Marktberichte

Kurssprung bei Volkswagen Dax schließt so hoch wie nie in diesem Jahr

Starke Nerven und ein ruhiges Händchen - das brauchen Anleger am deutschen Aktienmarkt zur Wochenmitte: Nach dem starken Wochenauftakt drücken Gewinnmitnahmen zunächst auf die Kurse. Dann stützen Gerüchte.

"Die Anleger wissen nicht genau, was sie wollen." Dieses Fazit hat n-tv-Börsenexpertin Susanne Althoff zum Mittwochshandel am deutschen Aktienmarkt gezogen. Einem Aufschlag von drei Prozent beim Dax binnen zwei Handelstagen folgte zunächst ein Abschlag – Gewinnmitnahmen, hieß es im Handel. Danach kletterten die Kurse, fielen wieder und stiegen erneut. "Der Dax wackelt wie Entengrütze", kommentierte n-tv Börsenexperte Frank Meyer. Am Ende gab es ein Happy End.

Der Dax gewann am Ende 0,7 Prozent auf 10.421 Punkte. Das ist der höchste Schlusskurs in diesem Jahr. Am Dienstag hatte noch die Erleichterung über den bisherigen Verlauf der Bilanzsaison und die Stabilisierung des Ölpreises den Anlegern Mut gemacht und den Dax um 2,3 Prozent auf 10.350 Zähler angeschoben. Am Montag war er bereits fester aus dem Handel gegangen. Der MDax verabschiedete sich zur Wochenmitte 0,1 Prozent leichter bei 20.650 Stellen. Der TecDax verlor 0,4 Prozent auf 1671 Punkte.

Konjunktur: Draghi ist wieder am Zug

"Der Dax hat in den letzten 8 Tagen um gut 8 Prozent zugelegt, da werden auch mal Gewinne mitgenommen", kommentierte ein Marktteilnehmer zwischenzeitlich. Nun müsse die Berichtssaison liefern, damit neue Käufer an den Markt kämen, unterstrich er.

Am Donnerstag trifft sich zudem der EZB-Rat. Aber vor allem die Aussagen von Zentralbank-Präsident Mario Draghi sind es, die die Marktteilnehmer vorab elektrisieren - und sie zurückhaltender agieren lassen. Volkswirte erwarten, dass Draghi nach der umfassenden Lockerung von März immerhin vorsichtig die prinzipielle Bereitschaft des Rats zu weiteren Maßnahmen betonen wird.

Rohstoffe: Streik in Kuwait beendet

Die Ölpreise erholten sich nach der Veröffentlichung von US-Lagerbestandsdaten von anfänglichen Verlusten und verbuchten kräftige Gewinne, obwohl die Rohölvorräte der USA in der vergangenen Woche überraschend stark gestiegen waren. Aus den Daten der US-Regierung vom Mittwoch ging nämlich auch hervor, dass die Fördermenge auf den niedrigsten Stand seit 18 Monaten zurückgegangen ist. Außerdem wurde bei Mitteldestillaten wie Diesel und Heizöl wider Erwarten ein Rückgang verzeichnet.

Die Akteure am Ölmarkt konzentrierten sich auf diese guten Nachrichten und ignorierten den Rest. Der Preis für den Mai-Kontrakt auf das Barrel der US-Sorte WTI stieg an seinem letzten Handelstag um 3,8 Prozent bzw 1,55 Dollar auf 42,63 Dollar. Der ab Donnerstag marktführende Juni-Kontrakt auf WTI erhöhte sich um 4,0 Prozent bzw 1,71 Dollar auf 44,18 Dollar. Die Nordseesorte Brent rückte um 4,0 Prozent bzw 1,77 Dollar auf 45,80 Dollar vor.

Die Ölarbeiter in Kuwait hatten das Ende ihres dreitägigen Streiks angekündigt. Durch den Ausstand war die Produktion des Landes um rund 1,7 Millionen Barrel je Tag gefallen. Dies hatte die Ölpreise in den vergangenen Tagen gestützt, obwohl am Wochenende die Gespräche wichtiger Ölförderländer über eine Begrenzung der Fördermenge gescheitert waren.

