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Schäuble hilft Euro unterbricht Talfahrt

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Der Dollar wird derzeit von der Aussicht auf eine straffere Geldpolitik getragen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Finanzminister Schäubles Auslegung der jüngsten Draghi-Aussagen geben dem Eurokurs leichten Auftrieb. Für eine Trendwende reicht das aber noch nicht.

Der Kurs des Euro hat sich im Vormittagshandel etwas von seinen jüngsten Verlusten erholt. Nach den zuletzt deutlichen Verlusten sprechen Händler von einer Gegenbewegung. Der Euro sei einfach "überkauft", heißt es. Hilfreich waren Händlern zufolge auch Äußerungen des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble. Konjunkturdaten aus der Eurozone belasteten den Euro nicht weiter, obwohl sie die Markterwartungen enttäuschten.

Euro / Dollar
Euro / Dollar 1,11

Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 1,3181 US-Dollar gehandelt. In der Nacht war der Euro mit 1,3153 Dollar auf ein neues 11-Monatstief gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,3192 (Montag: 1,32) Dollar festgesetzt.

Schäuble hatte in einem Interview der "Passauer Neuen Presse" gesagt, die jüngsten Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi seien überinterpretiert worden. Draghi hatte am Freitag auf der Notenbankkonferenz im US-Bundesstaat Wyoming erklärt, falls nötig mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die immer weiter sinkende Inflation in der Euro-Zone vorzugehen. Dies hatte Spekulationen auf eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik ausgelöst, die den Euro ins Straucheln brachten.

Schlechte Konsumentendaten verpuffen

Ausgeblendet wurden am Devisenmarkt dafür die jüngsten Konjukturdaten. Das Verbrauchervertrauen hatte sich in Deutschland erstmals seit Januar 2013 eingetrübt. Zudem verschlechterten sich im August auch das italienische Verbrauchervertrauen und das französische Geschäftsklima.

Druck auf den Euro kommt von auseinander driftenden Zinsperspektiven zwischen der Eurozone und den USA. Im asiatischen Handel rutschte die Gemeinschaftswährung zum US-Dollar mit 1,3152 auf den niedrigsten Stand seit fast einem Jahr. Im Unterschied zur Eurozone stehen die Signale in den USA auf steigende Zinsen. Das macht Anlagen in US-Dollar lukrativer als solche in Euro.

Die US-Wirtschaft hatte zuletzt erfreuliche Signale gesendet. Sowohl die Auftragseingänge bei langlebigen Wirtschaftsgütern als auch eine Erhebung zum Verbrauchervertrauen überzeugten die Investoren davon, dass sich die US-Wirtschaft erholt. Das impliziert eine Zinswende und gibt dem Dollar - vor allem zum Euro - weiter Auftrieb.

Eine Trendwende zugunsten des Euro ist aber nicht abzusehen. Dem Eurokurs drohen nach Einschätzung von Commerzbank-Devisenexpertin Thu Lan Nguyen weitere Kursverluste. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik der EZB sei gestiegen, während die US-Notenbank auf eine Zinswende zusteuere. Am Mittwoch dürfte sich der Euro laut Nguyen jedoch nur in "Trippelschritten" nach unten bewegen, da keine marktbewegenden Konjunkturdaten anstehen.

Quelle: n-tv.de, ddi/bad/rts/DJ/dpa

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