Marktberichte

Devisen-Vorschau Euro wird gemieden

Auch in der kommenden Woche blicken Devisenhändler vor allem auf den Euro. Neben Griechenland gerät Portugal immer stärker in den Fokus.

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Griechenlands Staatsfinanzen setzen den Euro unter Druck.

(Foto: picture alliance / dpa)

Über Langeweile am Devisenmarkt kann sich momentan niemand beschweren. Im Rampenlicht steht die europäische Gemeinschaftswährung. Nachdem der Euro lange Zeit von der Schwäche im Dollar profitiert hat, wird er nun gemieden. Der Europäischen Zentralbank wird vorgeworfen, ihre Hausaufgaben nicht zufriedenstellend erledigt zu haben. Denn nicht anders kann eingestuft werden, dass ein Mitgliedsstaat wie Griechenland die Defizitquote nicht nur touchiert, sondern komplett gerissen hat.

Seit längerem wurde befürchtet, dass einige Staaten einen zu großen Schuldenberg aufgehäuft haben. Vor einem Jahr traten die Länder Osteuropas in das Rampenlicht. Die europäischen Banken, vor allem die Banken Österreichs wie auch die UniCredit mit ihrem wichtigen Osteuropageschäft, kamen zu diesem Zeitpunkt als große Kreditgeber unter Druck. Im Dezember war es Dubai, das unter der Last der Schulden kurzfristig zusammenzubrechen drohte. Doch mit Griechenland ist das Schuldnerproblem direkt in Europa angekommen.

Portugal unter Beobachtung

Ein Blick auf die Prämien der Versicherungen gegen einen Ausfall der griechischen Staatsanleihen zeigt, dass sich einige Marktteilnehmer nicht mehr so sicher sind, dass Griechenland einen Staatsbankrott entkommen wird. Ein Blick auf den Euro zeigt ganz deutlich, dass die Investoren seit den negativen Kommentaren der Rating-Agenturen verstärkt nach Alternativen suchen. Neben Griechenland steht seit Mitte dieser Woche auch Portugal auf der Watchlist.

Der Internationale Währungsfonds hatte in einem regelmäßig erscheinenden Bericht darauf hingewiesen, dass sich die Lage der Staatsfinanzen Portugals infolge der Wirtschaftskrise zuletzt deutlich verschlechtert hat. Ohne weitere Konsolidierungsschritte könnte die Schuldenquote mittelfristig auf 100 Prozent steigen. Die Devisenstrategen der Commerzbank sind aber optimistisch, dass die portugiesische Regierung gegensteuern wird und deshalb die Schuldenquote nicht so weit zulegen wird.

Auch wenn damit eine ähnliche Situation wie in Griechenland zunächst unwahrscheinlich sei, dürfte sich die Diskussion um die Stabilität der Gemeinschaftswährung am Devisenmarkt zunächst fortsetzen. Unsicherheit belastet, und damit dürfte der Abgabedruck auf den Euro vorerst nicht nachlassen. Schon ziehen weitere Gewitterwolken auf. Die Credit-Default-Swaps auf Anleihen mit Spanien als Schuldner ziehen langsam, aber stetig, an.

Die Banken-Pläne von US-Präsident Barack Obama werden nach Einschätzung von Antje Praefcke, Devisenstrategin bei der Commerzbank, den Greenback eher kurzfristig belasten. "Das war ganz klar ein Schuss vor den Bug der großen Wall-Street-Banken", so Praefcke. Allerdings sei es keine Überraschung, dass die Politik ab einem bestimmten Zeitpunkt ihre Versprechungen einlöse, die Stellung der Banken zu kappen. Nach dem ersten großen Knall werde sich der Rauch auflösen, und es müsse abgewartet werden, welche Auflagen zum Schluss der Finanzindustrie auferlegt würden.

Konjunkturdaten

In der kommenden Woche stehen einige Konjunkturdaten auf der Agenda, die nach Einschätzung von Praefcke ein positives Überraschungspotenzial enthalten. So stellt sie besonders die Veröffentlichung des Bruttoinlandsproduktes aus den USA am kommenden Freitag heraus. Während der Konsens von einem Anstieg der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal um 4,5 Prozent ausgeht, rechnet sie mit einem Wachstum um 4,8 Prozent. Bereits am Donnerstag stehen die Auftragseingänge der langlebigen Wirtschaftsgüter auf der Agenda.

Keinen großen Impuls dürfte dagegen der ifo-Geschäftsklima-Index am Dienstag der Gemeinschaftswährung geben. Die Stimmung bei den Unternehmen in Deutschland dürfte sich zwar stärker aufgehellt haben. Die Commerzbank geht allerdings davon aus, dass sich der Anstieg des ifo-Geschäftsklimas merklich abflachen wird. Die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Mittwoch dürfte unterdessen den Dollar kaum bewegen.

Quelle: ntv.de, DJ