Dax: SAP startet schwach ins Jahr

Bei den Einzelwerten im Leitindex gaben SAP rund 0,5 Prozent nach. Trotz einer Steigerung des operativen Ergebnisses verfehlte das Unternehmen die Markterwartungen. Es bestätigte seine vorläufigen Zahlen und den Ausblick für das Gesamtjahr und sprach von einem guten Start ins laufende zweite Quartal.

Infineon fielen mehr als 2 Prozent und waren damit größter Dax-Verlierer. Anleger schauten dabei auf Zahlen anderer Hersteller der Branche. So enttäuschte etwa der US-Riese Intel. Dagegen bezeichneten Händler die Zahlen von ASML als ordentlich: Der Chip-Zulieferer habe seine im Frühjahr gesenkte Umsatzprognose leicht übertreffen können. 

RWE vor düsterer Zukunft?

RWE-Titel büßten 0,6 Prozent ein, lagen im Handelsverlauf aber auch schon deutlich tiefer. RWE-Chef Peter Terium hatte die Aktionäre auf der Hauptversammlung auf eine Verschärfung der Krise eingestimmt. "Wenn sich das niedrige Strompreisniveau nachhaltig etabliert, wird die konventionelle Stromerzeugung wirtschaftlich kollabieren", sagte Terium. Der RWE-Chef sprach angesichts eines "historischen" Tiefpunkts bei den Börsenstrompreisen von einem "Ausnahmezustand". "Heute erwirtschaften viele Anlagen nicht einmal mehr ihre Betriebskosten."

BASF-Titel schlossen 0,5 Prozent fester. Der Konzern kauft das Autoreparaturlack-Geschäft von der chinesischen Guangdong Yinfan Chemistry. Der weltgrößte Chemiekonzern stärkt dadurch Produktionskapazitäten im Bereich Coatings. Zudem erhält BASF den Angaben zufolge Zugang zu einer "hochmodernen Produktionsanlage" für Autoreparaturlacke in China. Das Reich der Mitte ist der größte Automarkt der Welt.

Neue Zuversicht bei VW

Stärkster Gewinner waren Anteilsscheine von Volkswagen. Die Papiere zogen zeitweise mehr als 7 Prozent an. Grund waren Gerüchte über eine mögliche außergerichtliche Einigung in den USA wegen des Abgasskandals. Der hat nun auch Japan erreicht. Dort gab Mitsubishi Manipulationen zu. Die Aktien rauschten mehr als 15 Prozent in den Keller.

BMW zogen 0,7 Prozent an. Dabei musste das Unternehmen einen Rückschlag verkraften. Es hat Kreisen zufolge offenbar sein Kern-Entwicklungsteam für die i3- und i8-Elektroautos an das chinesische Startup Future Mobility verloren.

Blessings letzter Akt

Schlecht kamen an der Börse die Aussagen von Commerzbank Chef Martin Blessing an. Nachdem beim Überschuss bisher eine leichte Verbesserung für 2016 erwartet wurde, stufte er dieses Ziel nun als "deutlich ambitionierter" ein. Für die Coba-Aktien ging es mehr als 2 Prozent nach unten.

Titel der Deutschen Telekom verbilligten sich rund 1 Prozent.  Die Gebühren, die die Wettbewerber dem Ex-Monopolisten für die Nutzung der sogenannten letzten Meile zahlen müssen, sollen leicht sinken. Die Bundesnetzagentur schlug vor, dass künftig monatlich 10,02 Euro fällig werden, wenn die Teilnehmeranschlussleitung am Hauptverteiler angemietet wird. Das sind 0,17 Euro weniger als bislang.

MDax: Gewinnrückgang bei Fielmann

Als "leicht enttäuschend" nahm der Handel die Zahlen von Fielmann zum ersten Quartal auf. "Es wirkt so, als können sie das Gewinnmomentum nicht mehr verbessern", sagte ein Marktteilnehmer mit Blick auf den deutlichen Gewinnrückgang. Der Vorsteuergewinn sank von fast 63 Millionen auf 54 Millionen Euro. Auch falle es schwer, der Fielmann-Begründung zu folgen, dass dies auf einen zu frühen Oster-Termin zurückzuführen sei. Die Titel büßten rund 5 Prozent ein.

