Marktberichte

Nach dem AKW-Beschluss Dax schließt im Minus

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Der Dax am Montag: Der Atomausstieg beschäftigt den Markt stärker als Griechenland.

(Foto: REUTERS)

Die energiepolitische Weichenstellung der Bundesregierung beherrscht zu Wochenbeginn das Geschehen am deutschen Aktienmarkt: Die Aktien der großen AKW-Betreiber geben nach, im TecDax ziehen Wind- und Solarwerte zum Teil zweistellig an. Einzelne Stimmen halten das für übertrieben.

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Bewegungsarmer Start in die neue Woche: Die US-Börsen bleiben am Montag wegen des "Memorial Day" geschlossen.

(Foto: REUTERS)

Der Dax hat sich am Montag kaum bewegt. Gebremst von Kurseinbußen bei den Versorgeraktien schloss der deutsche Leitindex nahezu unverändert mit einem hauchdünnen Minus von 0,04 Prozent bei 7160,30 Punkten. Der MDax mittelgroßer Werte legte hingegen um 0,34 Prozent auf 10.730,43 Punkte zu. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es dank hoher Kursgewinne bei den Titeln der erneuerbaren Energien sogar um 1,61 Prozent auf 911,40 Punkte nach oben. Da sowohl in den USA als auch in Großbritannien die Börsen wegen eines Feiertags geschlossen waren, verlief der Aktienhandel zu Wochenbeginn über weite Strecken in ruhigen Bahnen.

Händler verwiesen neben den Verlusten bei den Versorgertiteln auf anhaltende Sorgen über die Schuldenkrise in Europa, die den Markt weiterhin in Schach gehalten hätten. Zudem seien die Umsätze wegen der beiden Feiertage in New York und London gering geblieben.

Dax
Dax 13.075,00

Nach der Entscheidung der Regierungskoalition über einen Atomausstieg bis spätestens 2022 standen die Versorgertitel Eon und RWE unter Druck. An der umstrittenen Brennelementesteuer für die Atomkonzerne hält die Koalition nach bislang vorliegenden Angaben fest. Analyst Michael Schäfer von Equinet sah die jüngsten Spekulationen mit dem Beschluss bestätigt. Jedoch dürften jene Optimisten enttäuscht sein, die auf eine Abschaffung der Atomsteuer gehofft hatten. Gerade dies belaste die Versorgertitel, sagte ein Händler. RWE gaben 1,73 Prozent auf 40,31 Euro ab. Eon büßten 2,30 Prozent auf 19,55 Euro ein.

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MDax 27.174,43

Nach Einschätzung eines Analysten ist nun mit einer Klagewelle der Versorger gegen die Bundesregierung zu rechnen. Diese hätten sich bislang weitestgehend zurückgehalten, um die weitere Entwicklung abzuwarten. Nachdem die Karten nun auf dem Tisch lägen, dürften diese aktiv werden. Der Experte schätzt die Erfolgsaussichten der Klagen auf immerhin 60 Prozent ein.

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RWE erwägt eigenen Angaben zufolge bereits rechtliche Schritte. "Wir halten uns alle rechtlichen Möglichkeiten offen", sagte ein Konzernsprecher. Nähere Angaben machte er nicht. Gegen das Atom-Moratorium von Bundeskanzlerin Angela Merkel geht der Versorger bereits als einziger Branchenvertreter vor Gericht vor. Auch eine Klage gegen die von der Bundesregierung nun nochmal festgeschriebe Brennelementesteuer gilt als wahrscheinlich. Ob der Ausstiegsbeschluss als solcher angefochten werden könnte, ist offen. "Das Ende bis 2022 ist nicht das Datum, das wir uns gewünscht haben", sagte der Sprecher. Der Konzern werde das Ergebnis nun in aller Ruhe analysieren.

Im TecDax profitierten Anbieter erneuerbarer Energien von den Atomausstiegsplänen. An der Spitze zogen Nordex um 13,26 Prozent auf 6,80 Euro an. Die zuletzt noch auf Rekordtief befindlichen Titel von Q-Cells erholten sich um 8,54 Prozent auf 1,92 Euro. Ein Börsianer verwies zudem auf Aussagen aus dem Management des chinesischen Photovoltaik-Allrounders LDK Solar, die auf eine Trendwende des Sektors im laufenden Quartal hoffen ließen.

Fundamental sei der Anstieg bei den Solartiteln nicht untermauert, meinten dagegen andere Beobachter. "Das ist ein klassische Relief Rally", erklärte ein Marktteilnehmer. Weder der Atomausstieg als solcher noch der zeitliche Rahmen stellten eine Überraschung dar. Nach den Verlusten in den vergangenen Wochen sei eine Gegenbewegung überfällig gewesen. "Es gibt nichts, was die Aussichten der Solarwerte kurz- und mittelfristig verbessert hätte," fügte ein weiterer Marktteilnehmer hinzu. Eigentliche Profiteure des Atomausstiegs seien andere Energieträger wie Gas und Wind, die über ein wesentlich höheres Potenzial als die Photovoltaik verfügten.

Gute Nachrichten trieben Adidas-Papiere um 1,21 Prozent auf 51,96 Euro nach oben. Der Sportartikelhersteller sieht in Japan nach der verheerenden Katastrophe eine Entspannung der Lage. Zudem zielt Adidas auf die Marktführerschaft auf dem wichtigen Sportmarkt Großbritannien.

Die Aktien der Commerzbank rutschten um 2,88 Prozent auf 3,09 Euro ab. Sie waren damit der schwächste Wert im Dax und knüpften unmittelbar an ihre Schwäche zum Ende der Vorwoche an. Börsianer erklärten die Verluste mit Druck über die ebenfalls schwachen Bezugsrechte, die um 9,20 Prozent auf 0,829 Euro in die Knie gingen.

Im MDax schlossen die Titel der Heidelberger Druckmaschinen um 0,24 Prozent leichter bei 2,86 Euro. Das Unternehmen erhöhte wie bereits angekündigt das Kapital leicht. Mit den neuen Aktien sollen die ehemaligen Aktionäre der Linotype Hell AG entschädigt werden. Die Zahl der Aktien steigt um knapp 0,4 Prozent auf 234,25 Mio. Stück. Heidelberger Druck hatte Ende März den Rechtsstreit mit den ehemaligen Aktionären der Linotype-Hell gütlich beigelegt und dabei eine Bezahlung in Aktien vereinbart.

Der europäische Leitindex Eurostoxx50 schloss 0,18 Prozent tiefer bei 2814,34 Punkten. An der Börse in Paris ging der Leitindex Cac40 mit minus 0,21 Prozent auf 3942,53 Punkten aus dem Handel.

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 2,74 (Freitag: 2,73) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel leicht um 0,04 Prozent auf 123,86 Punkte. Der Bund Future gewann 0,06 Prozent auf 125,71 Punkte.

Der Euro legte weiter zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4272 (Freitag: 1,4265) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7007 (0,7010) Euro.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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