Marktberichte

Gute Nachrichten aus Spanien Dax tanzt Flamenco

Eine Flut überzeugender Firmenbilanzen und der offenbar eiserne Sparwille Spaniens helfen dem Dax nach oben. Die Berichtssaison laufe gut und die Nachwirkungen des Euro-Rettungspakets seien spürbar, fasst ein Händler die Stimmung zusammen.

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(Foto: REUTERS)

Der Frankfurter Aktienmarkt hat die Kurserholung fortgesezt. Entschlossene Sparpläne von Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Zapatero und überwiegend gut ausgefallener Quartalszahlen hellten die Stimmung auf. Der Leitindex Dax legte 2,4 Prozent auf 6183,49 Punkte zu und entfernte sich damit weiter von der Marke bei 6000 Punkten, die der Leitindex zum Wochenauftakt überwunden hatte. Gestützt wurde der Dax vor allem von Käufen der beiden Aktienschwergewichte Allianz und Deutsche Telekom.

Der MDax tendieret 3,5 Prozent im Plus bei 8459,71 Zählern, während der TecDax 2,6 Prozent auf 790 Punkte gewann. Der Dax sei der Outperfomer in Europa, sagte ein Händler. Denn die exportorientierte Werte würden durch den schwachen Euro gestützt.

Zapatero hatte am angekündigt, dass er unter anderem durch Stellenstreichungen und Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst 15 Mrd. Euro einsparen will. Es sehe danach aus, als ob Spanien eine gewisse Entschlossenheit signalisiere, sagte ein Marktstratege. "Es sieht danach aus, als ob auch Spanien den Ernst der Lage erkannt hat und bereit ist, zu handeln", ergänzte er.

"Die Anleger fokussieren sich wieder auf aktienrelevante Themen wie die Flut von Quartalszahlen, die größtenteils sehr gut ausfielen", sagte ein Händler einer deutschen Großbank. Zudem seien die Nachwirkungen des Euro-Rettungspakets spürbar, erklärte ein anderer Händler. Solange die Unternehmen gute bis stabile Zahlen liefern, werde auch weiter Geld in den Aktienmarkt fließen. Besonders deutsche Standardwerte dürften bei den Anlegern beliebt bleiben.

Schwacher Euro hilft

"Genau wie Bundesanleihen als sicherer Hafen gesehen werden, vermitteln klassische deutsche Werte den Investoren ein Sicherheitsgefühl", ergänzte er. Das zeigt sich auch daran, dass der Dax seit Anfang Februar nahezu dreimal so stark zugelegt wie der EuroStoxx50. "Deutschland als Export-Primus nutzt natürlich der schwächere Euro", so der Händler. Vor allem dank boomender Exporte hat die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal überraschend zugelegt.

Zu den steigenden Kursen trug möglicherweise ein weiterer Grund bei: "Möglicherweise werden schon Positionen für den Verfall am Freitag in acht Tagen angepasst", sagte ein Händler. Donnerstag und Freitag sei wegen "Christi Himmelfahrt" mit einem ruhigen Geschäft zu rechnen, da könnten sich Marktteilnehmer bereits jetzt in Zugzwang sehen.

Zahlreiche Zahlen

Hierzulande wurden die Kurse stark von der Berichtssaison geprägt, die Flut von Quartalsberichten deutscher Unternehmen erreicht einen Höhepunkt. Investoren, Händler, Analysten und Strategen kämpfen sich durch einen Wust von Geschäftszahlen von fünf Dax-Schwergewichten sowie von 14 Unternehmen aus dem MDax und sieben Unternehmen aus dem TecDax. Aus dem Dax haben die Deutsche Telekom, die Allianz, RWE sowie die beiden Stahlproduzenten ThyssenKrupp und Salzgitter Quartalsberichte veröffentlicht.

MAN setzen sich mit einem Plus von 5,8 Prozent an die Dax-Spitze. Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen hatte sich in einem Zeitungsinterview zuversichtlich geäußert, schon bald Sparerfolge durch die geplante Kooperation mit Scania zu erzielen. MAN Nutzfahrzeuge werde zudem für den Rest des Jahres Gewinne schreiben.

Deutsche Telekom stiegen 2,8 Prozent. Umsatz, Gewinnkennziffern und Barmittelbestand hatten die Erwartungen von Analysten übertroffen. Allianz verteuerten sich um 3,4 Prozent. Analysten finden vor allem an dem Nettoergebnis des Versicherers Gefallen.

Unter Druck stehen dagegen die Aktien von Salzgitter, die 0,1 Prozent einbüßten und die Verliererliste im Dax anführten. "Die Ergebnisse haben die Erwartungen in jedem Bereich deutlich verfehlt", bemängelt ein Händler. Der zweitgrößte Stahlkonzern Deutschlands hatte wegen der kräftig steigenden Rohstoffpreise verhaltenere Töne als bislang angeschlagen. Dagegen bekräftige der größere Rivale ThyssenKrupp nach einer Gewinnsteigerung im zweiten Quartal seinen Ausblick für das Geschäftsjahr 2009/2010. Die Papiere gewannen vor diesem Hintergrund 1,2 Prozent.

RWE stiegen 2,5 Prozent. Der Versorger hatte im ersten Quartal etwas besser abgeschnitten als erwartet. Die Aktien von Konkurrent Eon gewannen 3,1 Prozent.

Banken blieben nach den Kursausschlägen der letzten Tage im Fokus. Deutsche Bank stiegen 1,1 Prozent, während Commerzbank 2,1 Prozent zulegen. Die im MDax notierte Postbank schnitt mit ihren Zahlen zumindest im Rahmen der Erwartungen ab, worauf die Aktien 1,1 Prozent stiegen.

Fresinius Medical Care und K+S handelten um Dividendenabschläge bereinigt.

Auch im MDax sorgen Quartalszahlen für Impulse. vorgelegt haben, bis auf wenige Ausnahmen in engen Grenzen. So büßen Sky Deutschland 4 Prozent ein. Der Bezahlsender war im Auftaktquartal 2010 beim Kundenzuwachs deutlich hinter seinen eigenen Zielen geblieben. Klöckner & Co verloren 3,1 Prozent. Die Quartalszahlen des Stahlhändlers hatten zwar die Erwartungen übertroffen. Das Unternehmen sieht jedoch im zweiten Halbjahr Preisrisiken.

Im TecDax zogen Evotec um 5,1 Prozent an. Händler nennen die Quartalszahlen des Biotechnologie-Unternehmens überzeugend. SolarWorld stiegen nach anfänglichen Kursverlusten um 6 Prozent. Der Vorstand des Unternehmens hat den Rückkauf von bis zu zehn Prozent der eigenen Aktien beschlossen. Conergy legten 2,8 Prozent zu. Das Management rechnet mit einem erfolgreichen Abschluss der Finanzierungsgespräche mit den Geldgebern.

Quelle: n-tv.de, jga/rts/DJ/dpa

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