USA: Dow Jones mit neuem Jahreshoch

Die Bilanzsaison hat zur Wochenmitte das Geschehen an der Wall Street beherrscht. Gute Daten vom Immobilienmarkt versetzten die Anleger in Kauflaune. Vom Auf und Ab der Ölpreise ließen sich die Investoren dagegen nicht mehr irritieren. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,2 Prozent auf 18.096 Punkte. Im Verlauf markierte er bei 18.168 Punkten ein neues Jahreshoch. Das Rekordhoch vom Mai vergangenen Jahres bei 18.351 Punkten rückt damit in Sichtweite. Für den S&P-500 ging es um 0,1 Prozent nach oben, während der Nasdaq-Composite um 0,2 Prozent zulegte.

Intel zogen 1,3 Prozent an. Der Chipkonzern hatte bei Verkündung seiner Quartalszahlen auch den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen bekannt gegeben. Intel verdiente im ersten Quartal zwar mehr als im Vorjahr und auch mehr als von Analysten erwartet, allerdings blieb der Umsatz hinter den Erwartungen zurück. Yahoo stiegen rund 4,2 Prozent. Der Umsatz des angeschlagenen Unternehmens, dessen Kerngeschäft zum Verkauf steht, sackte zwar um 11 Prozent ab, Marktbeobachter hatten aber Schlimmeres befürchtet.

Devisen: Euro und "schöne Worte"

Der Euro gab etwas nach. Am Abend fiel der Euro unter 1,13 Dollar nach 1,1357 Dollar am Vortag. Zwischenzeitlich war der Kurs bis auf 1,1388 Dollar gestiegen. Die EZB setzte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1379 Dollar fest nach 1,1343 Dollar am Dienstag und 1,1306 Dollar zum Wochenstart.

Händler sprachen von einer Gegenbewegung, nachdem die Gemeinschaftswährung seit Beginn der Woche gestiegen war. Besser als erwartet ausgefallene Daten vom US-Immobilienmarkt bewegten den Eurokurs am Nachmittag kaum. Generell gab es im Handelsverlauf kaum Konjunkturdaten, an denen sich die Anleger orientieren konnten, und Marktbeobachter sprachen von einem vergleichsweise ruhigen Handel.

Asien: Nikkei rauf, Shanghai Composite runter

Die Börsen in Ostasien und Australien zeigten sich zur Wochenmitte uneinheitlich. Wenig inspirierende Vorgaben der US-Börsen und fallende Ölpreise ließen keine Kaufstimmung aufkommen. Allerdings konnte der Tokioter Nikkei-Index nach dem Kursfeuerwerk am Dienstag weitere 0,2 Prozent auf 16.907 Punkte zulegen. "Kurzfristig bewegt sich der japanische Markt sehr zyklisch und folgt sehr stark der Entwicklung auf der Währungsseite", sagt Portfoliomanager Archibald Ciganer von T. Rowe Price.

Einen Kurseinbruch erlebten Mitsubishi Motors nach der Ankündigung einer Pressekonferenz, bei der es um Verstöße gegen Emissionsvorschriften ging. Die Aktie lag zunächst im Plus, brach dann aber so stark ein, dass sie "Limit Down" war, also vom Handel vorübergehend ausgesetzt wurde. Am Ende des Tages stand ein Minus von 15,2 Prozent.

In Sydney ging es für den S&P/ASX200 0,5 Prozent nach oben, gestützt vor allem von kräftigen Gewinnen bei Aktien aus dem Rohstoffkomplex, die wiederum vor allem von weiter auf ein Sechswochenhoch gestiegenen Eisenerzpreisen profitierten.  In China sackte der Shanghai Composite 2,3 Prozent auf 2973 Punkte ab. Der HSI in Hongkong lag mehr als 1 Prozent im Minus.

Marktteilnehmer an den chinesischen Börsen taten sich schwer mit Erklärungen für den zwischenzeitlichen Kurseinbruch. "Am beunruhigendsten ist, dass sich jeder fragt, was die negative Nachricht ist", sagte Analyst Deng Wenyuan von Soochow Securities. Dies habe die "irrationale panikartige Stimmung" noch verstärkt. Aktienhändler Bill Bowler von Forsyth Barr Asia kommentierte, der Markt sei in eine Art Luftloch gefallen, nachdem das Börsenbarometer unter die 3000er Marke gerutscht sei.  

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts/dpa