Marktberichte

Angst vor Engpässen Dürre treibt Rohstoffpreise

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Die USA leiden unter einer schweren Dürre. Auch in Oklahoma vernichtet die Trockenheit große Teile der Maisernte.

(Foto: AP)

Die Hitzewelle in den Vereinigten Staaten hat nicht nur Auswirkungen auf die Menschen dort. Weil die USA der größte Getreideexporteur der Welt sind und die Ernte bedroht ist, klettern die Preise für Grundnahrungsmittel wie Soja, Mais und Weizen.

Die Dürre in den USA treibt die Preise für Agrarrohstoffe wie Weizen, Mais und Soja nach oben. In den USA herrscht die schlimmste Trockenperiode seit 25 Jahren und Aussicht auf ein Ende gibt es nach Aussagen von Meteorologen derzeit kaum. In vielen Gebieten hat es seit acht Wochen nicht mehr geregnet. Da die USA der weltweit größte Exporteur für diese Agrarrohstoffe sind, wächst die Angst vor einem Versorgungsengpass bei diesen Grundnahrungsmitteln und einem weiteren Anstieg der Preise.

Sojabohnen erreichten an der US-Terminbörse CBOT in Chicago diese Woche einen neuen Rekordpreis. Mais ist so teuer wie seit vier Jahren nicht mehr. "Die Preise explodieren regelrecht", sagt Johann Schmalhofer, Finanzanalyst und selbst Landwirt mit einem Hof in der Nähe von Regensburg. In den vergangenen drei Wochen habe sich alleine Weizen um etwa 30 Prozent verteuert, erläutert er.

Der Preis für Mais zur Lieferung im Dezember zieht am Donnerstag weiter an und liegt auf einem Rekordhoch von 8,16 Dollar je Scheffel. In den vergangenen fünf Wochen hat der Maispreis um mehr als 50 Prozent zugelegt. Der Sojabohnen-Kontrakt für August erreicht ebenfalls auf ein Rekordhoch bei 17,49 Dollar je Scheffel. September-Weizen verteuert sich um vier Prozent auf ein Vier-Jahres-Hoch bei 9,35 Dollar pro Scheffel.

Globales Geschäft

Aber nicht nur in den USA sondern auch in Indien wird Trockenheit zum Problem für die Landwirtschaft. Börsianer fürchten, dass der nur schwache Monsun-Regen in Indien die Baumwoll-Ernte beeinträchtigen wird. Die Niederschläge lagen zuletzt 22 Prozent unter dem Durchschnitt. Der Dezember-Kontrakt für Baumwolle legt um ein Prozent zu auf 72,63 Dollar-Cent je Pfund.

Grundnahrungsmittel sind längst ein globales Geschäft. "Wenn in den USA die Preise steigen, gehen sie kurz darauf auch in Europa hoch", sagt Schmalhofer. Die Lebensmittelhersteller und Supermärkte könnten die Steigerungen dabei nur für kurze Zeit abfedern - am Ende würden die Verbraucher zur Kasse gebeten. "Sonst zahlen die Supermärkte ja drauf", erklärt Schmalhofer.

Dabei hatte sich die Lage gerade erst wieder entspannt. Der Nahrungsmittel-Preisindex der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) war im Juni den dritten Monat in Folge gefallen auf den tiefsten Stand seit September 2010. Die FAO begründete dies mit allgemein schwachen Märkten angesichts der wirtschaftlich unsicheren Lage sowie mit einer gemeinhin ausreichenden Versorgung.

Allerdings, so stellte die Organisation schon damals fest, hätten "die wachsenden Sorgen über das trockene Wetter die Preise für manche Getreidesorten am Ende des Monats in die Höhe getrieben". Diese Aussage ist zwei Wochen alt, seitdem hat sich die Lage in der Kornkammer Amerikas verschlimmert. Viele Getreidefelder sind inzwischen verdorrt; das US-Landwirtschaftsministerium hat seine Ernteprognosen deutlich nach unten korrigiert.

"Vor einigen Wochen war die Situation noch ruhig, mittlerweile ist sie besorgniserregend", zitiert die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg den FAO-Experten Abdolreza Abbassian. Er fürchtet, dass die Lebensmittel-Preise wegen der Produktionsausfälle in den USA auf breiter Front wieder anziehen könnten. "Es wird ganz offensichtlich kein entspannter Sommer."

Bei den letzten Preisspitzen 2008 und 2011 hatte es in armen Ländern Afrikas Unruhen gegeben. Die Menschen dort leiden am meisten unter teuren Grundnahrungsmitteln, weil sie bereits jetzt einen großen Teil ihres Einkommens für Essen ausgeben müssen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen hungern etwa 1 Milliarde Menschen.

Ölpreise gehen zurück

Die Ölpreise sinken unterdessen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur September-Lieferung kostet im Verlauf 106,58 US-Dollar und damit 1,1 Prozent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI zur Lieferung im August sinkt um 1 Prozent auf 91,72 Dollar.

Mit den jüngsten Verlusten geben die Ölpreise einen kleinen Teil ihrer Gewinne der vergangenen Handelstage ab. In den vergangenen vier Wochen war der Ölpreis angesichts der angespannten Lage im Nahen Osten um knapp 20 Prozent gestiegen. Die Analysten der LBBW rechnen eher mit einem weiteren Rückgang der Preise: "Die Öllager sind gut gefüllt, und das Ölangebot ist trotz der geopolitischen Unsicherheiten mehr als ausreichend".

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa

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