten lassen".

Quelle: ntv.de, hvg/rts

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